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Olympia: Eishockey-Spieler Müller nach dem Sieg gegen China im Interview

Moritz Müller

"Sehr fahrlässig", "zu verkrampft", "phlegmatisch": Zwar holt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking im zweiten Spiel den ersten Sieg, doch das Match gegen Gastgeber China ist enger als gedacht. Kapitän Moritz Müller aus Frankfurt mahnt daher auch.

Das war knapper als geplant: Bei den Olympischen Spielen in Peking hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Samstag zwar mit 3:2 (2:0, 1:1, 0:1) gegen China gewonnen und damit im zweiten Spiel den ersehnten ersten Sieg eingefahren. Wegen eines Leistungsabfalls nach der zwischenzeitlichen 3:0-Führung im zweiten Drittel entpuppte sich das Match gegen den Gastgeber allerdings als Zitterpartie. Der Kampf um die zuvor fest eingeplanten drei Punkte? Er war knallhart.

"Wir hatten einen guten Start ins Spiel, sind dann aber irgendwann zu locker geworden", analysierte daher auch Verteidiger Moritz Müller. Nach dem 1:5 im Auftaktmatch gegen Kanada sei die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) "sehr stark unter Druck" gewesen. "Jetzt war es fast schon ein bisschen Erleichterung, spielerisch die Oberhand zu haben. Wir haben dann aber vergessen, dass die Arbeit an erster Stelle steht. So haben wir China ins Spiel zurückkommen lassen – das ist auf dem Niveau sehr fahrlässig", sagte Müller.

Moritz Müller: Frankfurt, Kassel, Nationalmannschaft

Der gebürtige Frankfurter war in der Jugend für die Kassel Huskies aktiv, auch in der vergangenen Saison absolvierte er auf Leihbasis einige Spiele für den Zweitligisten aus Nordhessen. Der Heimatclub des 35-Jährigen sind seit langer Zeit die Haie aus Köln. In der Nationalmannschaft gehört der Kapitän mit all seiner Erfahrung zu den Führungsspielern, spricht Probleme schonungslos an.

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Und das ist auch nötig – trotz der Tatsache, dass das deutsche Team gegen China durch die Tore von Marcel Brandt (14. Spielminute), Korbinian Holzer (17.) und Dominik Kahun (25.) mit 3:0 in Führung gegangen war. Doch nach gut 30 Minuten fanden auch die Chinesen besser in die Partie, mit einigen Strafzeiten schwächte sich Deutschland selbst. "Meistens nimmt man Strafen, weil man vorher schon einen Tick zu spät war", sagte Müller. "Das heißt: Es ist ein Resultat unserer Spielweise – und ein Zeichen dafür, dass wir es konzentrierter zu Ende spielen müssen."

DEB-Auswahl lässt China ins Rollen kommen

Doch auch das immer flüssiger werdende Spiel Chinas bereitete der DEB-Auswahl von Bundestrainer Toni Söderholm zunehmend Probleme. Das 1:3 fiel noch vor der zweiten Pause, "weil wir im zweiten Drittel eine Zeit lang zu locker waren, zu verkrampft", so Müller. Im Schlussabschnitt habe China schließlich nichts mehr zu verlieren gehabt. Die unmissverständliche Analyse des Kapitäns: "Wir hätten es nie so weit kommen lassen dürfen."

Und trotzdem: Vor dem abschließenden Vorrundenspiel am Sonntag (14.10 Uhr MEZ) gegen die USA haben Müller und Co. sogar noch die theoretische Chance auf den Gruppensieg. Für einen Erfolg gegen die bislang ungeschlagenen US-Boys, die am Samstag den ewigen Klassiker gegen Kanada mit 4:2 gewannen, braucht es aber über Nacht eine Leistungsexplosion.

"So phlegmatisch dürfen wir nicht spielen"

Gegen Außenseiter China hat Deutschland "das richtige Gesicht gezeigt", da ist sich Müller sicher. Seit dem Gewinn der Silbermedaille 2018 in Südkorea ist die Euphorie ums deutsche Eishockey spürbar gewachsen, das zeigt auch das olympische Turnier in Peking. Spielverläufe wie der gegen die Chinesen sind für Müller dennoch eine "Lektion": "So phlegmatisch dürfen wir nicht spielen." Nach einem knappen Sieg gegen die USA dürfte aber auf jeden Fall mehr gejubelt als gemahnt werden.

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