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So jung wie Alexander Donchenko war noch keiner, als er die Schach-Rangliste in Deutschland anführte. Das Talent steckt in der Familie - und doch ging der Gießener einen Umweg.

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zum Video Schachprofi Alexander Donchenko ist neuer Rekord-Hesse

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Einen Schritt mit dem Pferdchen zurückgehen, um zwei nach vorne zu kommen? Verteidigen mit einer Bauernkette, bevor der Angriff über Turm oder Läufer gestartet wird? Und um das große Ziel nicht zu vergessen: Wie setze ich den König Schachmatt? Der Schachsport ist komplex und erfordert allerhöchste Konzentration.

Alexander Donchenko aus dem mittelhessischen Gießen hat sich früh in seinem Leben für den Beruf als Profi entschieden - und feiert nun mit 22 Jahren seinen bislang größten Erfolg. Er führt die in den 60er Jahren eingeführte Rangliste in Deutschland an - als jüngster Spieler überhaupt. Doch dies soll nur der Anfang sein.

So intensiv trainiert Donchenko

"Ich versuche täglich, mein Spiel weiter zu verbessern", sagt Donchenko gegenüber der hr-Sendung maintower. Dafür schaut er sich bis zu zehn Stunden am Tag Partien an, liest Lehrbücher von Großmeistern und speichert neue Erkenntnisse ab: "Es ist nicht so, dass ich mir eine Partie angeschaut habe und es dann vergesse. Wenn ich mir etwas angesehen habe, dann geht das nicht aus dem Kopf heraus."

Dem in Moskau geborenen und bereits mit vier Jahren ins mittelhessische Gießen gezogenen Donchenko wurde die Kunst des Schachspielens bei Geburt mit in die Wiege gelegt. Vater Anatolyi war 1993, noch in Russland lebend, Internationaler Meister, die letzte Stufe vor der Kategorie Großmeister.

Vater legt Sohn Alexander das Talent in die Wiege

Sohnemann Alexander sieht seinen Papa durchaus als Vorbild an: "Ich habe früher viel von ihm gelernt. Obwohl ich heute besser spiele als er, kann er mir noch immer viel beibringen." Zusammen unter einem Dach lebend setzen sich Vater und Sohn häufiger zu einem Schachspiel zusammen.

Doch Alexanders Weg war bei allem Talent nicht selbstverständlich. Nach seinem mit 1,8 abgeschlossenem Abitur fing er zunächst ein Jura-Studium an. "Ich wusste zwar, dass ich Schachprofi werden will, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Selbstvertrauen für diesen Schritt", erklärt Donchenko. Doch nach vier Semestern war bereits Schluss mit der Rechtslehre: "Ich war von dem Studium nicht komplett überzeugt."

Schachprofi statt Jura-Studium

Er habe während dieser zwei Jahre an der Universität beim Schach keinen größeren Sprung nach vorne machen können - und daraus seine Schlüsse gezogen: "Das hat mir vielleicht dabei geholfen, dass ich Profi geworden bin. Es hat mir den Impuls gegeben, dass ich mehr tun muss." Die vielen Pokale im Hintergrund der Wohnung zeigen: Donchenko befindet sich auf dem richtigen Weg.

Doch was fasziniert ihn so an diesem Denksport? "Schach ist eine komplizierte geistige Beschäftigung. Bei den meisten Dingen im Leben stellen sich Automatismen ein. Beim Schach ist es hingegen so, dass ich viele Stellungen kenne, aber nie komplett sicher bin, alle Denkprozesse begriffen zu haben."

Weltspitze im Visier

Neue Anforderungen, Spielzüge und Herausforderungen - sie reizen Alexander Donchenko, der die nationale Spitzenposition nur als Durchgangsstation für die Weltrangliste sieht.