Marco Koch im Becken

Die Zeit spielt eigentlich gegen Marco Koch. Doch die Olympia-Verschiebung sieht der Ex-Weltmeister wegen seines jüngsten Trainerwechsels nicht als Nachteil. Die Coronakrise belastet den Darmstädter weitaus mehr.

Der Griff in den Süßigkeitenschrank ist in diesen Tagen auch für Marco Koch verlockend. Doch zum Glück für den Schwimmstar, dessen Vorliebe für Schokolade schon für manchen Ärger gesorgt hatte, ist sein Vorrat an Naschkram klein. "Jetzt ist die Versuchung, einfach mal schnell etwas einzukaufen, viel geringer", sagt Koch.

Dieser positive Nebeneffekt wiegt aber natürlich nicht auf, dass der WM-Fünfte derzeit nicht ins Becken springen und an seiner Form arbeiten kann. Darunter leidet viel mehr sein Kopf als sein Körper. "Diese Ungewissheit nervt einfach", sagt Koch. "Ich hatte auch ein Telefonat mit unserem Psychologen, darüber haben wir auch geredet. Aber am Ende kann man nur abwarten und Tee trinken." Corona-Nachrichten liest er kaum noch, "ansonsten wird man nur noch banane".

Koch über Olympia-Klarheit glücklich

Dass nun zumindest in der Olympia-Frage Klarheit herrscht, macht Koch "sehr glücklich". Ohne eine Verschiebung um ein Jahr "hätte man sich illegale Lösungen suchen müssen, wie man doch noch hätte weiter trainieren können".

Das Problem ist aber: Im übernächsten Sommer ist Koch dann 31 Jahre alt, die Zeit spielt eigentlich gegen ihn. Doch der Darmstädter sieht das anders. Da er erst seit Ende des Jahres mit Ex-Bundestrainer Dirk Lange zusammenarbeitet, sei der Zeitfaktor sogar auf seiner Seite. "Wir können nun noch mehr Nuancen austesten", sagte Koch. "Ich bin für Olympia nicht weniger optimistisch als ich es dieses Jahr gewesen wäre."

Neue Zielzeit? Wird nicht verraten

Bei den Tokio-Spielen will Koch auf seiner Paradestrecke über 200 Meter Brust um eine Medaille kämpfen, die er 2012 in London und als Goldfavorit 2016 in Rio de Janeiro verpasst hatte. Mit seinem neuen Trainer Lange habe er sich eine neue Zielzeit gesetzt, "die werde ich natürlich nicht verraten", so Koch, "aber sie geht in Richtung sehr, sehr schnell. Auf jeden Fall eine schöne persönliche Bestzeit."

Kochs deutscher Rekord liegt bei 2:07,47 Minuten - geschwommen allerdings bereits vor fünfeinhalb Jahren. Bei der WM in Gwangju im vergangenen Sommer kam er bis auf 13 Hundertstel an diese Zeit heran, für eine Olympia-Medaille wird er aber wohl mindestens eine Sekunde schneller sein müssen.

Auf Schokolade muss verzichtet werden

Dafür braucht er eine körperliche Topform. Auf die geliebte Schokolade wird Koch also auch dann verzichten müssen, wenn er wieder normal einkaufen kann.