Jonas Rutsch

Bei der Tour de France fährt Jonas Rutsch mehr und mehr gute Ergebnisse ein. Der Radprofi aus dem Odenwald hat offenbar das Potenzial für mehr – bleibt in seinem Team aber bei der ihm zugedachten Aufgabe.

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Jonas Rutsch bei der Tour de France
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Mal der beste Deutsche am Berg, mal der beste Deutsche im Ziel – auf jeden Fall aber immer mit einer bemerkenswerten Leistung: Für Radprofi Jonas Rutsch läuft die Premiere bei der Tour de France auch nach der zweiten, anstrengenden Woche außerordentlich gut. Der 23-Jährige aus Erbach im Odenwald bestreitet erst seine zweite Saison als Profi, doch schon bei seiner ersten Frankreich-Rundfahrt fährt er an vielen Stellen ins Rampenlicht vor.

Als "die kleinen Freuden des Profi-Lebens" bezeichnete er nun am Sportschau-Mikro seine guten Ergebnisse – beispielsweise das vom vergangenen Donnerstag, als er am Ende der Mont-Ventoux-Etappe erneut als bestplatzierter Deutscher das Ziel in Malaucène erreicht hatte. "Das ergibt sich so oder es ergibt sich nicht", bleibt Rutsch in seiner ihm zugedachten Helferrolle bescheiden.

"... aber das ist hier nicht das Ziel"

"Es ist natürlich schön und nice to have, wenn das dabei rumkommt. Aber das ist hier nicht das Ziel." Neue Ambitionen, neue Ansprüche gar: Vom Südhessen gibt es in dieser Hinsicht überhaupt keine Ansagen: "Das Ziel ist hier, dass Rigo zu 100 Prozent die bestmögliche Gesamtklassement-Platzierung rausholt."

"Rigo", das ist Rigoberto Urán, aussichtsreichster Klassement-Fahrer in Rutschs Mannschaft vom Team EF Education-Nippo. Im Kampf um das Gelbe Trikot ist Top-Star Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) wohl auch in diesem Jahr nicht zu schlagen, als Zweiter der Gesamtwertung hat Urán aktuell aber gute Chancen aufs Podium. "Dafür arbeiten wir jeden Tag hart und schauen, dass es in Paris auch hinhaut", sagt Rutsch.

Rutsch hält regelmäßig Kontakt in die Heimat

"Ich bin froh, dass es in der Gesamtwertung so gut für uns läuft." Seine eigenen Leistungen auf dem Weg in die französische Hauptstadt bezeichnet der Odenwälder deshalb auch ganz untergeordnet als "Beiwerk". Zuhause, im Odenwald, dürfte das etwas anders gesehen werden.

Schon Rutschs Nominierung für die Tour de France hatte bei Familie und Freunden für große Begeisterung gesorgt, während der Schleife durch Frankreich hält der Radprofi vor und nach den Etappen Kontakt in die Heimat: "Die Resonanz ist großartig. Es sind alle sehr, sehr stolz, dass ich hier bin."

Senkrechte Beine am Ruhetag

Dieses Gefühl von Stolz dürfte sich wahrscheinlich am Dienstag wieder bemerkbar machen, wenn im Odenwald Daumen gedrückt und in den Pyrenäen die nächsten Anstiege zu meistern sind. Nach dem Ruhetag am Montag ("Da machen wir die Beine mal ein bisschen senkrecht") geht die Tour mit einer hügeligen 16. Etappe weiter. Jonas Rutsch, phasenweise einer der besten Deutschen im Fahrerfeld, wird aber wohl auch die letzte Woche der Rundfahrt angehen wie die ersten zwei: sehr bescheiden.