Nico Kurz

Game on: Im Londoner "Ally Pally" startet am Freitag die Darts-Weltmeisterschaft. Mit dabei ist überraschend auch Nico Kurz aus Hanau. Eine Sache, die eigentlich jeder Darts-Profi hat, fehlt dem jungen Talent aber noch.

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Nico Kurz Portrait
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In kurzen Abständen landen die Stahl-Pfeile mit einem dumpfen Geräusch im Sisal-Board. Eine Lampe brummt, ansonsten ist es still. Wenn Nico Kurz mit seinem Trainingspartner Sladan Darts spielt, herrscht konzentriertes Schweigen. Der Raum, in dem sie trainieren, ist das Hinterzimmer eines Lokals in der Darmstädter Innenstadt. Sechs Dartscheiben hängen an einer mit blauem Samt bezogenen Wand. Hier wird regelmäßig Darts-Bundesliga gespielt. Und hier bereitet sich Kurz auf seine WM-Premiere vor.

Krasser könnte der Kontrast kaum sein zu der ausgelassenen Partystimmung, die ihn schon in wenigen Tagen in London erwartet. Zum ersten Mal wird der 22-Jährige im Alexandra Palace, dem berühmten "Ally Pally", auf der Bühne stehen. "Die Anspannung hält sich noch in Grenzen", sagt der junge Mann, dem der ganze Medientrubel um seine Person fast zu viel ist. "Das wird sich aber wahrscheinlich ändern, wenn wir in London sind und vorm Ally Pally stehen."

Kurz spielt erst seit fünf Jahren ambitioniert

Dass Kurz nach London fliegt, ist eine Überraschung, erst seit fünf Jahren spielt er ambitioniert Darts. Bereits 2017 qualifizierte er sich für die deutsche Super League, in der jedes Jahr ein Startplatz für die WM vergeben wird. Als er in diesem Jahr die Liga gewann, ging das WM-Ticket damit an ihn. "Dass das geklappt hat, macht mich mega happy", sagt er, seine Augen leuchten. "Ich habe schon in den letzten zwei Jahren sehr konstant gespielt und gespürt, dass es in diese Richtung gehen kann."

Das Talent zum Pfeilewerfen wurde ihm in die Wiege gelegt: Seine Eltern Sabine und Holger sind Deutsche Meister im E-Darts. Lange hatte der Sohn aber nur Fußball im Kopf, der elterliche Darts-Raum zu Hause erschien ihm langweilig. "Natürlich war man mal in dem Raum und hat drei, vier Pfeile geworfen, aber das war jetzt nie so, dass man sagt, ich versuche das regelmäßig zu spielen", erzählt Kurz junior. Das änderte sich plötzlich beim Zuschauen eines Darts-Turniers im Fernsehen. "In den Pausen bin ich dann immer mal rüber gelaufen, habe ein bisschen gespielt und gemerkt: Ja, gar nicht so schlecht."

Vollzeitjob, Training – und Fußball

Zwei bis drei Stunden täglich trainiert der Hanauer mittlerweile – und das neben seinem Vollzeitjob als Industriemechaniker. Arbeit, Darts, dann noch ab und an Fußball-Training beim FC Karben: Der Alltag von Nico Kurz ist gut durchgeplant. "Natürlich nimmt das alles viel Zeit in Anspruch und ist manchmal auch stressig, aber es macht mir alles Spaß", versichert er.

Sein Ziel für die WM ist es, erst einmal die erste Runde zu überstehen. "Wenn ich mein Spiel abrufen kann, wird es der Erstrunden-Gegner vielleicht auch schwer haben", sagt er selbstbewusst. Sein erster Kontrahent am nächsten Mittwoch (18.12.2019) in der Abendsession ab 20 Uhr ist der Brite James Wilson. Zwei Kumpels und seine Freundin werden mit nach London fliegen und Kurz zujubeln. Sein persönliches Einlauf-Lied steht schon fest: Live is life von Opus. Für den perfekten Auftritt fehlt aber noch etwas – und zwar ein cooler Spitzname.

Ein Spitzname fehlt noch

"Es hat sich so eingebürgert, dass viele Profis einen haben. Bei mir ist der passende Nickname noch nicht zu mir gekommen", gesteht Kurz grinsend. Macht nichts, den Doppel-Weltmeister Gary Anderson alias "The Flying Scotsman" hat er in diesem Jahr schon geschlagen – und das ohne Spitznamen. Einfach als Nico Kurz aus Hanau.