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Tina Hermann aus Hirzenhain startet am Freitag als Gold-Favoritin bei den Skeleton-Weltmeisterschaften – und das, obwohl sie erst vor zwei Wochen ein kleines Drama erlebte: Sturz im Eiskanal mit 110 km/h.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hermann: "Da kommt schon mal eine Träne"

dpa Tina Hermann
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Tina Hermann ist die große Nummer im deutschen Skeletonsport. Zweimal schon wurde die 27-Jährige aus Eschenburg-Hirzenhain (Lahn-Dill) Weltmeisterin, zuletzt im vergangenen Jahr im kanadischen Whistler. Am Freitag steht in Altenberg die Heim-WM an – doch nach ihrem Sturz vor zwei Wochen gibt es Fragezeichen.

hessenschau.de: Beim letzten Weltcuprennen in Sigulda sind Sie mit hohem Tempo gestürzt. Das sah dramatisch aus. Wie ging es Ihnen danach?

Tina Hermann: Ich musste danach erst mal für mich alleine sein und, na klar, da kommt dann auch schon mal die ein oder andere Träne. Ich war einfach sehr enttäuscht, weil ich an diesem Tag den Gesamtweltcup hätte gewinnen können – und weil ich meinen Schlitten kaputt gemacht habe.

hessenschau.de: Was bedeutet ein kaputter Schlitten für einen Skeleton-Piloten?

Hermann: Das ist schon sehr schlimm. Mein Schlitten ist nicht einfach nur ein Sportgerät – das ist mein Baby. Ich behandle den die ganze Saison über sorgsam, pflege ihn, ohne meinen Schlitten kann ich nichts gewinnen. Und wenn er dann kaputt geht, so kurz vor der Weltmeisterschaft, ist das natürlich erstmal ein kleines Drama. Aber: Wir konnten den Schlitten relativ schnell wieder reparieren und ich bin auch schon damit in der Bahn gewesen. Es fühlt sich gut an.

hessenschau.de: Wie kam es zu dem Sturz?

Hermann: Ich hatte schon im Training immer wieder Probleme mit ein und derselben Kurve. Da fängst du dann natürlich an zu grübeln. Ich habe sogar noch während der Fahrt immer wieder gedacht: Wie machst du es jetzt richtig? Das war der Fehler. Ich mein, ich fahre da mit 110 km/h runter, da sollte man solche Gedanken eigentlich nicht haben, sondern genau wissen, was man macht. Da war dann aber schon alles verloren und ich bin vom Schlitten runtergekippt.

hessenschau.de: Es ist ja fast schon ein Wunder, dass Ihnen nichts Schlimmeres passiert ist…

Hermann: Stimmt. Anfangs hat mir mein Knöchel weh getan, die nächsten zwei Tage hatte ich Kopfschmerzen. Mehr aber nicht. Das war also wirklich glimpflich.

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Zeitplan

Die neue Weltmeisterin im Skeleton wird in vier Durchgängen entschieden.
1. Lauf: Freitag, 09.30 Uhr
2. Lauf: Freitag, 11.00 Uhr
3. Lauf: Samstag, 09.30 Uhr
4. Lauf: Samstag, 11.00 Uhr

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hessenschau.de: Wie sehr belastet dieser Sturz jetzt ihre Psyche?

Hermann: Im Wettkampf ist mir das noch nie passiert, deshalb verunsichert mich das schon ein bisschen. Für den Kopf ist ein Sturz immer schwierig, aber ich bin jetzt so lange dabei und sollte das einfach vergessen. Deshalb ist es auch gut, dass jetzt mit der WM in Altenberg eine andere Bahn kommt, die ich gut kenne.

hessenschau.de: Es gibt aber auch ein paar andere Frauen, die dort schon richtig schnell gewesen sind….

Hermann: Ja, das wird ein spannendes und enges Rennen. Man hat schon im Weltcup gesehen, dass die besten Athletinnen sehr dicht beieinander liegen. Da kann alles passieren. Die Russinnen schätze ich mit ihren schnellen Starts sehr stark ein, Jacqueline Lölling wird vorne dabei sein, Janine Flock fährt eine überragende Saison. Die muss man alle im Blick haben, es gibt viele Kandidatinnen.

hessenschau.de: Sie sind die Titelverteidigerin. Das Ziel sollte klar sein?

Hermann: Auf jeden Fall. Ich möchte vier gute Läufe zeigen, alles geben und wieder Gold holen. Deshalb stehe ich am Start.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth.