Radprofis vor der Frankfurter Skyline

Neuer Termin, neue Euphorie, neue Rückendeckung durch den Weltverband: Trotz ungewisser Pandemie-Bedingungen blicken die Veranstalter des Radrennens Eschborn-Frankfurt optimistisch in die Zukunft. Der Nachholtermin könnte ein Radsport-Feiertag werden.

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Audioseite Frankfurter Radklassiker soll am 19. September nachgeholt werden

Szene vom Radrennen Eschborn-Frankfurt 2018
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Aus 1. Mai wird 19. September: Der Radklassiker Eschborn-Frankfurt, der vergangene Woche zum zweiten Mal in Folge pandemiebedingt verschoben werden musste, soll 141 Tage nach dem ursprünglichen und traditionsgeladenen Maifeiertags-Termin nachgeholt werden. Das teilte die veranstaltende Gesellschaft zur Förderung des Radsports am Donnerstag mit.

"Das Radrennen am 1. Mai ist seit jeher ein Fest", sagte Gesellschafts-Geschäftsführer Claude Rach dem hr-sport. "Wir wollen, dass es ein Fest bleibt und auch in sechs Monaten ein Fest sein wird." In der Tat hat der 19. September 2021 das Potenzial, ein besonderer Feiertag im Radsport-Kalender zu werden.

Frankfurter Radrennen als WM-Generalprobe

Denn: Sollte es an besagtem Sonntag zu einer Durchführung von Eschborn-Frankfurt kommen, wäre der Klassiker gleichzeitig die Generalprobe für das eine Woche später stattfindende WM-Rennen in der belgischen Region Flandern. Stars wie der amtierende Weltmeister Julian Alaphilippe könnten sich auf der Schleife durch Frankfurt und Taunus zu einem letzten Formcheck die Ehre geben, ehe die alljährliche Jagd auf das Regenbogen-Trikot ansteht.

Das Besondere dabei: Im Kalender des Weltverbandes UCI ist der letzte Sonntag vor dem WM-Rennen normalerweise blockiert, da zu diesem Zeitpunkt meist schon andere WM-Titelkämpfe wie das Einzelzeitfahren ausgetragen werden. Selbst ein World-Tour-Event, und zu dieser ersten Liga gehört auch der Frankfurter Radklassiker, hat eine Woche vor dem WM-Höhepunkt keinen Platz – eigentlich. Im zweiten Corona-Jahr plant die UCI eine Ausnahme ein.

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zum Video Lokalmatador John Degenkolb über die Verschiebung des Radklassikers

John Degenkolb
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"Das zeigt, wie wichtig Eschborn-Frankfurt im Kalender des Weltverbandes ist", so Rach. Zudem ist das Frankfurter Rennen Stand jetzt das einzige aus der World Tour, das auf einen bereits feststehenden Nachholtermin verschoben wurde. Andere wie die Tour Down Under oder das Cadel-Evans-Great-Ocean-Road-Race in Australien mussten ersatzlos abgesagt werden.

Allerdings: Gänzlich sicher können sie sich auch in Frankfurt und Eschborn nicht sein, zu dynamisch ist sechs Monate vor dem geplanten Startschuss das Pandemie-Geschehen – auch in Hessen. Erst am Donnerstag überstieg die landesweite Inzidenz laut Robert-Koch-Institut erstmals wieder die kritische Marke von 100, Profisport-Veranstaltungen müssen wohl noch eine ganze Weile ohne Publikum auskommen. Letzteres hatte schließlich auch zur zweiten Verschiebung des Radrennens in Folge geführt, wobei es für die 2020er-Ausgabe keinen Nachholtermin gab.

Eschborn-Frankfurt: Hygienekonzept steht

Mit dieser Erfahrung im Gepäck bauen Claude Rach und sein Team nun auf den Faktor Zeit. In den kommenden Monaten – so die Hoffnung – sollen die Infektionszahlen zurückgehen und dafür die deutschlandweite Impfkampagne voranschreiten, um im Idealfall im Spätsommer ein Radsport-Fest nach gewohnten Maßstäben feiern zu können.

Für den Fall einer Austragung unter verschärften Pandemie-Bedingungen haben die Organisatoren bereits im Dezember ein Hygienekonzept vorgelegt, mittlerweile scheinen zudem eine Schnelltest- oder gar eine Impfpflicht für das Teilnehmerfeld nicht ausgeschlossen. "Wir sind keine Mediziner, dafür aber im regen Austausch mit allen Behörden", betonte Rach. "Alle Entscheidungen obliegen den Gesundheitsämtern."

Rach: "Definitiv nicht unser Wille"

Genau die könnten sich aber nicht nur um die Elite-Profis sorgen, sondern vor allem um die mindestens 5.000 Amateursportlerinnen und -sportler, die sich im Rahmen der sogenannten Velotour auf ihre Räder setzen wollen. Da dieses Rennen für Jederfrau und Jedermann auch in der 60. Jubiläumsausgabe das Herzstück des Radklassikers bilden soll, war eine Reduzierung der Veranstaltung auf das Profi-Rennen bei den Veranstaltern nie ernsthaft Thema.

Ohnehin hätte dafür die sonst knapp 180 Kilometer lange Strecke auf einen hermetisch abgeriegelten und öffentlich nicht zugänglichen Rundkurs ausgelagert werden müssen. Zehn Kilometer lang, fast 20 Mal zu befahren - "das war definitiv nicht unser Wille", so Rach, "weil es weder in unser Strecken- noch in unser Gesamtkonzept passt. Wir wollen die 60. Auflage mit einem Konzept feiern, mit dem man sich zu 100 Prozent wohlfühlt." Neuer Anlauf also am 19. September.

Weitere Informationen

Jubiläums-Doku im hr-fernsehen

Das hr-fernsehen sendet am 1. Mai einen ausführlichen Rückblick auf 60 Jahre Frankfurter Radrennen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, Nachrichten, 18.03.21, 16 Uhr