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Der 55. Super Bowl zieht auch die hessischen Football-Bundesligisten in seinen Bann. Spätestens nach dem großen Finale geht es aber wieder um die eigene Saisonplanung. Neben etwas Planungssicherheit gibt es vor allem in Frankfurt weiter viele Baustellen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Spannung steigt: der etwas andere Super Bowl

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Wenn Carsten Dalkowski über den Super Bowl spricht, gerät der Präsident der Marburg Mercenaries für einen kurzen Moment ins Schwärmen. "Tom Brady gegen Patrick Mahomes – das sind zwei Quarterbacks, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der vielleicht beste Quarterback aller Zeiten spielt gegen den aktuell besten Quarterback", sagt Dalkowski, der sich selbst als "Die-Hard-Buffalo-Bills-Fan" bezeichnet, im Gespräch mit dem hr-sport.

In der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr deutscher Zeit) steht zum 55. Mal das Finale der National Football League (NFL) an. Bradys Tampa Bay Buccaneers empfangen dabei Titelverteidiger Kansas City Chiefs um Spielmacher Mahomes.

"Manchmal dominiert die Erfahrung über die jungen Wilden"

"Das wird ein ganz spannendes Ding. Die Offensiv-Reihen beider Mannschaften werden so stark sein, dass wir ganz viele Punkte sehen werden", sagt Dalkowski – der in der German Football League (GFL), der deutschen Football-Bundesliga, mit seiner Prognose nicht alleine ist.

Auch Daniel Zeidler, Geschäftsführer bei Frankfurt Universe, erwartet ein packendes Duell der Quarterback-Generationen. "Mahomes findet Wege, die Brady eben nicht mehr findet", so Zeidler. "Aber manchmal dominiert die Erfahrung über die jungen Wilden." Brady ist 43 Jahre alt, Mahomes 25.

Für Mercenaries-Präsident Dalkowski und für Universe-Chef Zeidler ist das Super-Bowl-Wochenende auch so etwas wie eine Ablenkung. Ablenkung von all den Problemen und Herausforderungen, mit denen sich ihre Sportart im vergangenen Jahr im eigenen Land konfrontiert sah. 2020 hat es pandemiebedingt keine GFL-Saison gegeben, zu groß und zu vielschichtig waren die Auswirkungen durch Corona. Doch seit ein paar Tagen gibt es einen Silberstreif am deutschen Football-Horizont.

GFL-Saison soll am 5. Juni starten

Am 5. Juni nämlich, das steht seit Ende Januar fest, soll und will die Bundesliga in die Saison 2021 starten: mit einem veränderten Spielmodus, einer verkürzten Runde, dafür aber ohne Abstieg in die GFL2. Das große Ziel ist die Durchführung eines Endspiels – dem German Bowl – am 9. Oktober in Frankfurt.

"Allen war klar: Wir können es uns nicht leisten, noch ein Jahr nicht zu spielen", sagt Dalkowski, der nicht nur Mercenaries-Präsident, sondern auch Ligasprecher der GFL ist. "Dann hätte die German Football League große Schwierigkeiten gehabt, wieder in Schritt zu kommen." Allerdings: In Frankfurt haben sich durch die Entwicklungen der vergangenen Monate ganz neue Schwierigkeiten ergeben – und bei der Universe muss man in der Tat zusehen, dass Club und Mannschaft wieder in Schritt kommen.

Der Grund: Vor wenigen Monaten hat es rund um den ehemaligen Geschäftsführer Alexander Korosek eine Art Abspaltung gegeben. In der neu gegründeten European League of Football (ELF) will künftig ein Frankfurter Team spielen, das sich zu großen Teilen aus bisherigen Universe-Spielern und -Trainern zusammensetzt.

Viele Fragezeichen bei Frankfurt Universe

Um die Ambitionen dieses ELF-Teams ist es zuletzt zwar etwas ruhiger geworden, für Zeidler und Co. sind aber nach wie vor viele Kernfragen unbeantwortet: Wer gehört künftig zum Kader, wer zum Trainerteam? Können die Heimspiele weiterhin im Stadion am Bornheimer Hang ausgetragen werden? Und bleiben die Fans der Universe treu, oder schließen sie sich dem neuen Club an?

Mit Blick auf die sportliche und die finanzielle Saisonplanung bearbeiten Zeidler und sein Team momentan eine Mammutaufgabe – und backen vorsorglich die berühmten kleineren Brötchen. "Wir werden erst einmal sicherlich nicht an den Erfolg der vergangenen Jahre anknüpfen", stellt Zeidler klar. Statt auf Importspieler aus dem Ausland sollen bei der Universe künftig mehr Spieler aus der Region sowie aus der eigenen Jugend zum Einsatz kommen.

Viele Herausforderungen bei der Universe, weitere Pandemie-Ungewissheiten in der GFL: Da kommt die Ablenkung durch den 55. Super Bowl gerade richtig. "Vom Gefühl her denke ich, dass es Patrick Mahomes macht", sagt Zeidler. Und Dalkowski meint: "Ich wünsche es Tom Brady." Bleibt zu hoffen, dass beide Funktionäre in ein paar Monaten nicht nur über die NFL ins Schwärmen geraten – sondern auch über den Football im eigenen Land.