Die Corona-Pandemie hat auch vor dem hessischen Sport nicht Halt gemacht. Deshalb geht es für viele Vereine inzwischen um die Existenz. Die SKV Büttelborn hat bereits im Oktober die Notbremse gezogen. Ein Portrait.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein Verein kämpft mit der Corona-Krise - die SKV Büttelborn

Breitensport
Ende des Audiobeitrags

Das Jahr 2020 hat Spuren hinterlassen, denn die Corona-Pandemie hat viele Menschen an und über ihre Grenzen hinaus gebracht. Auch in den mehr als 7.000 hessischen Sportvereinen. "Die aufbauenden und aufmunternden Worte, die wir während des Jahres von den Mitgliedern bekommen haben, die haben uns tatsächlich immer wieder weitermachen lassen", sagt Melanie Bauer von der SKV Büttelborn im Gespräch mit dem hr-sport. Dabei war das alles andere als einfach.

Denn in den zehn Abteilungen der SKV und in dem vereinseigenen Fitnessstudio stand mit dem ersten Lockdown im Frühjahr plötzlich alles still. Die festangestellten Mitarbeiter konnte der Verein in Kurzarbeit schicken, für die vielen Minijobber aber wurde es eng. "Ihre Einnahmen sind komplett weggebrochen", erzählt die Geschäftsführerin. "Das ist uns schon schwergefallen. Auch wenn wir versucht haben, die bestmögliche Lösung zu finden."

Mit der App zum Training

Eine davon ist eine App, die sie bei der SKV schon länger nutzen. Als es im Frühsommer endlich wieder losging mit dem Sport, waren die Büttelborner damit vielen anderen Vereinen einen Schritt voraus. "Wir konnten über die App die Zuschauerströme steuern", so Bauer. "Die Mitglieder mussten sich über die App für feste Zeitfenster einbuchen." Trainieren konnte also nur, wer sich vorher angemeldet hatte. "Wir als Verein konnten darüber die Kontaktnachverfolgungen gewährleisten."

Und das ist nicht alles: Über die Anmeldung in der App konnten die Mitglieder auch sehen, wie viele Menschen gleichzeitig im Fitnessstudio sind und so entscheiden, ob sie tatsächlich trainieren wollen. "Sie konnten dann sagen: 'Das ist mir zu voll. Ich komme eben eine Stunde später, da ist weniger los'", verrät die Geschäftsführerin. Der Re-Start gelang, nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch in den vielen Sportgruppen.

Entscheidung vor der Politik

"Das Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen, die so froh waren, wieder in einem anderen Rahmen Freunde und Trainer treffen zu können und wieder ein Stück weit Normalität zu erreichen, das war besonders schön", erinnert sich Bauer. Vor allem der Kontakt mit den jüngsten Sporttreibenden stellte den Verein vor Herausforderungen. "Das hat uns besonders gefordert", so Bauer. "Da haben die Trainerinnen und Trainer und die Abteilungen ganz viel wertvolle Arbeit geleistet." So gab es Tanzchallenges für Zuhause oder digitale Turnübungen.

SKV Büttelborn

Als die Corona-Neuinfektionen im Herbst wieder steigen, sind genau die wieder gefragt. Denn die SKV reagiert - noch vor der Politik. "Als die Inzidenzwerte an die 50 gingen, haben wir entschieden, die Kurse im Kinder- und Jugendbereich einzustellen - auch um unsere Trainer zu schützen", erinnert sich Bauer. "Wir hatten viele Eltern, die nicht bereit waren, auf die Sportangebote zu verzichten." Mitte Oktober schließen sich die Türen der SKV Büttelborn deshalb erneut, diesmal allerdings nur die echten.

Fortschritte und Austritte

Dafür öffnet der Verein die digitalen und startet ein Kursprogramm, im Netz statt in der Halle. Das kommt an, meist sind die Kurse ausgebucht. "Das nutzen viele, die sich über den Sommer hinweg nicht getraut haben, weil sie selbst Risikopatienten sind oder im familiären Umfeld Menschen aus der Risikogruppe haben", sagt Bauer und sieht auch einen der wenigen positiven Effekte der Krise: "Viele treiben aktuell mehr Sport als vorher, weil sie einfach die Flexibilität haben, das zu Hause im Wohnzimmer zu machen."

Weitere Informationen

LSB-Präsident Müller im Interview

Hessens Sportminister Peter Beuth (CDU) und Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen, haben zuletzt um Solidarität mit den Sportvereinen geworben. "Wenn möglichst viele Menschen das Angebot vor Ort durch ihre Mitgliedschaft stärken, wird der Sport die Pandemie gut überstehen", sagte Beuth. Und auch Müller betonte, dass eine Mitgliedschaft mehr als ein finanzieller Beitrag sei. Ein ausführliches Gespräch mit Rolf Müller hören Sie am 31. Dezember ab 6, 11, 16.30 und 21 Uhr in hr-iNFO.

Ende der weiteren Informationen

Dass in ihrem sportlichen Wohnzimmer aktuell nichts stattfinden kann, das spüren auch die Büttelborner. Tanzten, turnten und tauchten im Januar noch 2.841 Mitglieder bei der SKV, sind es inzwischen nur noch 2.491. Ein Einschnitt, der sich auch finanziell bemerkbar macht. "Wir sind in den Planungen für 2021, wie wir den Verein anders aufstellen und sparen können. Aber wir haben einige Großprojekte vor der Brust, die keinen Aufschub dulden", sagt die Geschäftsführerin. Auch dafür haben sie die November- und Dezemberhilfen von Bund und Ländern beantragt.

Flexibel ins neue Jahr

Neben dringenden Renovierungen steht 2021 aber noch etwas an in Büttelborn: das 75-jährige Jubiläum des Vereins. Und das würden sie natürlich am liebsten feiern. "Wir haben Pläne A bis F in der Schublade. Je nachdem, was möglich ist", so Bauer. Flexibel werden sie also auch im kommenden Jahr sein müssen. Das Jahr 2020 war dafür mehr als nur ein Trainingslager.

Sendung: hr-iNFO, Der sportliche Rückblick auf das Jahr 2020, 31.12.20, 6 Uhr