Die hessischen Medaillen-Kandidaten bei der Leichtathletik-EM
Homiyu Tesfaye (li.), Gesa Krause (Mitte) und Julian Reus sind heiße Kandidaten auf den deutschen Meistertitel. Bild © Imago Images

Die Deutschen Meisterschaften in Nürnberg sind für einige Hessen die letzte Chance, sich für die Heim-Europameisterschaften in Berlin zu empfehlen. Vor allem für zwei hessische Sprinter geht es an diesem Wochenende um alles.

Diese Situation gab es in der Leichtathletik noch nie: Schon vor den Deutschen Meisterschaften sind zahlreiche Athleten bereits für die Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) nominiert – darunter auch einige Hessen. Während es für diese Sportler um die Ehre und den Titel geht, müssen andere das Wochenende als letzte Gelegenheit nutzen, sich ein EM-Ticket abzuholen. Wir stellen Ihnen die hessischen Medaillen-Kandidaten und ihre EM-Chancen vor.

Zwei hessische Sprinter im Titelkampf

Bei den 100 Metern der Männer kämpfen gleich zwei Hessen um den Titel. Der Sieger der vergangenen fünf Jahre hieß immer Julian Reus. Der gebürtige Hanauer hat mit 10,15 Sekunden bereits die EM-Norm geknackt. Unter den geforderten 10,25 Sekunden ist auch schon Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar geblieben (10,22 Sekunden).

Außer diesen beiden Titelanwärtern haben noch vier weitere deutsche Sprinter die EM-Norm geknackt, mit nach Berlin dürfen allerdings nur die schnellsten drei der sechs Anwärter. "Ich traue mir einen Podest-Platz zu", sagte Pohl zum hr-sport. "Ich bin ein Meisterschaftsläufer und kann, wenn es drauf ankommt, immer noch mal Kräfte mobilisieren."

Pamela Dutkiewicz nach Verletzung bereit für Titel-Kampf

200-Meter-Läufer Steven Müller von der LG Friedberg-Fauerbach ist in der Sprintszene ein Newcomer. Da er bereits fest für die EM nominiert ist, kann er trotz seiner Unerfahrenheit entspannt nach Nürnberg fahren und die volle Konzentration auf seinen Freiluft-Titel legen.

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Leichtathletik-DM live

Die Leichtathletik Meisterschaften finden vom 20.07.-22.07. in Nürnberg statt. ARD/ZDF übertragen live: Samstag, 13:30-14:25 Uhr und 17:30-20:00 Uhr. Sonntag, 17:15-19:00 Uhr.

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Bei den Sprint-Frauen musste das hessische 100-Meter-Ass Lisa Mayer verletzt die Saison absagen. Auch für Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz sah es zu Beginn der Saison noch gar nicht gut aus. Eine Oberschenkel-Verletzung sorgte dafür, dass die WM-Dritte aus Baunatal erst sehr spät in die Saison einsteigen konnte. Pünktlich zu den Deutschen Meisterschaften ist sie aber wieder fit und bereit, mit Dauerrivalin Cindy Roleder (SV Halle) um den Titel zu kämpfen. Hinter der EM-Nominierung steht bei ihr bereits ein dicker Haken.

Gesa Krause hofft auf Comeback in Nürnberg

400-Meter-Hürden-Läufer Luke Campbell von der LG Eintracht Frankfurt war im vergangenen Jahr der Überraschungssieger. Für die Sportkarriere zog der in Amerika aufgewachsene Campbell extra wieder zurück in sein Geburtsland und wird dafür belohnt: Bei der Heim-EM in Berlin wird er das deutsche Nationaltrikot tragen. Bei den Deutschen Meisterschaften will er seine gute Form noch mal unter Beweis stellen.

Die Frankfurterin Gesa Krause hat normalerweise ein Abo auf Titel und Rekorde. In dieser Saison läuft es aber erstmals nicht so richtig rund für die Hindernisläuferin. Sie sagte deshalb alle ihre Wettkämpfe ab und zog sich in den Trainingsalltag zurück. In Nürnberg wird sich zeigen, ob sie zu alter Stärke zurückgefunden hat. Als Titelverteidigerin ist die 25-Jährige bei den Europameisterschaften fest dabei.

Starke Mittelstrecken-Läufer auf Titeljagd

"Ich fühle mich so fit, wie noch nie im Leben", sagt Marc Reuther über seine derzeitige Form. Der 800-Meter-Läufer vom Wiesbadener LV hat bislang einen Hallen-Titel vorzuweisen. In Nürnberg will er sich den jetzt auch im Freien holen. Für die EM in Berlin ist er bereits nominiert und sagt: "Das lässt mich natürlich entspannter an den Start gehen, aber ich möchte auch zeigen, dass ich die deutsche Spitze im Griff habe."

Über 1500 Meter kann Homiyu Tesfaye ohne Druck an den Start gehen – er ist auf jeden Fall bei der EM dabei. In Nürnberg will der Frankfurter aber seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. Seine Vereins- und Disziplinskollegin Diana Sujew ist ebenfalls schon nominiert und könnte sich nach ihrem ersten Hallen-Titel jetzt auch den Freiluft-Titel holen.

Kugelstoßerin Gambetta auf Rang drei

Die gebürtig aus Lauterbach stammende Kugelstoßerin Sara Gambetta hat ihren Wettkampf bereits hinter sich. Die 25-Jährige wuchtete die Kugel am Freitagabend auf dem Nürnberger Hauptmarkt in ihrem besten Versuch auf 17,79 Meter und wurde damit Dritte. Der Titel ging zum sechsten Mal seit 2011 an Europameisterin Christina Schwanitz (LV 90 Erzgebirge/20,06 Meter), Zweite wurde Alina Kenzel aus Waiblingen (18,21 Meter). Die Frankfurterin Katrin Klaas geht am Samstagmittag im Hammerwurf an den Start und hat das EM-Ticket bereits sicher.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! extra, 22.07.18, 15 Uhr