Die deutschen Goalballer wollen bei den Paralympics ganz oben stehen.

Vize-Weltmeister und Europameister sind die Goalballer von Bundestrainer Johannes Günther aus dem Ebsdorfergrund bei Marburg schon. Bei Günthers letztem Turnier soll es der ganz große Wurf werden.

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Goalball-Spieler Reno Tiede dreht sich einmal um sich selbst, holt so Schwung und schleudert den blauen Ball dann in Richtung gegnerisches Tor. Der Ball springt mehrmals auf dem Hallen-Boden auf. Die abwehrenden Spieler machen sich lang, rutschen und hechten. Es wirkt zwar anders, aber die Spieler der deutschen Goalball-Nationalmannschaft sehen auf dem Spielfeld nichts. Sie sind auf unterschiedliche Weise sehbehindert und tragen Dunkelbrillen, durch die kein Licht kommt. So haben alle die gleichen Bedingungen. Beim Goalball kommt es aufs Hören an. Im Ball sind Glocken, damit die Spieler hören, wie schnell er ist und von wo er kommt. Gespielt wird drei gegen drei auf zwei neun Meter breite Tore. 

Der 39 Jahre alte Bundestrainer Johannes Günther schaut sich das Training am Rand an. Er hat sein Team im paralympischen Trainingszentrum Kienbaum in Brandenburg intensiv auf die kommenden Gegner vorbereitet. Günthers Ziel ist klar: Gold bei den Paralympics in Tokio. "Es wäre jetzt ja auch nicht authentisch, zu sagen, wir sind amtierender Europameister und Vize-Weltmeister und wollen das Viertelfinale erreichen", sagt der Hesse.

Früher Underdog, heute Titelanwärter

Die Ansprüche sind gewachsen. Johannes Günther hat sein Team in den vergangenen Jahren an die Weltspitze geführt. Vor fünf Jahren war es zum Beispiel schon ein großer Erfolg, als sich die deutschen Goalballer für die Paralympics in Rio qualifiziert hatten. In Tokio greifen sie nach Gold. Spieler Oliver Hörauf weiß, warum es unter dem hessischen Trainer so gut läuft: "Das ist auf jeden Fall das schnelle Verstehen eines Spiels", sagt der 24-Jährige. "Egal auf welchen Gegner wir gerade treffen, er ist sofort in der Lage, ein Spiel zu lesen und sein Spielermaterial richtig einzusetzen." 

Das wird nötig sein bei den Paralympics in Tokio. Die deutschen Goalballer spielen in ihrer Gruppe gegen Vize-Europameister Ukraine, gegen Asienmeister China und auch Belgien und Auftaktgegner Türkei sind stark. Zusammen mit seinem Co-Trainer Stefan Weil und dem Videoanalysten Tobias Vestweber, beide aus Marburg, hat Bundestrainer Günther die Gegner studiert. Trotz der starken Gruppe, ist Deutschland Favorit, sagt der Bundestrainer: "Wir haben auf manchen Positionen, Michael Dennis da voran, Spieler, die wirklich die besten der Welt sind."

 Gold als krönender Abschluss 

Auch wenn die Spieler Weltspitze sind, die deutschen Goalballer haben trotzdem auch noch Berufe oder studieren. Bundestrainer Johannes Günther ist Lehrer an einer Schule im mittelhessischen Amöneburg. Nach zwölf Jahren Nationalmannschaft ist für ihn nach den Paralympics in Tokio Schluss. Der Job des Bundestrainers soll hauptamtlich weitergeführt werden. Günther will aber Lehrer bleiben. 

Zum Abschluss soll es nochmal der ganz große Wurf werden. Gold ist möglich, dafür müssen die deutschen Goalballer sich am Ende aber wahrscheinlich gegen Weltmeister Brasilien durchsetzen. Spieler Oliver Hörauf kann es kaum erwarten, bis es am Mittwoch um 10.30 Uhr endlich losgeht. "Diesmal sind die Chancen mit einer Medaille nach Hause zu kommen größer als von vor fünf Jahren. Da freut man sich schon drauf."