Wenn am Samstag die 108. Tour de France startet, dann geht mit Jonas Rutsch ein junger Hesse an den Start. Der 23 Jahre alte Radprofi erfüllt sich damit einen Kindheitstraum – und das trotz einer Verletzung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Odenwälder Jonas Rutsch fährt bei der Tour de France 2021

Jonas Rutsch
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Manche Kinder schlafen in Bettwäsche von Borussia Dortmund oder Bayern München, Jonas Rutsch im gelben Trikot. Also fast, denn für sein erstes Rennen mit nicht einmal sieben Jahren im Odenwald musste es unbedingt ein gelbes Trikot sein. Schließlich hatte er das bei den Übertragungen der Tour de France gesehen, jetzt ist der 23-Jährige beim größten Radrennen der Welt selbst dabei: "Es ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht", sagte er im Gespräch mit dem hr-sport.

Die 108. Tour de France, die am Samstag beginnt, sie ist die erste für den jungen Radprofi. Nach starken Leistungen bei der Tour de Suisse schaffte es Rutsch überraschend ins Aufgebot seines Teams EF Education-Nippo. "Ich bin total happy", verriet er. "Ich werde 150 Prozent geben, um die Aufgaben, die das Team an mich stellt, zu erfüllen."

Rutschs Rippe

Dafür wird Rutsch sich quälen müssen – und das nicht nur, weil die Tour ohnehin eine Grenzerfahrung ist, selbst für Routiniers. "Ich bin leider bei der Tour de Suisse gestürzt und habe mir auf der dritten Etappe eine Rippe gebrochen. Aber ich habe mich durchgekämpft, es ging halt um die Tour", erzählte Rutsch. Und für die Tour, da kämpft man auch schon einmal mit einer gebrochenen Rippe.

Außerdem sei das ja auch schon zwei Wochen her, so Rutsch. Andere meiden nach dieser Zeit selbst das Treppen steigen. Nicht so Radprofi Rutsch. Nach einem Check-up gab es auch von den Ärzten Entwarnung, die Verletzung sollte ihn bei der Frankreich-Rundfahrt nicht einschränken. "Ich kann mit 100 Prozent in die Tour gehen."

"Bombentyp" mit vielen Stärken

Die wird der 23-Jährige auch brauchen. "Die Vorfreude ist riesig", so Rutsch – von Respekt oder Angst keine Spur, nicht einmal vor den gefürchteten Bergetappen. "Ich habe in Erbach im Odenwald angefangen. Ich kenne das Hoch und Runter also", so Rutsch. Noch heute trainiert er im Odenwald, lebt inzwischen aber in Wiesbaden. "Aber ich bin immer gern in der alten Heimat."

Bodenständig wirkt er. Und das, obwohl er als einer der vielversprechendsten Jungprofis im Radzirkus gilt. "Er ist einfach ein Bombentyp", verriet Jens Zemke, selbst einst Radprofi und heute Sportlicher Leiter beim deutschen World-Tour-Team Bora-Hansgrohe. Rutsch kennt Zemke gut, er glaubt, dass der Odenwälder bei seiner ersten Tour ein echter Gewinn für sein Team ist. "Er ist ein sehr guter Zeitfahrer, das zeigt also, dass er seinen sehr guten Motor hat. Und das ist wichtig für das Team."

Ausflug in Spitzengruppe?

Und Rutsch ist ein Klassikerspezialist – noch eine Stärke, die ihm vor allem auf den ersten Etappen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt helfen könnte. "Das sollte ihm liegen. Vielleicht bekommt er ja mal Freigang und kann sich in Spitzengruppen zeigen", so Zemke. Rutsch selbst will "akribisch arbeiten". Dann könnte er irgendwann auch das Gelbe Trikot wiedersehen, das ihn schon als Kind so faszinierte.

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