Oliver Zeidler beim Rudern

Es brodelt im deutschen Rudersport. Immer mehr Aktive sind mit dem eigenen Verband unzufrieden. Marc Weber will sich zur Wehr setzen, Weltmeister Oliver Zeidler fordert gar den Rücktritt von Sportdirektor Mario Woldt.

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Deutscher Ruder-Streit spitzt sich zu

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Es lief gut zuletzt für Marc Weber. Der Ruderer aus Gießen hatte die Olympischen Spiele in Paris fest im Blick. Beim World Cup in Luzern sicherte sich der 24-Jährige die Bronze-Medaille. Nur kurze Zeit später erhielt er dann aber eine Nachricht, die alles änderte: Zum Februar 2023 verliert er seinen Status als Sportsoldat bei der Bundeswehr.

"Ich dachte erst, das ist ein Fehler", sagte Weber im Gespräch mit dem hr-sport. "Das ist meine komplette finanzielle Grundlage." Ohne das Geld, das er mit dem Rudern verdient, weiß er nicht, wie er seinen Lebensunterhalt bestreiten soll. "Man wird mit dem Rudern nicht reich, aber irgendwie muss ich meine Miete bezahlen, die Regatten zahlen und die Trainingslager."

Marc Weber bei der Preisverleihung zu Hessens Sportler des Jahres.

Sport oder Studium?

Der Ruder-Verband will bei Olympia 2024 in Paris wieder um Medaillen kämpfen – und zieht deshalb die Zügel an. Gefördert werden sollen vor allem die Spitzenathleten. Weber, so argumentiert der Verband, stelle aber sein Studium und nicht den Sport in den Mittelpunkt seines Lebens. "Das Studium steht an erster Stelle. Nach den Aussagen, die wir haben, steht er wegen der Studienverpflichtung erst mal nicht zur Verfügung", sagt Mario Woldt, der Sportdirektor des Deutschen Ruderverbands.

Weber ist da ganz anderer Meinung. Der Gießener zählt zu den drei schnellsten Einer-Fahrern in Deutschland. Das Rudern stand für ihn schon immer an erster Stelle, beteuert er. Das Studium folge "weit abgeschlagen" dahinter.

Zeidler fordert Rücktritt

Weber wirft seinerseits dem Verband vor, zum Teil gegen die Athleten zu arbeiten. "Wir reden hier von Entlassungen aus Sportfördergruppen, vom Verbot Trainer mit zum World Cup zu nehmen, Nicht-Nominierung trotz Erfüllung aller Leistungskriterien...", sagte er. "Wir reden hier von wirklich schwerwiegenden Sachen, die sich der Verband in den vergangenen Jahren geleistet hat"

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Nach Rausschmiss: Marc Weber kritisiert Ruderverband | hessenschau Sport vom 18.08.2022

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Der Gießener ist nicht der einzige Ruderer, der derzeit mit dem Verband im Clinch liegt. Die Kritik ist breit und laut. Auch Ruderweltmeister Oliver Zeidler hat zuletzt seinem Unmut Luft gemacht. Das Ruder-Aushängeschild fordert den Rücktritt von Woldt. Die sportliche Führung des Verbands sei inkompetent.

Woldt will klärendes Gespräch

Woldt kennt die Rücktrittsforderungen, die er als "natürlich nicht angenehm" bezeichnet. "Aber so, wie es jetzt suggeriert wird, liegt es an einer einzigen Person. Und das sehe ich nicht in dem, was die Verbandsarbeit widerspiegelt", so der Funktionär. Woldt zeigte sich offen für ein klärendes Gespräch.

Der Gießener Weber ist indes überzeugt, dass das schlechte sportliche Abschneiden der Ruderer bei den Olympischen Spielen in Tokio und jüngst bei der EM mit den Kontrollorganen des Verbandes zusammenhängt. Sie hätten versagt. Weber will sich nun mit anderen Rudern zusammenschließen. "Ich kämpfe jetzt für die Rechte von uns Sportlern im Deutschen Ruderverband. Und wie im Rudern ist für mich Verlieren keine Option."