Michael Auprince vom RSV Lahn-Dill beim Wurf

Am vergangenen Wochenende haben die Rollstuhlbasketballer des RSV Lahn-Dill den Einzug ins Finale der Deutschen Meisterschaft klar gemacht. Bevor es um den nationalen Titel geht, soll in der eigenen Halle der ganz große Wurf gelingen: der Triumph in der Champions League.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found RSV-Geschäftsführer Joneck: "Nach holprigem Start bestens präsentiert"

RSV Lahn-Dill
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Bisher ist die Saison der Rollstuhlbasketballer des RSV Lahn-Dill eine Erfolgsgeschichte. Hauptrundenmeister ist das Team um Trainerin Janet Zeltinger schon, am vergangenen Wochenende demontierten die Mittelhessen zudem Hannover im Halbfinale der Playoffs. Ob sie der Sahne-Saison am Ende eine Kirsche aufsetzen und einen Titel holen, zeigt sich in den kommenden Wochen.

Dass es zu dem jetzigen Zeitpunkt so gut aussehen würde, war zu Beginn der Saison nicht unbedingt abzusehen. "Wir sind etwas holprig gestartet. Das lag natürlich auch daran, dass wir zu Beginn der Saison fünf Wochen ohne Wettkampf waren. Erst waren wir selbst zwei Wochen in Quarantäne, dann sind auch noch andere Spiele ausgefallen", erinnert sich Geschäftsführer Andreas Joneck.

"Wir haben hier alle zwei blaue Augen"

Nach einer Niederlage gegen die Thuringia Bulls, ewiger Rivale und Meister der vergangenen drei Spielzeiten, ging es aber steil aufwärts: "Seit wir mit Beginn des Jahres so richtig im Fluss sind und richtig trainieren können, wird die Mannschaft immer stärker", sieht Joneck. Das habe man auch im Halbfinale gesehen, in dem der RSV den Gegner Hannover in zwei Spielen vom Parkett fegte.

Während die sportlichen Probleme durch Corona überstanden scheinen, geht es finanziell an die Schmerzgrenze: "Das Hauptproblem war, unsere vertraglichen Verpflichtungen den Sponsoren gegenüber zu erfüllen. Die Solidarität der Partner war sehr groß, aber sie geht natürlich nur so weit, wie sie nicht selbst betroffen sind. Wir haben hier alle zwei blaue Augen. Die Liquidität ist bis zum Sommer gesichert, aber da war die ein oder andere schlaflose Nacht dabei."

"Wir sind Mitfavorit"

Jetzt stehen erst einmal andere Herausforderungen an. Ende April richtet der RSV die Finalrunde der Champions League aus – und spielt auch selbst um den Titel. "Wir sind Mitfavorit", schätzt Joneck die Chancen ein. Er ist im Vorfeld mit der Organisation beschäftigt: 1200 Tests sollen in der Finalwoche bei den acht Teams aus Deutschland, Spanien und Italien durchgeführt werden. "Da gehen wir momentan am Limit", berichtet der Geschäftsführer.

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Rollstuhlbasketball

Beim Rollstuhlbasketball können Spieler mit verschiedenen oder ohne Behinderungen mit- und gegeneinander spielen. Einen sportlich fairen Wettkampf garantiert die funktionelle Klassifikation. Jeder Spieler erhält eine Klassifizierungspunktzahl zwischen 1 und 4.5. Diese sagt aus, wie die Mobilitätseinschränkung im Rollstuhl ist. Je größer die Einschränkung, desto kleiner die Zahl. Im Spiel gilt die Regel: Die fünf Feldspieler dürfen addiert die Punktzahl 14.5 nicht überschreiten. Wenn eine Frau eingesetzt wird, steigt die erlaubte Punktzahl auf 16. Beim RSV Lahn-Dill befinden sich im Kader neben zehn Männern auch die beiden Nationalspielerinnen Catharina Weiß und Annabel Breuer.

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Eine Woche nach der ersten Chance auf einen Titel geht es in Thüringen um die Deutsche Meisterschaft. Bei den Thuringia Bulls findet der Auftakt der Finalserie statt. "Von der nominellen Klasse her liegen die Mannschaften Nase an Nase, wir kennen uns bestens. Die Tendenz, die Entwicklung in dieser Saison spricht leicht für uns. Aber es ist eine 50/50-Geschichte." Zwei Siege braucht es in der Serie für die Meisterschaft. Für den RSV Lahn-Dill wäre es die erste seit 2017.