eSport Niederrodenbach
Eine Fünferkette der besonderen Art: Bei der TSG Niederrodenbach gibt es jetzt eine eSport-Abteilung. Bild © Heiko Schneider

Computerspielen boomt, ist als Sport in Deutschland aber noch nicht offiziell anerkannt. Ein kleiner Verein aus dem Main-Kinzig-Kreis will das jetzt ändern.

Fünf junge Männer sitzen in der Rodenbacher Bulauhalle nebeneinander an einer Tischreihe, jeder hinter einem Computer-Bildschirm. Die linke Hand an der Tastatur, die rechte Hand auf der Maus – und auf der wird geklickt, was das Zeug hält. Die fünf Jungs spielen "League of Legends" (LoL) – das meistgespielte PC-Spiel der Welt. Seit 2011 gibt es eine LoL-Weltmeisterschaft, gespielt wird in großen Hallen und Stadien. Und genau dort wollen die fünf am liebsten auch irgendwann hin.

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"League of Legends" - was ist das?

"League of Legends" ist ein sogenanntes MOBA-Spiel (Multiplayer Online Battle Arena). Zwei Fünfer-Teams treten dabei gegeneinander an. Das Ziel: Die gegnerische Basis zerstören.

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Die Gamer in die Vereine holen

Sie spielen deshalb in der eSport-Abteilung der TGS Niederrodenbach (Main-Kinzig). Sie wurde im vergangenen Sommer gegründet – aus der Not heraus, wie Abteilungsleiter Frederik King zugibt. "Immer weniger junge Menschen engagieren sich in Vereinen. Es gibt diesen ominösen Begriff des Vereinssterbens. Und da wollten wir ansetzen", erinnert sich der 31-Jährige. "Wir wollten die jungen Leute da abholen, wo sie im Moment sind."

Und das ist eben oft nicht mehr auf dem Bolzplatz oder in der Sporthalle, wie der Handball-Trainer der TGS weiß: Viele Jugendliche und junge Erwachsene zocken in ihrer Freizeit. "Denen wollten wir ein Angebot machen."

Sport am Bildschirm ist auch Sport

Mit sieben Mitstreitern stellte King dieses Angebot auf die Beine: Aus anfänglich lockeren Treffen entwickelten sich schnell feste Mannschaften. Die trainieren jetzt in einem eigenen Raum an eigens angeschafften Computern mehrmals wöchentlich für rund zwei Stunden. Zwei Fünfer-Teams zocken League of Legends, ein weiteres Fünfer-Team spielt Counter Strike, einen Ego-Shooter. "Mein Aufgabenfeld ist eigentlich das gleiche wie beim Handball oder Fußball", erklärt Stefan Schneider, einer der eSport-Trainer: "Man muss die Jungs motivieren, ihnen beibringen mit Niederlagen umzugehen oder sich Woche für Woche fürs Training zu motivieren." Außerdem werden Videoaufzeichnungen der Spiele analysiert und Taktiken besprochen.

eSport Niederrodenbach
Hier wird fleißig in die Tasten gehauen. Bild © Heiko Schneider

Die rund 1.110 Mitglieder starke TGS Niederrodenbach nimmt mit ihrem Angebot eine Vorreiter-Rolle ein. "Die Vereine, die eSport anbieten, kann man ja an einer Hand abzählen", weiß Coach Schneider. Große Sportvereine wie die Frankfurt Skyliners haben zwar eSport-Abteilungen. In kleineren Vereinen sucht man die hingegen vergeblich.

Schalke und Wolfsburg die Vorreiter

Das Problem: eSport wird vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) noch nicht als Sport angesehen. Deshalb gibt es im Amateur-Bereich keine organisierten Wettkämpfe. "Ich kann die Spieler zwar hinsetzen und trainieren lassen, aber es gibt am Wochenende nicht den einen Wettkampf, auf den sie hin trainieren", ärgert sich Frederik King, der mit seinem Organisationsteam deshalb Turniere auf die Beine stellen will und hofft, dass auch andere Vereine eSport anbieten. "Wenn sich eSport in anderen Vereinen etablieren würde, könnten wir eine Runde starten. Das wäre ein riesiger Erfolg, ein Meilenstein für uns Amateure."

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eSport vor Aufnahme in Koalitionsvertrag

Bei seiner Gründung Ende 2017 hatte der eSport-Bund Deutschland (ESBD) die Absicht erklärt, eSports die Anerkennung als Sportart zu verschaffen. Diesem Ziel ist der Dachverband nun ein großes Stück näher gekommen. Im vorläufigen Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD heißt es, man wolle "eSports künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen".

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Und irgendwann könnte die TGS Niederrodenbach ja auch auf die große eSport-Bühne klettern. "Wir haben die Chance, groß rauszukommen", glaubt zum Beispiel Moritz Erbe, einer der TGS-eSportler: "Es fängt hier in Deutschland klein an, aber ich denke, dass das in den nächsten Jahren sehr groß sein wird", erinnert er daran, dass auch Vereine wie der FC Schalke 04 oder der VfL Wolfsburg eigene eSport-Teams aufgebaut oder aufgekauft haben. "Das Ganze hat auf jeden Fall Potenzial."

Der Boom ist spürbar

Dieses Potenzial gelte es jetzt zu festigen, zu etablieren, sagen die Organisatoren. 15 neue Vereinsmitglieder, die meisten zwischen 16 und 21 Jahre alt, hat die TGS Niederrodenbach durch den eSport schon dazugewonnen. Eine Zahl, die sie ursprünglich in fünf Jahren angepeilt hatte. "Uns geht es darum, den eSport in die Vereinsstruktur zu bringen. Es geht uns um den sozialen Aspekt. Diese Werte, die man von Vereinen kennt, auch auf den elektronischen Sport zu übertragen", so King. Für ihn sei sportlicher Erfolg deshalb zunächst zweitrangig.

Das sehen seine eSportler nicht ganz so. Viele von ihnen haben durchaus sportliche Ambitionen – und klicken deshalb weiter wie wild auf ihre Mäuse.