Tina Hermann

Die siebenmalige Skeleton-Weltmeisterin Tina Hermann ordnet ihrem Traum von einer Olympia-Medaille alles unter und verbringt selbst den Heiligabend in der Nähe einer Bobbahn. Der Nachholtermin für die Familienfeier steht aber schon fest.

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Hermann: "Je mehr Trainingseinheiten, desto besser"

Die deutsche Skeletoni Tina Hermann bejubelt ihren Sieg
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Weihnachten bei den Hermanns wird in diesem Jahr deutlich anders aussehen als sonst. Wenn im beschaulichen Eschenburg-Hirzenhain (Lahn-Dill) an Heiligabend das Festtags-Mahl serviert wird, wird ein Platz am Tisch freibleiben und das prominenteste Mitglied der Familie fehlen. Tina Hermann, ihres Zeichens siebenmalige Skeleton-Weltmeisterin und heiße Kandidatin für eine Medaille bei den Olympischen Spielen in Peking, widmet nämlich selbst die besinnlichste Zeit des Jahres ihrem Sportgerät auf zwei Kufen und verbringt die Feiertage rund 1.800 Kilometer von ihrer Heimat entfernt.

"Ich bin an Weihnachten sonst immer bei meiner Familie in Hessen. Dieses Jahr bin ich in Sigulda", sagte Hermann dem hr-sport. Sigulda, das liegt in Lettland und ist Austragungsort des nächsten Skeleton-Weltcups (28. Dezember bis 2. Januar) und damit gleichzeitig einer der letzten Härtetests unter Wettkampf-Bedingungen für die am 4. Februar startenden Olympischen Spiele in Peking. "Mein Trainer und ich werden uns sicher eine gemütliche Zeit machen", so Hermann. Ein paar Geschenke hat sie bereits besorgt, auch einen Weihnachtsbaum soll es geben. "Ich freu' mich drauf."

An Weihnachten wird gesprintet

Die Planungen des alternativen Weihnachts-Fests im Nordosten Europas sind also in vollem Gange, letztlich aber nur eine Randnotiz. Für Hermann geht es in Sigulda hauptsächlich darum, weiter an ihrer Form zu feilen und sich für Olympia in Schuss zu bringen. Die Leistungskurve zeigte nach schwächerem Saisonstart in Innsbruck-Igls mit einem achten und einem zwölften Platz zuletzt zwar wieder nach oben. Die beiden Rennen in Altenberg gewann Hermann, in Winterberg wurde sie Zweite. Ganz zufrieden ist sie aber noch nicht. "Vor allem beim Start muss ich noch die eine oder andere Hundertstel rausholen."

Wie das geht? Mit Kraft- und Schnelligkeits-Einheiten sowie jeder Menge Schweiß. "Wir bauen jetzt noch eine Athletik-Phase ein", berichtete Hermann. Sprint-Training an Weihnachten. Was man alles so macht, wenn man ein großes Ziel verfolgt. Hermann, die bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang leer ausging, brennt darauf, ihrer beachtlichen nationalen und internationalen Titelsammlung endlich auch Olympia-Edelmetall hinzufügen. "Ich möchte da schon um die Medaillen mitfahren."

Nach Olympia sollen die Korken knallen

Die Chancen auf eine Medaille, das ist nach drei WM-Siegen in Folge keine Anmaßung, sind groß. Hermann fährt mindestens als Mit-Favoritin nach Peking und ist ganz heiße Anwärterin auf einen der Plätze auf dem Treppchen. Die Bahn, die die Athletinnen im Oktober bereits zweieinhalb Wochen kennen- und lieben lernen durften, gefällt und liegt Hermann. Der Sieg im ersten Testrennen ging bereits nach Mittelhessen. "Es ist Wahnsinn, was die da hingezaubert haben. Die Bahn ist einzigartig."

Und wenn alles so kommt wie geplant, soll das eigentlich für den 24. Dezember geplante Familienfest ziemlich genau zwei Monate später nachgeholt werden. Wenn es in Peking Grund zum Jubeln geben sollte, würde sich Hermann zwar "über ein Bier" freuen. Danach soll es aber schnellstmöglich in Richtung Hirzenhain gehen. "Dort wird definitiv eine Feier stattfinden, damit ich mit allen anstoßen kann." So ein Weihnachten in Sigulda muss sich ja auch lohnen.

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