Kerber Coach Labonte

Sieg in Bad Homburg, Halbfinale in Wimbledon: Angelique Kerber erlebt gerade einen zweiten Frühling. Großen Anteil daran hat ihr Athletiktrainer Dominik Labonté von Eintracht Frankfurt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Angelique Kerber ist im Wimbledon-Halbfinale ausgeschieden

Angelique Kerber
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Am Ende gab es dann doch ein Lächeln. Gerade hatte Angelique Kerber den Einzug in ihr drittes Wimbledon-Finale verpasst und das Halbfinale gegen die Australierin Ashleigh Barty mit 3:6, 6:7 (3:7) verloren. Gut lachen hatte die 33-Jährige dennoch, trotz der verpassten Chance auf den zweiten Wimbledon-Titel nach 2018.

Denn der zweite Frühling der Angie Kerber, er ist auch ohne das ganz große Happyend eine absolut erstaunliche Sache. Nach problembehafteten Jahren, unglücklichen Trainerwechseln und hartnäckigen Verletzungen sah es nicht unbedingt danach aus, als würde Kerber noch einmal auf die große Tennisbühne zurückkehren. Selbst das Karriereende schien denkbar. Doch statt Altenteil und Tennisrente gibt es seit einigen Wochen die Angelique-Kerber-Show.

"Das war ein Wahnsinnsmatch"

Beim WTA-Turnier in Bad Homburg triumphierte sie, in Wimbledon ließ sie Karolína Muchová und Cori Gauff keine Chance. Und fand erst in der Weltranglistenersten Barty ihre Meisterin. Die sagte anerkennend: "Angie hat das Beste aus mir herausgeholt. Das war ein Wahnsinnsmatch vom ersten Ballwechsel an. Ich wusste, dass ich so gut sein muss, um sie zu schlagen."

Dass Kerber derlei Wahnsinnsmatches noch im Tank hat – oder wieder im Tank hat – liegt auch an Dominik Labonté. Der Frankfurter ist Athletiktrainer in der Tennisabteilung von Eintracht Frankfurt und trotz seines Alters von erst 44 Jahren schon ein alter Hase. Bereits das Sportwissenschafts-Studium finanziert er sich dadurch, dass er "eigentlich alle großen Frankfurter Tennisvereine mal unter meinen Händen hatte", lacht er. "Und dann kam mit einzelnen Spielern der Einstieg ins Profitennis."

Aus Offenbach in die Weltspitze

Eben auch mit Kerber. "Wir haben uns 2011 in der Tennis-University in Offenbach kennengelernt und angefangen, zusammenzuarbeiten", so Labonté. Kerber war damals noch ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt, mauserte sich unter der Anleitung von Labonté, Physioterapeut Timo Schall und ihrem Trainer Torben Belz zu einer Weltklassespielerin.

Eine Klasse, die man in den letzten Jahren aber nicht mehr so oft aufblitzen sah. Vor allem eine hartnäckige Oberschenkelverletzung machte Kerber zu schaffen, Labonté verfolgte die kriselnde ehemalige Nummer Eins der Welt zu dieser Zeit aus der Ferne. "Mitte 2017 bis 2020 hatten wir eine Pause, auch wenn der Kontakt nie abgerissen ist", so Labonté. "Aber im Sport tut es immer mal ganz gut, sich auch einmal anders zu orientieren."

"Es war kein einfacher Weg"

2020 dann die Wiedervereinigung. Mit der Verletzung im Rücken und dem letzten Karriereabschnitt vor Augen, wandte sich Kerber wieder an Labonté. Das Ziel: ein goldener Karriereherbst. "Das war auch für mich eine schöne Herausforderung“", so Labonté. "Aber es war auch kein einfacher Weg."

Die Verletzung hatte ihren Tribut gefordert, Kerber auf ein anderes Niveau gezogen, als es Labonté von ihr kannte. "Wie schwierig es war, habe ich anfangs kaum glauben können, weil ich sie nur als topfitte Spielerin kannte. Bei manchen Dingen mussten wir wegen der Verletzung quasi von vorne anfangen. In Sachen Schnelligkeit und Antritt war die Handbremse drin, sie musste lernen, ihrem Körper wieder zu glauben", so Labonté.

"Viel Arbeit, viel Geduld"

Die Lösung: "Viel Arbeit, viel Geduld", lacht Labonté. "Krafttraining, Ausdauer- und Intervalltraining, Schnelligkeits-Reaktionstraining, Ausgleich- und Stabilisierungstraining. Wir haben alle Facetten gemacht." Und nach einer Weile zeigte die Formkurve wieder nach oben.

Mit dem Sieg beim WTA-Turnier in Bad Homburg bewies Kerber eindrücklich, dass sie wieder da ist: Der Sieg im Halbfinale gegen Petra Kvitova war der erste Sieg über eine Top-Ten-Spielerin seit zwei Jahren. "Bad Homburg war die Generalprobe. Und der Sieg in Bad Homburg und das Halbfinale in Wimbledon sind gemessen daran, wo wir herkommen, sensationell", so Labonté.

"Angie hat bei Turnieren gerne ihre Ruhe"

In Wimbledon war Labonté nicht dabei, er musste sich am Riederwald um seine Schützlinge kümmern. "Und Angelique hat bei Turnieren aber sowieso gerne ihre Ruhe", so Labonté. "Wir trainieren in Frankfurt, Polen oder auch anderen Orten auf der Welt. Aber bei Turnieren konzentriert sie sich gern aufs Tennis."

Um ein Haar wäre sie so in ihr drittes Wimbledon-Finale eingezogen, gefehlt hat am Schluss nicht viel. Und doch war das Halbfinale mehr, als Kerber und auch Labonté noch vor Kurzem zu hoffen gewagt hätten. Kerbers Lächeln ist der beste Beweis dafür.