Rad-Profi John Degenkolb.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Degenkolb verpasst die Tour

Riesen-Überraschung vor der Tour de France: Die Frankreich-Rundfahrt findet in diesem Jahr voraussichtlich ohne John Degenkolb statt. Das Team des Oberurselers verzichtet aus sportlichen Gründen auf den Etappensieger von 2018.

Die Tour de France 2019 ohne John Degenkolb? Eigentlich kaum vorstellbar, doch offenbar Realität. Wie Degenkolb dem hr-sport bestätigte, verzichtet das Trek-Segafredo-Team in diesem Jahr auf seine Nominierung. "Stand jetzt ist es so, dass ich die Tour dieses Jahr nicht fahre", sagte der Oberurseler am Samstag.

Ausschlaggebend seien sportliche Gründe. "Wir haben im Team verschiedene Optionen durchgespielt", so Degenkolb. Stand jetzt werde der Fokus für die Frankreich-Rundfahrt (6. bis 28. Juli) ganz auf seinen Teamkollegen Richie Porte und dessen Chancen auf den Gesamtsieg ausgerichtet. Dem Australier Porte werden nach der schweren Verletzung des viermaligen Toursiegers Chris Froome (Ineos-Rennstall) Chancen auf den Gesamtsieg eingeräumt.

Degenkolbs Team setzt voll auf den Gesamtsieg

Eine Rolle spielt bei der Entscheidung, die Degenkolb nach eigener Aussage voll und ganz respektiert, auch die im vergangenen Jahr beschlossene Verschlankung der Teams von neun auf acht Fahrer. Das Segafredo-Team will Porte offenbar sieben Helfer bei der Jagd nach dem Gelben Trikot des Gesamtführenden zur Seite stellen.

Degenkolb hatte im vergangenen Jahr mit dem Etappensieg in der "Hölle des Nordens" von Roubaix den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Auf einen weiteren Etappensieg muss der 30-Jährige voraussichtlich mindestens ein weiteres Jahr warten.

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John Degenkolb wird Zweiter bei der Schlussetappe der Tour de France 2018

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zum Video Tour de France: Zieleinfahrt in Paris

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Degenkolb: "Verzicht zu verschmerzen"

"Die finale Entscheidung ist zwar noch nicht ganz gefallen", so Degenkolb. "Aber nach sechs Teilnahmen in Folge ist der Verzicht in diesem Jahr für mich auch zu verschmerzen."

Florian Naß
ARD-Reporter Florian Naß begleitet die Tour seit Jahren als Experte und Kommentator. Bild © hr

ARD-Radsportexperte Florian Naß kann hingegen nicht nachvollziehen, weshalb Degenkolbs Rennstall einen Top-Sprinter wie den Oberurseler opfert: "Porte ist ein toller Fahrer, aber bislang bei der Tour den Beweis schuldig geblieben, ein echter Sieganwärter bei einer Drei-Wochen-Rundfahrt zu sein." Portes bislang größter Erfolg war ein 5. Platz im Gesamtklassement 2016. "Degenkolb ist ein Star, nicht nur in Deutschland", ergänzte Naß. "Auf ihn zu verzichten, ignoriert seinen Stellenwert im internationalen Radsport."

Degenkolb bestreitet derzeit die Tour de Suisse, bei deren Auftaktzeitfahren am Samstag er Platz 73 belegte. Trek hatte zur Saison 2019 den Australier Porte als neuen Rundfahrt-Star verpflichtet. Der 34-Jährige war in den vergangenen Jahren als Mitfavorit zur Tour gefahren, dort aber vom Pech verfolgt. 2017 und 2018 musste Porte im BMC-Trikot die Frankreich-Rundfahrt nach schweren Stürzen aufgeben.   

Sendung: hr-iNFO, 15.6.2019, 20.30 Uhr