Sebastian Vettel vor dem Rennen in Bahrain.

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel hat sich in einem gemeinsamen Interview mit der Aktivistin Luisa Neubauer zu den Folgen des Ukraine-Krieges und zum Klimaschutz geäußert. Durch sein Auftreten sei er in seinem Sport nicht gerade beliebt, meinte der Heppenheimer.

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Vettel: "Tankpreis-Diskussion gehen am Thema vorbei"

Sebastian Vettel
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Sebastian Vettel hat sich in einer Runde mit der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer zum Krieg in der Ukraine und zum Klimawandel geäußert. Das gesamte Interview des BR24 Sport, der FAZ und der dpa können Sie hier lesen.

Sebastian Vettel hat sich schockiert über den Krieg in der Ukraine gezeigt: "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass man im 21. Jahrhundert noch mal ein anderes Land mit Panzern und Waffen überfällt. Wenn überhaupt hätte ich damit gerechnet, dass mit einer Cyber-Variante andere Länder geschädigt werden." Der 34-Jährige sagte aber auch, dass die Diskussionen um die hohen Preise an der Zapfsäule aus seiner Sicht am Thema vorbei gingen.

"Eine der vielen Konsequenzen sind die hohen Benzin- und Dieselpreise. Das Thema zielt am eigentlichen Problem vorbei: Wir müssen alles tun, um diesen Krieg zu stoppen", so der Rennfahrer aus Heppenheim. Er zog überdies Parallelen zur Klimakrise. "Die Frage ist auch: Was ist unsere Wirtschaft wert, wenn wir im Krieg sind? Sollten wir nicht eher daran interessiert sein, uns selbst zu retten, statt die Wirtschaft zu retten?!"

Vettels Statements würden in der Formel 1 nicht gerne gesehen

In den vergangenen Wochen hatte Vettel bereits Kritik an der Auswahl der Rennorte geübt, nachdem die Formel 1 die Austragungen in Sotschi und St. Petersburg abgesagt hatte. "Man sollte daraus lernen, dass man in Zukunft genau auf die Risiken schaut, die sich aus Verträgen mit autokratisch geführten Ländern ergeben. Ich meine, die Wertevorstellung sollte dabei entscheidend sein, nicht die finanzielle Attraktivität."

Der 34-Jährige werde auch aufgrund solcher Statements innerhalb der Formel 1 kritisch gesehen, wie er nun ausführte: "Mittlerweile herrscht schon fast Panik, wie ich mich zu bestimmten Themen äußere, wie zum Beispiel zu Russland, Nachhaltigkeit oder Sponsoring. Ich bin jetzt nicht gerade der beliebteste Fahrer der Organisatoren. Mir kann niemand vorschreiben, was ich zu sagen habe - aber es ist nicht gerne gesehen." Neubauer zeigte Verständnis für Vettels Situation: "Das kenne ich. Alle regen sich auf, dann muss man lange erklären, warum man sich so geäußert hat. Später kommen viele und sagen, ja, finden wir auch gut." 

Vettel: Müssen im Sport für Werte eintreten

Vettel bezog auch Stellung zur Verantwortung der Formel 1, die am Wochenende ein Rennen in Saudi-Arabien ausgetragen hatte. Das Land befindet sich im Krieg mit dem Jemen und ließ Berichten zufolge zuletzt an einem Tag 81 Menschen hinrichten. "Die Frage ist immer: Wie unabhängig kann man sein, wenn man auf der Payroll steht?", sagte Vettel. Neubauer sagte dazu: "Was mich so betrübt, ist die Inkonsequenz großer Institutionen wie der FIFA oder der Formel 1 gegenüber Menschenrechtsverletzungen. Sie beschützen damit nicht nur Regime, die Menschenrechte mit Füßen treten."

Vettel antwortete auf die Frage, was die Formel 1 konkret tun könne: "Einerseits kann man boykottieren, andererseits kann man vor Ort die westlichen Werte vertreten. Es ist ja nicht so, dass sich die Formel 1 das frei aussucht, sondern dass die Länder auf die Formel 1 zukommen. Dennoch gibt es Werte, für die wir einstehen müssen, weil sie größer sind als finanzielle Interessen." Der Sport müsse den Spagat zwischen finanziellen Interessen und einer kritischen Auseinandersetzung schaffen. "Es geht um Vorbilder: Im Idealfall geht es beim Sport um Unterhaltung, aber auch Verantwortung, mit richtigen Werten und Symbolen voranzugehen."