Sarah Köhler schwimmt

Die Hanauerin Sarah Köhler ist eine der größten Medaillen-Hoffnungen bei Olympia 2020. Was im kleinen Becken schon hervorragend klappt, muss sie in Tokio auf die große Bahn übertragen. Das Trainingspensum dafür hat es in sich.

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zum Video Unterwegs mit Sarah Köhler und Alexander Wieczerzak: Der Traum von Tokio

Alexander Wieczerzak
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An einem lockeren Trainingstag mit lediglich einer Einheit schwimmt Sarah Köhler "am Vormittag nur so 11,5 Kilometer", wie die Hanauer Freistil-Expertin im Gespräch mit dem hr-sport berichtet. Ein Tag ohne große Belastung also, eine erfreuliche Abwechslung im harten Alltag der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio. 11,5 Kilometer, das wären in einem handelsüblichen Freibad mit 50-Meter-Becken insgesamt 230 Bahnen. In Worten: zweihundertdreißig.

Es soll Ottonormalbürger geben, die diese Strecke nicht mal auf dem Fahrrad schaffen würden. Geschweige denn zu Fuß. Und schon gar nicht kraulend im Wasser.

Als Weltrekordlerin nach Tokio

Sarah Köhler ist aber eben nicht ottonormal. Eher unnormal. Und zwar unnormal schnell. In Berlin stellte sie im November einen neuen Weltrekord über 1.500 Meter auf und katapultierte sich so in die Reihe der Medaillen-Anwärterinnen. Bei der Kurzbahn-DM, also im nur halb so großen Becken, schlug sie nach insgesamt 60 (Kurz)-Bahnen mit der Fabelzeit von 15:18.01 Minuten als Erste an und sendete rund acht Monate vor den Olympia-Wettkämpfen ein deutliches Zeichen in Richtung Konkurrenz. Mit Köhler ist zu rechnen.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich die zwei Buchstaben 'WR' mal hinter meinem Namen sehen werde", sagte Weltrekordlerin Köhler damals. "Zu einer Medaille würde ich definitiv nicht 'nein' sagen", sagt sie heute. Als schnellste Frau der Welt über die 1.500-Meter-Strecke, auch wenn es "nur" auf der Kurzbahn ist und bei Olympia ausschließlich im großen Becken geschwommen wird, sind das fast schon kleinlaute Worte. Die im Bruchköbeler Hallenbad erst mit dem Seepferdchen ausgestattete und dann zur Weltklasse-Schwimmerin ausgebildete 25-Jährige ist in der Weltspitze angekommen und gehört auch bei Olympia zu den Favoritinnen.

3.000 Kilometer Schwimmen im Jahr

Köhler und ihr Freund Florian Wellbrock, der ebenfalls über die 1.500 Meter startet, müssen zwar beide noch die Norm erfüllen. Angesichts der Form des schwimmenden Paares, das inzwischen gemeinsam in Magdeburg wohnt, sich aber für getrennte Wohnungen entschieden hat, sollte das nur eine  Formsache sein. "Seit dem Jahreswechsel fühlt sich Olympia noch näher an", betont Köhler ihre Vorfreude auf die Wettkämpfe in Japan. Zweifel an der Teilnahme gibt es nicht.

Warum auch? Der Körper spielt mit, das Training läuft, die Motivation stimmt. "Ich mache Krafttraining, Techniktraining, Stabilisationstraining für den Rumpf, achte auf die Ernährung und halte die Konzentration aufrecht. Außerdem schwimme ich natürlich unheimlich viele Kilometer", so Köhler.

Hochgerechnet auf ein Jahr legt sie knapp 3.000 Kilometer im Wasser zurück. Also 60.000 Bahnen. Oder einmal die Strecke Hanau-Kairo. "Wenn ich komplett kaputt bin, fühlt sich das einfach gut an." Schon wieder so ein Gedanke, auf den Ottonormalbürger nicht direkt kommen würden.