Rad-Profi John Degenkolb.
Rad-Profi John Degenkolb. Bild © Imago

Am Samstag steht mit dem Radklassiker Mailand-Sanremo für John Degenkolb ein absolutes Highlight auf dem Programm. Der Oberurseler rechnet sich Chancen aus - auch für den Platz ganz oben auf dem Treppchen.

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Für John Degenkolb begann alles mit einem simplen Kühlschrankmagneten. Ein Freund schenkte ihm 2015 vor dem Start des Radklassikers Mailand-Sanremo einen solchen, darauf abgebildet: vier Asse. Degenkolb triumphierte damals an der ligurischen Küste - und die vier Asse sind seither seine symbolische Jagdtrophäe. "Ich bin fest davon überzeugt, dass ich 2015 wiederholen kann", sagt der 30-Jährige.

2015 war sein Jahr, denn er siegte später noch spektakulär bei Paris-Roubaix, der Königin der klassischen Eintagesrennen. Es ging aber nicht so weiter: der furchtbare Trainingsunfall 2016, die Jahre 2017 und 2018 mit etlichen weiteren Rückschlägen, Erkrankungen, Verletzungen. Es war oft schwierig für den Oberurseler. "Ich glaube, die harte Zeit hat bei mir ein Ende", sagt Degenkolb nun.

Jagd nach weiteren Assen

Auch wegen des Etappensieges bei der letzten Tour de France in Roubaix hat er neues Vertrauen gefasst, die Jagd nach weiteren Assen scheint wieder mehr als nur ein Wunschtraum. Jedes dieser Asse steht für einen Triumph bei einem der Radsport-Monumente, die auf Degenkolb solch große Faszination ausüben. "Die Klassikersaison ist für mich enorm wichtig, ich zehre von jedem Ergebnis, dessen bin ich mir bewusst", sagt er.

Am Samstag (ab 14.30 Uhr) beginnen nun diese ganz speziellen Wochen traditionell mit der Classicissima, der längsten Tortur im Kalender mit fast 300 Kilometern von Mailand bis auf die berühmte Via Roma in Sanremo. Und Degenkolb, der 2018 erkrankt passen musste, ist "guter Dinge": "Im Vergleich zum letzten Jahr, wo es mir zu dem Zeitpunkt richtig dreckig ging, ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht."

Degenkolb: "An diesen Rennen werde ich gemessen"

Der Klassikerspezialist verspürt die nötige Rennhärte, er hatte, einen "gesunden Winter" und holte sich ausreichend "Stabilität". In zahlreichen Siegen hat sich die offenbar starke Verfassung nicht ausgedrückt, ein Saisonerfolg steht bisher zu Buche. "Alles vorher", sagt der Profi aus dem Team Trek-Segafredo gleichwohl, "war nur dazu da, um jetzt gut genug zu sein. Jetzt geht es wirklich los, jetzt zählt es. An diesen Rennen werde ich gemessen."

Doch die Konkurrenz ist groß. Zum einen das überragende Team Deceuninck-Quick Step mit den Top-Favoriten Julian Alaphilippe (Frankreich) und Elia Viviani (Italien), und zum anderen die deutsche Equipe Bora-hansgrohe mit Superstar Peter Sagan (Slowakei) und dem aufstrebenden Sam Bennett (Irland). Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. "Ich zähle mich zum erweiterten Favoritenkreis. An einem guten Tag ist alles möglich", sagt Degenkolb.

Alles hängt von der körperlichen Verfassung ab

Und an diesem möglichst guten Tag muss der 30-Jährige vor allem die Schlüsselstellen Cipressa und Poggio an der Spitze überstehen, um in dem besonderen Sprint nach über sieben Fahrstunden seine Fähigkeiten auszuspielen. Auch bei der Primavera hänge eben alles an den körperlichen Voraussetzungen, sagt er: "Wenn ich die Beine dazu habe, dann kann ich Rennen nach vorne raus entscheiden." Und im Idealfall das nächste Ass erfolgreich jagen.