Lev Katsman

Aufsteiger, Fast-Absteiger – Titelkandidat? Der TTC OE Bad Homburg plant einen Vorstoß in Deutschlands Tischtennis-Elite. Helfen sollen junge Talente, aber auch der Förderer von Timo Boll und Jörg Roßkopf.

"Der TTC OE Bad Homburg steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Tischtennis-Meiserschaft." Oder: "So stark wie Timo Boll! Deutschlands bestes Tischtennis-Talent kommt aus Bad Homburg." So oder so ähnlich sollen sie im Bestfall klingen, die Schlagzeilen, die der Tischtennis-Club Ober-Erlenbach bald schreiben will. "Unser Ziel ist, in fünf Jahren unter den ersten Vier der TTBL zu stehen", sagt Sportvorstand Sven Rehde im Gespräch mit dem hr-sport. Klingt ambitioniert, ist es auch.

Rückblick: In die TTBL, die Tischtennis-Bundesliga, ist der Verein aus dem Hochtaunuskreis erst vor knapp einem Jahr regelrecht hochgespült worden. Die damals beginnende Corona-Pandemie verursachte einen Saisonabbruch, Zweitligist Bad Homburg stand früher als geplant als Aufsteiger fest – doch eine Cinderella-Story made in Hessen war das nicht.

TTC OE Bad Homburg: Erst Fast-Abstieg, jetzt Fünf-Jahres-Plan

Nur ein Crowdfunding sowie eine anstrengende Sponsorenakquise gewährleisteten dem Verein finanzielle Sicherheit und die Lizenz zur Teilnahme am Oberhaus. Die Premierensaison war voller sportlicher Lehrstunden, in 22 Spielen gab es lediglich einen einzigen Sieg. Normalerweise hätte der Aufsteiger direkt wieder abstiegen müssen.

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Der TTC OE Bad Homburg unterwegs
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Weil aber die Runde in der 2. Bundesliga Mitte Februar annulliert wurde – und es somit im Jahr 2021 weder Auf- noch Abstieg gibt – bleibt der TTC OE Erstligist. "Wir haben die Chance, uns noch einmal in der TTBL zu beweisen", sagt Rehde. "Es freut mich für Verein und Stadt, dass wir es noch einmal zeigen können." Und das gleich anhand eines Fünf-Jahres-Plans, mit dem die Bad Homburger zwei Ziele verfolgen: oben anklopfen und junge Talente fördern.

Boll-Entdecker Helmut Hampl soll dem TTC OE helfen

"Wir sind finanziell nicht so auf Rosen gebettet, wie manch anderer etablierter Bundesligist", erklärt Rehde. "Deshalb suchen wir Talente und versuchen, diese Talente selbst besser zu machen." Dafür setzt der Club auf weitere Sponsoren – und auf die Dienste eines absoluten Szene-Kenners: Helmut Hampl, Förderer und Entdecker von Top-Stars wie Timo Boll, Patrick Franziska und Jörg Roßkopf, hat sich dem Vorstand des TTC OE angeschlossen. Rehde: "Mit ihm haben wir einen Berater an unserer Seite, der über Jahrzehnte hinweg bewiesen hat, dass er Spieler besser machen kann."

Mit Benno Oehme und Cedric Meissner hat sich Bad Homburg die Dienste von zwei Spielern gesichert, von denen sich der Club erhofft, dass sie genau in dieses Raster passen. Zudem verweist Rehde auf das vereinseigene Talent Lukas Vatheuer, das zwar noch im Juniorenbereich aktiv ist, dort aber mit den Hufen scharre.

"Wir wollen junge deutsche Athleten fördern"

Oehme, Meissner, vielleicht irgendwann Vatheuer: Es sind Spieler wie diese, die den Club nach Möglichkeit in die TTBL-Spitze führen sollen. Ein Abstieg ist im Fünf-Jahres-Plan zwar sicher nicht vorgesehen, die theoretische Möglichkeit dieses Szenarios ist aber trotzdem eingeplant.

"Unsere Sponsoren bleiben uns treu – und sie haben erkannt, dass wir etwas bewegen", sagt Sportvorstand Sven Rehde. "Das, was wir vorhaben, hat noch bei niemandem Kopfschütteln hervorgerufen. Wir wollen junge deutsche Athleten fördern – und das muss ja irgendwo auch im Allgemeinsinn des deutschen Tischtennis' sein." Die ambitionierten Schlagzeilen, die sich der TTC OE Bad Homburg auf die Fahne geschrieben hat, sie sollen schon bald von einer Vision zur Wirklichkeit werden.