Leichtathletin und Bodybuilderin

Für Sportlerinnen wie Leichtathletin Carolin Schäfer oder Bodybuilderin Lena Ramsteiner sind ihre Muskeln ihr Handwerkszeug. Und doch werden ihre Körper bewertet und herabgewürdigt. Über den Umgang mit Hass und den Kampf gegen Klischees.

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Carolin Schäfer
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"Das bin ich", sagt Carolin Schäfer, Vize-Weltmeisterin im Siebenkampf, stolz. Ihre Muskeln, sie sind für die Nordhessin ihr Kapital. Das aber ist nicht alles. "Ich sehe meinen Körper ein Stück weit als Arbeitsgerät. Ich muss meine Muskulatur so weit austrainieren, dass ich mit ihr arbeiten kann", so Schäfer in der hr-Dokumentation "Frauen und Muskeln. Wer definiert Weiblichkeit". "Das ist mein Handwerk."

Ihr Handwerkszeug sind definierte Bauchmuskeln, ein starker Rumpf, auch die Rückenmuskulatur ist austrainiert. "Das ist elementar für mich", sagt die 29-Jährige. Für Schäfer gehören Muskeln zu ihr. Sie weiß: Sie machen Höchstleistungen, Erfolge und Medaillen überhaupt erst möglich. Im Netz aber werden sie kommentiert, in Frage gestellt, wie weiblich eine Frau mit Muskeln ist. Die Leichtathletin hat dazu eine klare Haltung: "Dazu stehe ich, und das ist trotzdem weiblich. Das bin ich als Frau."

Glitzerbikini und harte Arbeit

Und so zeigt sich Schäfer auch - etwa auf Instagram. Dass ihre männlichen Kollegen nur selten anhand ihres Körpers bewertet, oder wie sie bisweilen herabgewürdigt werden, das versucht sie dabei auszublenden. "Ich zeige mich auf den Fotos auch in meinem Sportoutfit, und natürlich bin ich da knapp bekleidet", erzählt sie. "Mir ist es wichtig, da auch authentisch zu sein." Das knappe Top und die kurze Shorts, sie sind Schäfers Wettkampfoutfit.

Knapp ist auch das, womit Lena Ramsteiner an den Start geht. Ein glitzernder Bikini in Regenbogenfarben, das Oberteil, nur zusammengehalten von einem funkelnden Strassstein, die Hose mit hoch ausgeschnittenem Bein. Wenn die 25-Jährige ihn trägt, strahlt sie, sie posiert professionell und zeigt, wofür sie so hart arbeitet: ihre Muskeln. "Das Klischee von einer Bodybuilderin ist: Männlichkeit", erzählt sie. "Und eine Frau, die aussieht wie ein Mann, eine tiefe Stimme und männliche Gesichtszüge hat."

Klischees und Kraft

Ramsteiner aber ist kein Klischee, sie ist Kraftsportlerin, arbeitet mit eisernem Willen an ihrem Körper. "Ich habe mich bewusst dazu entschieden", erzählt sie. Dafür trainiert Ramsteiner in ihrer Wahlheimat Fritzlar (Schwalm-Eder) hart. Im vergangenen Jahr ist sie so Europameisterin geworden. Das erste Mal, möchte man hinzufügen. Denn Disziplin könnte Lenas zweiter Vorname sein - und doch wird auch ihr Körper bewertet, ungefragt kommentiert. Auf Instagram etwa, da können vor allem Männer kaum glauben, dass hinter Ramsteiners Transformation vor allem harte Arbeit und Verzicht stecken.

"Das geht dann immer in die Richtung: 'Das schaffst du doch nicht natürlich. Du hilfst doch nach'", erzählt sie. "Vielleicht weil sie es selbst versucht, aber es es nicht geschafft haben." Wenn sie auf die Bühne geht, hat die Wahl-Nordhessin zehn Kilo weniger. Für sie ist auch das ihr Handwerk.

"Wenn ich mich weiblich fühle, bin ich weiblich"

Auch für Carolin Schäfer spielt die Optik eine Rolle, wenn sie an den Start geht. Der Druck, die Bewertungen von außen, bisweilen gar von Menschen vor dem heimischen Fernseher sind extrem. Auch deshalb sagt die Leichtathletin: "Ich würde nie an den Start gehen, wenn ich noch zwei Kilo zu viel hätte." Damit würde sie all jenen schon vorher den Wind aus den Segeln nehmen. Den Eindruck, sie sei nicht fit bis in die letzte Faszie, will Schäfer unbedingt vermeiden.

Lena Ramsteiner hat sich von äußeren Bewertungen inzwischen freigemacht. "Ich hatte ganz häufig das Gefühl, dass ich mich für irgendetwas rechtfertigen muss", sagt sie. Für die Bodybuilderin ist damit Schluss. "Weiblichkeit hat ja nicht nur etwas mit dem Äußeren zu tun, sondern ist ein Gefühl. Ob ich curvy, muskulös oder schlank bin: Wenn ich mich weiblich fühle, bin ich weiblich."

Dokumentation in der Mediathek

Wie Sportlerinnen wie Carolin Schäfer, Lena Ramsteiner und Profi-Tänzerin Christina Luft ("Let's Dance") mit ungefragten Bewertungen zu ihrem Körper umgehen, welche Kommentare sie am meisten treffen und wie sie sich gegen Hass im Netz stemmen, erzählen sie in der hr-Dokumentation Sportsfreundin: Frauen und Muskeln. Wer definiert Weiblichkeit? Ab sofort in der ARD-Mediathek.