Olympische Spiele in Tokio verschoben

Die Olympischen Spiele sind wegen der Corona-Pandemie auf den Sommer 2021 verschoben. Auch für hessische Sportler enden damit bange Tage. Die Reaktionen schwanken zwischen Erleichterung und der Hoffnung, im kommenden Jahr auch wirklich dabei zu sein.

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Michael Pohl
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Die Olympischen Spiele sind für viele Athleten ein Lebenstraum. Einer, auf den sie meist seit Jahren, bisweilen sogar ihre ganze sportliche Karriere hinarbeiten. Doch dieser emotionale Höhepunkt vieler Laufbahnen war in den vergangenen Wochen vor allem mit einem Fragezeichen versehen. Die weltweit rasante Ausbreitung des Coronavirus macht auch vor dem Sport nicht Halt - die Fußball-EM ist bereits verschoben, die meisten Sportligen pausieren oder haben ihre Spielzeiten ganz beendet.

Das Olympische Komitee aber hielt noch in der vergangenen Woche an der Austragung der Olympischen Spiele in Tokio im Juli fest. IOC-Präsident Thomas Bach hatte bei der Übergabe des Olympischen Feuers in der vergangenen Woche noch betont, dass Japan die Welt und ihre Bürger mit offenen Armen begrüßen werde. In Zeiten weltweiter Kontaktverbote und Ausgangssperren wirkte das realitätsfremd. Am Dienstag nun die Entscheidung: Die Olympischen und Paralympischen Spiele werden verschoben. Darum hatte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe das IOC gebeten, Bach stimmte zu.

"Chancengleichheit ist im Moment nicht gegeben"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sprinterin Mayer: "Eine vernünftige Entscheidung"

Lisa Mayer
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Auch hessische Sportler hatten in den vergangenen Tagen den Druck auf das IOC erhöht, eine Entscheidung und das Ende der Hängepartie gefordert. Sprinterin Lisa Mayer begrüßt nun, dass Gewissheit herrscht. "Es ist eine sehr vernünftige Entscheidung, die Spiele um ein Jahr zu verschieben", sagte Mayer, die für das Sprintteam Wetzlar läuft, dem hr. "Für uns Sportler ist es gut, dass wir planen können und wissen, wie der Stand ist."

Schwierig seien allerdings dieTrainingsbedingungen, weil die Sportstätten geschlossen sind. "Wir haben das große Glück, dass wir jetzt noch viel im Wald trainieren. Aber es ist ein Problem, weil die Chancengleichheit und Fairness im Moment nicht gegeben ist." Mayer sieht auch die ausgesetzten Dopingkontrollen als Problem. "Man hat schon gemunkelt, wenn die Spiele stattfinden, wären es die dreckigsten aller Zeiten."

"Auf Gesundheit konzentrieren"

Auch ihr Teamkollege Michael Pohl hält die Entscheidung für richtig. "Ich habe damit gerechnet", sagte er. "Es ist die richtige Entscheidung. Ich trainiere aktuell bei fünf Grad draußen. So kann man sich nicht auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Wenn das noch Wochen so weitergegangen wäre, wäre es ohnehin schwierig geworden."

Caro Schäfer holt Bronze

Für Siebenkämpferin Carolin Schäfer aus Bad Wildungen wären es die zweiten Olympischen Spiele gewesen. Aber auch sie begrüßt die Verschiebung und erinnert noch einmal daran, was dieser Tage im Fokus steht. "In Anbetracht der aktuellen Situation ist es die absolut richtige Entscheidung, die Olympischen Spiele auf das Jahr 2021 zu verschieben. Nur so bleiben die Werte des Olympischen Gedankens erhalten und wir können uns auf das Wichtigste konzentrieren: Unser aller Gesundheit."

"Karten werden neu gemischt"

Für Judoka Alexander Wieczerzak ist die Verschiebung der Spiele eine neue Chance. Er hatte die Qualifikation für Tokio verpasst, hofft aber im kommenden Sommer doch dabei zu sein. "So etwas gab es in der Geschichte noch nie. Jetzt heißt es, die Karten werden neu gemischt", sagte er dem hr.

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zum Video Rollstuhlbasketballerin Breuer: "Entscheidung nimmt Druck von Sportlern"

Annabel Breuer
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Dass die Paralympischen Spiele ebenfalls verschoben werden, hat Annabel Breuer mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die Rollstuhlbasketballerin vom RSV Lahn-Dill könnte selbst zur Risikogruppe gehören. "Ich bin erst einmal enttäuscht und traurig, aber es ist die einzig sinnvolle Entscheidung, um die Gesundheit der Sportler und Fans zu sichern", sagte sie dem hr. "Die Entscheidung nimmt auch Druck von den Sportlern, die trotz der Krise und des Social Distancing den Trainingsstand halten mussten."

Enttäuschung und Vorfreude

Ähnlich sieht es auch Nico Dreimüller. Der Frankfurter ist Rollstuhlbasketballer und spielte viele Jahre für den RSV Lahn-Dill, zuletzt war er beim spanischen Club Albacete aktiv. "Einerseits bin ich froh, dass es verschoben ist, ich neu planen und mich darauf vorbereiten kann. Ich weiß jetzt auch, dass ich nicht noch bis August Vollgas geben muss, während die Krise weitergeht", sagte der Nationalspieler dem hr.

Ein wenig Enttäuschung gibt es aber auch bei Dreimüller. "Andererseits ist es schade, weil ich mich sehr darauf gefreut hab", betonte er und wagte schon einmal einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. "Nächstes Jahr ist nicht zu weit hin, deshalb freue ich mich sehr darauf."

Genauer Termin noch offen

Eine entscheidende Frage bleibt, wann die Spiele 2021 ausgetragen werden. Der Sportkalender ist nach der Verschiebung der EM auf den kommenden Sommer voll. Weitere Probleme bereiten die WM der Leichtathletik vom 6. bis 15. August in Eugene, Oregon und die Schwimm-WM vom 26. Juli bis 1. August 2021 im japanischen Fukuoka. Den Optimismus und die Vorfreude werden die hessischen Sportler hoffentlich dennoch nicht verlieren.