Eine E-Sport-Veranstaltung in Hamburg
eSport ist ein Massenphänomen. Bild © Imago

Videospiele zocken ist kein Sport. Das sagt zumindest der DOSB, der eine Aufnahme des eSport verweigert und sich dafür einiges anhören muss. Der Bensheimer FIFA-Profi Benedikt Saltzer ist verwundert, glaubt aber noch an ein Umdenken.

Laut der offiziellen Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbunds setzt eine Sportart sportliche Aktivität voraus. Beim Laufen wird gelaufen, beim Schwimmen geschwommen, beim Fahrradfahren geradelt. So weit, so einfach. Etwas komplizierter ist es da schon beim Schach. Das Duell weiße gegen schwarze Figuren wird viel im Gehirn und deutlich weniger dank filigraner Fingerbewegungen entschieden. Geschwitzt wird selten, zur großen DOSB-Familie gehören die Brettspieler trotzdem. Im Gegensatz zum eSport.

Saltzer kritisert DOSB

Der in Frankfurt sitzende DOSB war in einer Mitteilung am Montag auf Distanz zum professionellen Gaming gegangen und hatte einer möglichen Aufnahme eine Absage erteilt. Digitale Sportsimulationen seien zwar gut für das Entwicklungspotenzial von Vereinen. eGaming entspreche in seiner Gesamtheit aber nicht den Aufnahmekriterien, die das Sport- und Verbändesystem unter dem Dach des DOSB konstituieren, hieß es. Betroffene wie Benedikt Saltzer quittierten diesen Beschluss mit Kopfschütteln.

Benedikt Saltzer spielt FIFA
Benedikt Saltzer spielt FIFA - ist das ein Sport? Bild © Imago

Der gebürtige Südhesse, der in der Realität für Verbandsligist FC Bensheim aufläuft und in der Virtual Reality den VfL Wolfsburg vertritt, spielt professionell das Fußball-Spiel FIFA und holte in dieser Digital-Disziplin bereits vier Deutsche Meistertitel. Die ablehnende Haltung des DOSB kann er nicht nachvollziehen. "Ich hätte nicht mit dieser Entscheidung gerechnet", sagte er dem hr-sport. "Der DOSB beraubt sich aus meiner Sicht einer Chance. Sie haben es verpasst, auf den Zug aufzuspringen. Die Szene wird auch so weiterwachsen", so der 26-Jährige.

Bei den Frankfurt Skyliners, die als einer der ersten hessischen Profi-Clubs eine eigene Gaming-Abteilung gegründet hatte, sorgt die Entscheidung noch für keine große Aufregung. Das müsse auf Verbandsebene geklärt werden, sagte ein Sprecher dem hr-sport.

Kritik auch aus Politik und Verband

Prominente Befürwortern der eSport-Szene gehen dagegen deutlich schärfer mit dem DOSB ins Gericht. Dorothee Bär (CSU), die Digitalisierungsbeauftragte der Bundesregierung, nannte die Positionierung vor dem Hintergrund des digitalen Wandels "schwer nachvollziehbar". Es sei ein Irrtum, dass es nur ein "entweder oder" zwischen digitaler und analoger Welt geben könne.

Der in Berlin ansässige eSport-Bund Deutschland (ESBD) bewertete die Mitteilung des DOSB als deutliche Absage für einen möglichen Aufnahmeantrag. Der Verband stelle sich gegen die junge Bewegung. "Das zeigt, dass es weiterhin kaum Verständnis gibt", sagte Präsident Hans Jagnow.

Noch ist nicht alles verloren

Saltzer glaubt und hofft deshalb, dass das DOSB-Nein zum eSport nicht endgültig ist. "Mir persönlich kommt es so vor, als wollen alle noch ein bisschen abwarten, wie sich das nächste Jahr entwickelt", spekulierte er. Irgendwann werde der Zeitpunkt kommen, dass der digitale Fußball seinen Platz in der Sportwelt bekommen werde. "Ich denke, dass die Entwicklung zeigt, dass es irgendwann unumgänglich wird, den eSport als Sportart anzuerkennen."