Kevin Kranz

Mit seiner Medaille bei der Hallen-Leichtathletik-EM ist für Kevin Kranz eine lange Leidenszeit zu Ende gegangen. Geholfen hat dem Sprinter dabei auch ein besonderer Trick - und mit dem will er jetzt auch das nächste große Ziel angehen: die Olympischen Spiele.

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zum Video Sprinter Kranz gewinnt Silber über 60 Meter

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Als Nummer eins in Europa ging Kevin Kranz bei der Hallen-EM im polnischen Torun an den Start, als Zweiter reiste er mit einer Silbermedaille nach Wetzlar zurück. "Auch wenn ich Bestzeit gelaufen wäre, hätte ich hier heute nicht gewonnen", sagte der 22-jährige Sprinter nach dem 60-Meter-Finale am Samstagabend. In 6,60 Sekunden kam Kranz hinter dem Italiener Lamont Marcell Jacobs ins Ziel, der in 6,47 Sekunden eine Weltjahresbestzeit rannte. "Deswegen kann ich mich über den zweiten Platz nicht beschweren. Ich wäre gerne etwas schneller gelaufen, aber jetzt bin ich erstmal glücklich."

Außerdem ähnelte der Weg zu seinem ersten großen internationalen Erfolg eher einem Hindernisrennen, bei dem er öfter heftig ausgebremst wurde. Wegen eines bei ihm diagnostizierten Pfeifferschen Drüsenfiebers musste er die Weltmeisterschaften 2019 in Doha absagen und danach die Raserei auf der Tartanbahn erstmal einstellen. "Das Drüsenfieber hat mich komplett raus geschossen, die Sommersaison 2020 musste ich abhaken", berichtete der Frankfurter.

Mit veränderter Ernährung zum Erfolg

In der Vorbereitung auf die aktuelle Hallensaison stoppten drei Wochen lang Probleme mit dem Beuger und den Kniekehlen erneut seinen Elan. Dennoch war er bei den deutschen Hallen-Meisterschaften Mitte Februar in Dortmund so schnell wie noch nie über 60 Meter: In 6,52 Sekunden stellte Kranz den nationalen Rekord von Julian Reus ein und avancierte damit zum Titelkandidaten in Torun.

Zu seinem Vermögen, mehr Gas geben zu können, hat auch eine Umstellung der Ernährung beigetragen, nachdem bei ihm eine Gluten- und Eiweiß-Unverträglichkeit im Zuge der Behandlung des Drüsenfiebers festgestellt wurde. Seitdem isst er nichts Süßes mehr und gesünder - und flitzt schneller denn je.

Olympia als großes Ziel

Das große Ziel sind nun die Tokio-Spiele im Sommer. "Die Hallen-EM und der zweite Platz ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen und vor allem für die Rangliste», sagte Kranz. "In der Beschleunigung bin ich gut dabei, aber mir fehlt es im Moment eindeutig an längeren Läufen." Die müsse er nachholen, "sonst werde ich auf 100 Metern nicht sehr schnell sein". Für Tokio hat der Einzelstart über 100 Meter "oberste Priorität", aber auch die Staffel sei ihm wichtig. "Ob ich über 200 Meter starten werde, weiß ich noch nicht", meinte Kranz.

Sendung: heimspiel bundesliga, hr-fernsehen, 7.3.2021, 22.05 Uhr