Sarah Köhler
Sarah Köhler freute sich über insgesamt drei Medaillen bei der EM. Bild © Imago Images

Zweimal Silber und einmal Bronze – das ist die Bilanz von Sarah Köhler bei dieser Schwimm-EM. Im Interview spricht die Bruchköbelerin über Frust, Stille im Hotelzimmer und eine verlorene "Nackt-Wette".

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sarah Köhler zieht ihr Fazit zu den European Championships

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Hinter Sarah Köhler liegen eigenartige Europameisterschaften. Die 24 Jahre alte Schwimmerin der SG Frankfurt erlebte in Glasgow ein Wechselbad der Gefühle, ein fast tägliches Auf und Ab. Über die 800 Meter Freistil startete Köhler als Gold-Favoritin – und blieb am Ende ohne Medaille. Zwei Tage später gewann sie dann innerhalb einer Stunde erst Silber in deutscher Rekordzeit über die 1.500 Meter, dann Bronze mit der Staffel. Am Samstag kam noch Silber mit dem Freiwasser-Team dazu.

Frau Köhler, wir haben von einer verlorenen Wette gehört. Um ehrlich zu sein: von einer verlorenen Nackt-Wette! Was war da los?

Sarah Köhler: (lacht) Es gibt eine Freiwasser-Schwimmerin aus den Niederlanden, Sharon van Rouwendaal, die unter ihrem Neopren-Anzug nie einen Badeanzug trägt. Sie hat sozusagen einfach nichts drunter. Darüber haben wir uns vor dem Staffel-Rennen unterhalten und dann gewettet: Gewinnen wir die Staffel, muss Sharon das nächste Rennen mit Badeanzug schwimmen. Gewinnt die Niederlande die Staffel, muss ich ohne Badeanzug schwimmen. Naja, die Wette hab ich leider verloren.

Und der Wetteinsatz wurde dann gleich am nächsten Tag über die 25 Kilometer eingelöst. Wie war’s?

Ohne Badeanzug war es sogar ein bisschen bequemer. (lacht)

Sie haben insgesamt drei Medaillen gewonnen – aber keine goldene. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer EM auf einer Skala von eins bis zehn?

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Ich liege so bei fünf bis sechs. Es hat insgesamt alles nicht so geklappt, wie ich mir das erhofft hatte. Die 400 Meter Freistil waren eine absolute Katastrophe, die 800 Meter waren nicht gut und auch über die 1.500 Meter hätte ich mehr draufgehabt. Aber mit Silber und deutscher Rekordzeit war das am Ende dann eigentlich doch ein versöhnliches Rennen.

Sie haben innerhalb weniger Tage ein ständiges Auf und Ab erlebt, das ist eher untypisch für Schwimmer. Warum war das so?

Ich habe schon mit meinem Trainer telefoniert und der meinte, dass wir vielleicht im Training zu früh mit zu vielen Metern angefangen haben. Ich selbst konnte mir darüber noch gar keine Gedanken machen. Ich habe nur gemerkt, dass ich auf den kürzeren Strecken große Probleme hatte, überhaupt in einen Rhythmus zu kommen. Und wenn ich mal auf meine Frequenz kam, konnte ich die immer nur kurz halten, weil ich dann schon wieder zu viel Laktat in meinen Muskeln hatte.

In Ihrem ersten EM-Rennen über die 800 Meter waren Sie die Favoritin auf den Titel, sind aber ohne Medaille geblieben. Kommen Sie dann am Abend zurück ins Hotelzimmer zu Ihrem Freund Florian Wellbrock und schieben erstmal Frust?

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Es war auf jeden Fall sehr still in dem Zimmer. Ich war so enttäuscht, dass ich gar nicht viel reden wollte. Ich hab einfach versucht, das irgendwie abzuhaken und nach vorne zu schauen. Schließlich wollte ich Flo ja nicht vor seinem Wettkampf mit runterziehen. Also hab ich meinen Mund gehalten und das erstmal so hingenommen. Mich in Selbstmitleid zu wälzen, hätte mir ja eh nichts gebracht.

Sarah Köhler und Florian Wellbrock – das war die große Medienstory bei dieser EM. Hat Sie das gestört, dass Sie auf einmal so viel von Ihrem Privatleben preisgeben müssen?

Ich habe später gemerkt, dass die Kameras mich ständig eingefangen haben, als Flo geschwommen ist. Das war schon gewöhnungsbedürftig. Aber insgesamt hielt sich das alles noch in Grenzen und wir haben auch nur das preisgegeben, was wir preisgeben wollten.

Die beiden vergangenen Olympischen Spiele waren für die deutschen Schwimmer zwei medaillenlose Debakel. Nun kommt man aus Glasgow mit einer ordentlichen EM-Bilanz zurück. Wie groß war der Schritt nach vorne?

Es war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, aber darauf dürfen wir uns jetzt nicht ausruhen. Wir können als Team noch mehr zusammenwachsen und auch an der mentalen Stärke kann eigentlich jeder noch arbeiten.

Die European Championships waren eine Premiere. Ist das Konzept dieser Multi-EM aus Ihrer Sicht aufgegangen?

Normalerweise kommen wir im Fernsehen so auf eine knappe Million Zuschauer, jetzt hatten wir teilweise deutlich über 2,5 Millionen. Das ist schon Wahnsinn! Selbst Sportarten wie Synchronschwimmen oder BMX hatten tolle Einschaltquoten, obwohl die medial eigentlich gar keine Aufmerksamkeit bekommen. Deshalb muss man schon sagen: Das Konzept dieser Veranstaltung ist voll aufgegangen und ich würde mir wünschen, wenn man das beibehalten könnte.

Das Interview führte Sebastian Rieth (hr-sport).