Radprofis fahren den Mammolshainer Berg hoch.

Endlich wieder Radrennen: Nach langer Pause findet am Sonntag der Klassiker Eschborn-Frankfurt statt. Sportlich könnte es so spannend werden wie lange nicht - und das liegt vor allem an einer Sondergenehmigung des Weltverbandes.

Videobeitrag

Video

zum Video Der Frankfurter Radklassiker am 19. September live (Trailer)

Radprofis in Frankfurt
Ende des Videobeitrags

Wer in diesen Tagen das Internet nach Begriffen wie Vorfreude, Euphorie oder auch Erleichterung durchsucht, der dürfte früher oder später auf den Radklassiker Eschborn-Frankfurt stoßen, auf Bilder von Profis und sportlichen Leitern mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Der Grund? Das traditionsreiche Rennen, jahrzehntelang bekannt als "Rund um den Henninger Turm", findet am Sonntag (19. September) wieder statt. Man ist geneigt zu sagen: endlich wieder.

Fast zweieinhalb Jahre Corona-Zwangspause haben Eschborn-Frankfurt aus dem Rennkalender des Weltverbandes UCI verschwinden lassen. Während in anderen Ländern zahlreiche Rundfahrten und Eintagesrennen stattfinden konnten, befanden sich Radsport-Fans in Deutschland und damit auch in Hessen im Wartestand: Zu kompliziert waren hierzulande Organisation und Durchführung eines Sportevents, das Jahr für Jahr Zehntausende an mehrere Hotspots entlang der Strecke lockt.

60 Jahre Frankfurter Radklassiker

2020 musste der Frankfurter Radklassiker pandemiebedingt ersatzlos gestrichen werden, in diesem Jahr wurde er vom eigentlichen Radsport-Feiertag am 1. Mai auf den 19. September verlegt. Auch 2021 wird es aus Gründen des Infektionsschutzes keine große Party geben, die Veranstalter von der Gesellschaft zur Förderung des Radsports wollen dennoch vor allem eines: einen würdigen Geburtstag feiern.

Denn wenn am Sonntag in Eschborn der Startschuss fällt, geht das Radrennen durch Frankfurt und Taunus in seine 60. Ausgabe. Ein Jubiläum, das auch einem aktiven Profi viel bedeutet: John Degenkolb. "Das ist jedes Jahr ein ganz spezielles Rennen für mich, wir fahren durch meinen Heimatort", sagt der sprintstarke Fahrer vom Team Lotto Soudal, der seit vielen Jahren in der Region zuhause ist und mittlerweile mit seiner Familie in Oberursel lebt.

Lokalmatador John Degenkolb will wieder jubeln

Dort steht auch der Siegerpokal vom 50. Jubiläum des Radklassikers, 2011 nämlich konnte Degenkolb sein Heimrennen gewinnen. Wiederholung erwünscht – in diesem Jahr aber vielleicht so schwierig wie noch nie.

Videobeitrag

Video

zum Video Degenkolb: 19. September würdiger Ersatz für 1. Mai

John Degenkolb
Ende des Videobeitrags

"Da das Rennen im Herbst ist, kann es sein, dass anders gefahren wird", wagt der 32-Jährige eine vorsichtige Prognose. Heißt konkret: Statt auf der Zielgeraden an der Alten Oper einen Massensprint zu haben, könnte eine Fluchtgruppe das Geschehen bestimmen.

Eschborn-Frankfurt wird zur WM-Generalprobe

"Das würde mir nicht in die Karten spielen", sagt Degenkolb. Doch er ist sich auch sicher: "Ich kenne die Strecke gut. Ich vertraue darauf, am richtigen Hinterrad zu sitzen, wenn es darauf ankommt."

Dass Eschborn-Frankfurt am 19. September stattfindet und damit zu den letzten und nicht zu den ersten Höhepunkten des Rennkalenders gehört, ist zumindest für Organisatoren und Fans ein weiterer Grund zur Vorfreude. Genau sieben Tage später steigt bei den Weltmeisterschaften in Flandern das Straßenrennen - viele Stars werden den Klassiker in Hessen für einen letzten Belastungstest nutzen, ehe eine Woche später in Belgien die Jagd nach dem begehrten Regenbogen-Trikot ansteht.

Ackermann, Kristoff und Co.: viele Stars beim Radklassiker

Neben Degenkolb, Pascal Ackermann vom deutschen Team Bora-hansgrohe (Sieger 2019) und Seriensieger Alexander Kristoff (UAE-Team Emirates) haben sich unter anderem Deutschland-Tour-Gewinner Nils Politt, Ex-Olympiasieger Greg van Avermaet (AG2R Citroen Team) und Ex-Weltmeister Philippe Gilbert angekündigt. Normalerweise findet am letzten Sonntag vor dem WM-Rennen kein Wettkampf statt, eine Sondergenehmigung der UCI sorgt nun für eine Aufwertung des Frankfurter Radklassikers. Erstmals sind 13 World-Tour-Teams dabei, so viele wie noch nie aus der ersten Liga des weltweiten Radsports.

"Nicht-Sprinter und Klassiker-Fahrer werden probieren, im Taunus eine kleine Fluchtgruppe zu erzwingen", erwartet auch Fabian Wegmann einen für Frankfurt eher untypischen Rennausgang. Der Ex-Profi, 2009 und 2010 selbst Sieger beim Frankfurter Radklassiker, ist mittlerweile der sportliche Leiter des Rennens.

Wegmann: "Ein paar Fahrer werden Bambule spielen"

Auch Wegmann weiß: Wer nicht in einem Massensprint das Nachsehen haben möchte, muss die Vorentscheidung an den knackigen Taunus-Rampen wie dem Mammolshainer Stich, dem Ruppertshainer Anstieg oder der Billtalhöhe suchen.

Videobeitrag

Video

zum Video Wegmann über Eschborn-Frankfurt: "Wir freuen uns tierisch"

Fabian Wegmann
Ende des Videobeitrags

Der Große Feldberg gehört natürlich auch wieder zum Streckenprofil, auf insgesamt 187,4 Kilometern sind 3.200 Höhenmeter zu bezwingen. Der Verlauf des Rennens könnte so spannend werden wie schon lange nicht mehr. Oder wie es Wegmann ausdrückt: "Ein paar Fahrer werden im Taunus Bambule spielen."

hr zeigt komplettes Rennen live

Rein sportlich sind die Voraussetzungen also geklärt, mit Blick auf Corona und Infektionsschutz gibt es freilich noch ein paar Fragezeichen: Wie viele Fans werden sich an der Strecke versammeln? Pilgern sie - trotz klarer Empfehlung, es nicht zu tun - zu den sonst beliebten Fan-Treffpunkten wie in Mammolshain? Die Organisatoren haben sich monatelang mit insgesamt drei Gesundheitsämtern ausgetauscht, außer am Ziel in der Frankfurter Innenstadt wird es keinen offiziellen Zuschauerbereich geben.

Dort ist Platz für bis zu 800 Gäste und Fans, für sie gilt der 3G-Nachweis (geimpft, genesen, getestet). Wer den Frankfurter Radklassiker mit allem drum und dran verfolgen möchte, für den ist ohnehin der Hessische Rundfunk wie gewohnt erster Ansprechpartner: Ab 13.15 Uhr übertragen das hr-fernsehen und hessenschau.de im Livestream das komplette Rennen. Inklusive aller Euphorie und Erleichterung ob der Tatsache: endlich wieder Frankfurter Radklassiker.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen