Tina Hermann auf dem Skeleton

Angst vor fliegenden Drachen? Nicht mit Tina Hermann aus Eschenburg-Hirzenhain. Die siebenfache Skeleton-Weltmeisterin reist als Mitfavoritin nach Peking und will Olympia-Gold holen. Der Plan von der Unterwäsche bis zum Jubel steht bereits.

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Skeleton-Star Tina Hermann: "Ich habe alles gern gemacht, was mit Action zu tun hat"

Tina Hermann auf ihrem Skeleton
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Kurve eins: relativ schnell. Kurve zwei: bloß nicht im Dach einschlagen. Kurve drei: easy. Kurve vier: bloß nicht gegen die Bande fahren. Danach Speed aufnehmen, wenn möglich über 120 km/h, und mit Vollgas durch den 360-Grad-Kreisel heizen. Alles kopfüber, versteht sich. "Und nach der Zielkurve dann hoffentlich jubeln."

So in etwa stellt sich Skeleton-Pilotin Tina Hermann ihre Fahrt zu Gold bei den Olympischen Spielen in Peking vor. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich da nicht gewinnen will", sagte die 29-Jährige aus Eschenburg-Hirzenhain (Lahn-Dill) bei hr-iNFO Das Interview. Nach sieben WM-Titeln soll auf dem "Fliegenden Schneedrachen", so lautet der offizielle Name der Pekinger Olympia-Bobbahn, endlich die erste Gold-Medaille her. "Das ist mein riesengroßer Traum."

Aus der Ski-Karriere wurde nichts

Ein Traum, der in Hermanns Kindheit noch etwas anders war. Ursprünglich wollte die Tochter des Vorstandsvorsitzenden des örtlichen Skiclubs nämlich nicht auf einem Schlitten weltweit für Furore sorgen, sondern auf zwei Brettern. Mit gerade einmal zwölf Jahren zog Hermann dafür vom beschaulichen Mittelhessen nach Berchtesgaden und besuchte dort das Skigymnasium. Ziel: eine Karriere im schillernden Ski-Zirkus.

Umgeben von meist älteren Mitschülerinnen und Mitschülern trainierte Hermann an Technik, Kraft und Geschwindigkeit, Heimweh gab es nicht. "Ich wurde dort immer 'das kleine Küken' genannt. Aber mir hat das sehr, sehr gut gefallen." Da es zum Durchbruch jedoch nicht reichte und Hermann im Alter von 15 Jahren keinen der begehrten Kaderplätze ergattern konnte, musste schnell ein anderes Hobby her. "Ich habe alles gerne gemacht, was mit Action zu tun hat."

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Tina Hermann: "Es werden keine normalen Olympischen Spiele"

Tina Hermann
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Dann halt Skeleton

Die logische Folge: Hermann entschied sich auf Anraten eines Bekannten dafür, sich mit dem Kopf zuerst in einen Eiskanal zu stürzen. Nach vorsichtigem Beschnuppern und Trockenübungen im April 2007 raste die damals 15-Jährige im Oktober 2007 erstmals alleine auf einem Skeleton eine Bobbahn hinunter. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Etwas mehr als 14 Jahre und sieben WM-Erfolge später geht Hermann bei Olympia als Mitfavoritin an den Start und hat ein Platz auf dem Treppchen fest im Visier. Die Konkurrenz ist zwar groß, Hermanns Selbstvertrauen aber auch. Eine Medaille soll es dann schon sein. "Das ist der Anspruch an mich selbst."

Küken kämpft auf Drachen um Gold

Den Schneedrachen in Peking hat das Küken von einst bei Testfahrten bereits mehrfach bezwungen. Für die rund 1,6 Kilometer braucht Hermann etwas mehr als eine Minute. "Der Bahnkomplex ist extrem schön und sehr anspruchsvoll. Ich bin da extrem gerne gefahren."

Damit es im Wettkampf dann auch extrem weit nach vorne geht, wird im Hause Hermann schon vorher nichts dem Zufall überlassen. Bereits am Abend vorher steht das Polieren des Helms und das Abkleben der Schuhe auf dem Programm. Auch der Inhalt der Sporttasche steht schon fest: "Ich habe besondere Unterwäsche, das sind meine Glücks-Klamotten", so Hermann. "Es gibt für alles einen genauen Ablauf." Der Rest des sportlichen Plans ist ja bekannt.

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Mission Olympia-Gold - Abflug nach Peking | hessenschau Sport vom 26.01.2022

hs
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