Spieler von Frankfurt Universe

Turbulenter Herbst, herausforderndes Frühjahr: Nach einigen Rückschlägen arbeitet Frankfurt Universe an annehmbaren Voraussetzungen fürs Football-Jahr 2021. Der Club setzt verstärkt auf Nachwuchstalente – sowie auf einen Zwei-Jahres-Plan.

Wenn Daniel Zeidler in die Zukunft von Frankfurt Universe blickt, hat er unweigerlich seine Mutter im Ohr. "Sie hat immer gesagt: 'Sei vorsichtig, wenn Menschen zwei, drei Schritte zurückgehen. Sie könnten Anlauf nehmen'", erzählt der Geschäftsführer des Clubs im Gespräch mit dem hr-sport. Und zitiert damit eine Weisheit, die sich als neuer Leitspruch des Football-Bundesligisten entpuppen könnte.

Fakt ist nämlich: Nach den Geschehnissen im vergangenen Herbst können die Frankfurter gar nicht anders, als mindestens zwei Schritte zurückzugehen. Durch die Abspaltung eines neuen Clubs, der künftig in der neugegründeten European League of Football (ELF) antreten will, ist Zeidler im Frühjahr 2021 intensiv mit dem Universe-Neuaufbau beschäftigt. Der Manager, der sich zu Pandemiebeginn vor rund einem Jahr eigentlich schon etwas zurückgezogen hatte, sagt heute: "Ich kann den Verein nicht hängenlassen."

Großer Umbruch im Universe-Kader

Eine höchst bemerkenswerte Einstellung, schließlich bedeutet sie für Zeidler selbst vor allem eines: jede Menge Arbeit. Weil ein Großteil an Spielern und Trainern den "Men in Purple" den Rücken kehrt und sich dem neuen Team um Ex-Universe-Boss Alexander Korosek anschließt, müssen Zeidler und Co. in nahezu allen Bereichen eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden stampfen.

"Man hat uns da ein bisschen im Regen stehen lassen", blickt er zurück. "Das sportliche Talent geht natürlich dahin, wo Anerkennung und Medienpräsenz am größten sind." Doch der Football-Manager weiß auch: Künftig wird es in der Mainmetropole zwei Player geben. "Der eine, der rein wirtschaftlich arbeitet, und der andere, der Jugendspieler weiter ausbilden will."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt Universe meldet sich für Football-Saison 2020 ab

Wide Receiver Anthony Mahoungou von Frankfurt Universe schaut ins Leere
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Der andere Player, die Universe, steht nach den Worten Zeidlers am Beginn eines "langen, schwierigen" Weges. Ziel ist mittelfristig die erneute Etablierung in der German Football League (GFL) – und dafür setzen die Frankfurter insbesondere auf eine Karte.

In der kommenden Saison wird es keinen Absteiger in die GFL2 geben. Das bedeutet: Für ihren Neuaufbau hat die Universe zwei Jahre Zeit. Ein Punkt, der vor allem mit Blick auf das deutlich geschrumpfte Budget wichtig werden könnte. Oder wie es der Geschäftsführer ausdrückt: "Das ist eine einmalige Situation."

Neuer Quarterback kommt von Schwedens Meister

In puncto Personalplanung haben Zeidler und sein Team in den vergangenen Wochen große Fortschritte machen und vermelden können. Zur kommenden Saison wird Danny Farley neuer Quarterback und Offensive Coordinator. In der abgelaufenen Spielzeit wurde der 29-Jährige mit den Carlstadt Crusaders schwedischer Meister. Zudem gibt es mit Sean Averhoff einen neuen Defensive Coordinator und mit Frank Basting einen neuen Offensive Line Coach.

Auch Eigengewächs Marius Duis wird 2021 wieder zum GFL-Kader der Universe gehören. Der Kicker, der auch als Passempfänger eingesetzt werden kann, war bereits in den Jahren 2018 und 2019 dabei. Duis' Treuebekenntnis ist ein gutes Zeichen, schließlich werden die Frankfurter in der nahen Zukunft weniger auf Importspieler setzen können – und mehr auf Talente aus der Region setzen müssen.

Wie verhalten sich die Fans?

Sportlich macht der Club also seine Hausaufgaben, mit Blick auf Corona und das Verhalten der Fans ist das freilich nicht so leicht. Der Bundesligist will auch künftig im Stadion am Bornheimer Hang spielen, ob aber zu Saisonbeginn Anfang Juni überhaupt Zuschauer zugelassen sein werden – und ob diese nicht vielleicht doch zum neuen ELF-Team mitwandern – ist noch offen.

Zeidler allerdings ist sich sicher: "Wir haben eine gute Fanbase. Unsere Fans sind schon aus der fünften, sechsten Liga mit uns gekommen. Sie werden zu unseren Spielen kommen." In diesem Fall wären die zwei, drei Schritte, die Frankfurt Universe zurückgehen muss, auch schon gar nicht mehr so groß.