Tony Martin

Der deutsche Radsport verliert den nächsten prägenden Fahrer des vergangenen Jahrzehnts. Der viermalige Zeitfahrweltmeister und langjährige Eschborner Tony Martin wird seine Karriere nach der WM in Belgien beenden

Das kündigte der 36-Jährige am Sonntag kurz vor seinem Einsatz im WM-Einzelzeitfahren an. Letztmals an den Start geht Martin am Mittwoch mit der Mixed-Staffel. Seinen Vertrag für 2022 bei Jumbo-Visma wird er in Absprache mit der Teamleitung nicht erfüllen. "Eine solch weitreichende Entscheidung fällt mir natürlich nicht leicht. Der Radsport hat den Großteil meines bisherigen Lebens geprägt. Mit Höhen und Tiefen, großen Erfolgen und Niederlagen, Stürzen und Comebacks", sagte Martin. 

In den letzten Monaten habe er aber vermehrt an die Zeit nach dem Radsport gedacht: "Dazu haben auch die schweren Stürze in dieser Saison beigetragen, nach denen ich mir die Frage gestellt habe, ob ich das Risiko, welches unser Sport mit sich bringt, weiterhin bereit bin einzugehen".

"Sicherheit in Radrennen hat sich nicht verbessert"

Er habe für sich entschieden, "dass ich dies nicht mehr will, zumal sich, trotz vieler Diskussionen um Streckenführungen und Absperrungen, die Sicherheit in Radrennen nicht verbessert hat", sagte Martin: "Ich hoffe, dass die Radsportwelt auf die Pläne meines und anderer Teams hört." Martin war bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli schwer gestürzt und hatte das Rennen vorzeitig beenden müssen.

Sein Comeback gab er zuletzt bei der Tour of Britain, die er mit Blick auf das WM-Zeitfahren vorzeitig verließ. Martin prägte den Kampf gegen die Uhr über Jahre. Vier Mal eroberte er das Regenbogentrikot des Weltmeisters (2011 bis 2013, 2016), bei den deutschen Meisterschaften war er zehn Mal erfolgreich. Bei der Tour feierte er zudem insgesamt fünf Etappensiege und trug 2015 vorübergehend das Gelbe Trikot.