Jonas Rutsch

Seit dieser Saison ist Jonas Rutsch als Radprofi unterwegs, doch Corona hat auch den jungen Odenwälder ausgebremst. Jetzt, da sein Sport wieder an Fahrt aufnimmt, ist Zeit und Platz für die ganz großen Träume.

Videobeitrag

Video

zum Video Jonas Rutsch lebt seinen Traum als Radprofi

Jonas Rutsch
Ende des Videobeitrags

Der internationale Profi-Radsport, so platt darf man das ausnahmsweise mal sagen, kommt langsam aber sicher wieder ins Rollen. Mit der Strade Bianche, einem beliebten Eintagesrennen in der Toskana, kehrt der Weltverband UCI am Samstag (1. August) nach rund viereinhalb Monaten Pandemie-Pause ins World-Tour-Geschehen zurück. Die Tour de France, das Highlight in jedem Radsport-Jahr, soll am 29. August starten.

Mögliche Corona-Hygienekonzepte? Wurden in den vergangenen Tagen erstmals medienwirksam getestet – bei der Sibiu Cycling Tour mitten in Rumänien. Der Eindruck: Von einer Entwarnung ist auch die Radrenn-Szene noch weit entfernt, doch die Generalprobe für die kommenden, wichtigsten Rennen ist geglückt. Eine Nachricht, die auch ein aufstrebendes Talent aus Hessen sehr freuen dürfte.

Jonas Rutsch: "Das ist meine Leidenschaft"

Gestatten: Jonas Rutsch, 22 Jahre jung, gebürtig aus Erbach im Odenwald – und seit dieser Saison beim World-Tour-Team EF Pro Cycling unter Vertrag. "Ich bin schon immer Rad gefahren, das ist meine Leidenschaft. Und es ist ein richtig gutes Gefühl, dass ich das jetzt täglich als Job ausüben darf", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. Das Vertragsangebot seines Arbeitgebers aus den USA im vergangenen Sommer sei das erste aus dem Profi-Zirkus gewesen.

Ein Engagement bei einer deutschen Mannschaft wie Bora-hansgrohe sei zu diesem Zeitpunkt kein Thema gewesen, allein deshalb nicht, weil EF frühzeitig "erhöhtes Interesse" an ihm gezeigt habe. "Worauf sollte ich warten?", fragt Rutsch rhetorisch. "Wenn die Chance da ist, sollte man sie nutzen." Ein Leitmotiv, das der Odenwälder offenkundig schon in Kindertagen beherzigt hat.

Erst Mountainbike, dann Rennrad

Rückblick: Sein Vater ist es, der ihn "als kleinen Knirps" auf ein Mountainbike setzt – und damit die Rad-Leidenschaft seines Sohnes weckt. Von nun an strampelt Rutsch jedes Wochenende durch die hügelige Landschaft des Odenwaldes. Eine Strecke, die er schon damals mit am meisten fährt, führt ihn seinen "Hausberg" hoch nach Bullau. Zuhause, erinnert er sich, hängen an einem Türrahmen kleine Zettelchen. Mehrere, weil immer einer hinzukommt, wenn die Uhr seines Vaters nach einer neuen Bestzeit stoppt.

Videobeitrag

Video

zum Video Das ist Radsport-Talent Jonas Rutsch

Jonas Rutsch
Ende des Videobeitrags

In der Mountainbike-Abteilung des TV Dorf-Erbach nimmt er zwei Mal pro Woche Techniktraining oder an längeren Ausfahrten teil, ehe er später vom Gelände auf die Straße und damit aufs Rennrad wechselt. Für einen Sportler seiner Branche ist Rutsch mit einer Körpergröße von 1,97 Meter zwar ungewöhnlich groß, seinem Talent steht sie aber nicht im Weg.

U23-Sieger bei Gent-Wevelgem

Mittlerweile kann Rutsch auf einige Erfolge zurückblicken, darunter auf einen Sieg beim U23-Rennen des belgischen Klassikers Gent-Wevelgem 2019 oder auch auf einen zweiten Platz beim U23-Rennen von Eschborn-Frankfurt 2018. Dass er nun, im Alter von gerade einmal 22 Jahren, bei den Profis angekommen ist, macht ihn für das Fachmagazin Tour zum "Riesentalent", zum "Hoffnungsträger der neuen deutschen Rennfahrer-Generation". Der Beweis dafür steht freilich noch aus.

Denn, um eine weitere Plattitüde zu bemühen: Die Corona-Krise hat auch ihn ausgebremst. Die Frühjahrsklassiker, seine Lieblingsrennen, sind nahezu komplett ausgefallen oder auf Spätsommer und Herbst verschoben worden. "Ich habe das Radfahren genossen und geschaut, dass ich mich fit halte", sagt er im Rückblick auf die vergangenen Monate. Bis zum Beginn der Zwangspause im März war Rutsch bei insgesamt 15 Profi-Rennen an den Start gegangen, die meisten bei den traditionell ersten Rundfahrten eines jeden Jahres durch Australien.

Rutsch träumt von einem Sieg bei Paris-Roubaix

"Es ist viel umkämpfter. Jede Position, die man nach vorne kommt, ist Gold wert", erzählt er von seinen neuen Erfahrungen. "Als ich in Australien das erste mal einen Endspurt angefahren habe, war schon ein bisschen Adrenalin mit dabei. Das muss man aber ausschalten und seinen Job machen." Apropos Job: Parallel zum Radrenn-Sport studiert Rutsch an der Polizei-Hochschule in Wiesbaden, nach der Karriere will er "ganz normal" als Polizist arbeiten.

Und vorher? Hat er große Sehnsucht nach Erfolgen als Radprofi. "Ich will irgendwann mal einen Klassiker gewinnen – einen richtigen Klassiker, einen von den großen", sagt Rutsch. Der Name Paris-Roubaix fällt, einer der fünf großen Monumente. "Alles, was davor kommt, ist Vorbereitung auf dieses Ziel." Wie gut, dass der internationale Profi-Radsport langsam aber sicher wieder ins Rollen kommt.