Tim Pütz Davis Cup

Am Samstag steigt der Davis Cup im Tennis. Mit dabei: der Frankfurter Doppel-Spezialist Tim Pütz. Vor dem Turnier redet er über die fehlende Atmosphäre, den Termin und das eigene Papa-Dasein.

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Pütz: "Davis Cup ein Highlight - Termin eine Katastrophe"

Tim Pütz
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Eigentlich ist der Davis Cup für alle Tennis-Spieler ein absolutes Highlight im Jahr. Nicht aktuell. Das Nationen-Turnier wird einmal mehr komplett am Jahresende ausgetragen. Ein Umstand, den auch der Frankfurter Doppel-Spezialist Tim Pütz, der an der Seite von Kevin Krawietz für die deutsche Auswahl antreten wird, kritisiert.

"Es ist ein bisschen ein zweischneidiges Schwert", berichtet Pütz im Gespräch mit dem hr-sport. "Auf der einen Seite ist der Davis Cup immer ein absolutes Highlight des Jahres und wir sind dafür immer alle gerne verfügbar. Zum anderen muss man aber auch ehrlich sagen, dass dieser Termin eine Katastrophe ist." Eigentlich, so Pütz weiter, sei es eine "Frechheit", das Turnier so spät im Jahr stattfinden zu lassen.

Keine Zuschauer in der Halle

Hinzu kommt, dass in Innsbruck, wo die deutsche Auswahl ab Samstag auf Serbien und Österreich trifft, aufgrund der Corona-Pandemie keine Zuschauer sein werden. "Ich glaube, dass hier bei diesem irgendwie komischen Finalturnier die Stimmung sowieso nicht so brennend gewesen wäre", betont Pütz.

Bis 2018 wurde der Davis Cup in einer K.o.-Runde über das Jahr verteilt ausgespielt, seit 2019 gibt es das Turnier zum Jahresende. "Wenn man hier erfolgreich spielt, ist das Finale am 5. Dezember. Am 27. Dezember fliegen die Charterflüge schon wieder nach Australien", berichtet Pütz. Mitte Januar steht mit den Australian Open in Melbourne das erste Highlight des neuen Tennis-Jahres an. Zeit für Urlaub und Erholung bleibt da kaum.

Deutsches Team ohne Alexander Zverev

Aufgrund dieser Konstellation muss das deutsche Davis-Cup-Team auch auf Superstar Alexander Zverev verzichten. Der frischgebackene Finals-Sieger hatte das Turnier frühzeitig abgesagt. "Ich kann das nach seinem langen Jahr voll und ganz nachvollziehen, auch wenn ich es natürlich schade finde. Aber diese Meinung teilt jeder von uns im Team", berichtet Pütz.

Ohne Zverev dürfte es die deutsche Auswahl schwer haben. Das weiß auch Pütz. "Wir hoffen, dass wir durch unseren Teamgeist, durch unsere trotzdem vorhandene Qualität, weit kommen können", so der Frankfurter. "Uns fehlt zwar ein Top-10-Spieler, aber sonst haben wir eine hohe Qualität. Im Doppel sind wir wahrscheinlich eins der besseren Teams. Das wollen wir nutzen."

Seit Anfang des Jahres Papa

Hinter Pütz selbst liegt eine erfolgreiche und ereignisreiche Saison. In Paris gewann der Frankfurter an der Seite von Michael Venus Anfang November seinen ersten Doppel-Masters-Titel. Insgesamt sei es das beste Tennis-Jahr seines Lebens gewesen, sagt Pütz. Und das, obwohl - oder vielleicht: weil - er deutlich weniger Zeit für seinen Sport hat. Der Grund: Zu Beginn des Jahres wurde der 34-Jährige Vater.

"Ich weiß nicht, ob ich jetzt viel glücklicher bin, Tennis an Wichtigkeit abgenommen hat und ich deshalb jetzt besser spiele", berichtet er und erklärt mit einem Lachen: "Ich trainiere eindeutig weniger in diesem Jahr als in den Jahren vorher, das ist nicht abzustreiten. Und ich schlafe weniger und schlechter als vorher, auch das ist nicht abzustreiten. Weshalb ich dadurch besser Tennis spiele, haben wir noch nicht rausbekommen." Es scheint auf jeden Fall zu helfen. Vielleicht ja auch beim Davis Cup in diesem Jahr.