Tina Hermann jubelt über ihre Goldmedaille

Skeleton-Weltmeisterin Tina Hermann startet mit dem Anspruch in die neue Saison, ihren Titel bei der Heim-WM zu verteidigen. Doch eine Regeländerung bringt Unsicherheit – und gleich auf der ersten Bahn lauert der Teufel.

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Reporter Sebastian Rieth beim Skeleton
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Es ist Mittag in Lake Placid im Bundestaat New York, einem verschlafenen Nest im Nadelwald. Hier, wo die Temperaturen auch gerne mal zweistellig sind – und zwar zweistellig im Minusbereich – hat sich die deutsche Skeleton-Nationalmannschaft mehrere Blockhütten gemietet. Eigentlich eine traumhafte Kulisse, so umringt von Bäumen, romantisch gelegen an einem kleinen See. Doch dafür haben die Bewohner der Blockhütten nur selten einen Blick. Tina Hermann steht gerade in der Küche, sie macht sich Süßkartoffeln mit Spinat. So ist das eben in einer Randsportart: Hier kocht die Weltmeisterin noch selbst.

Darauf angesprochen, lacht Hermann. Sie habe ja gar keine andere Wahl, schließlich sei die amerikanische Küche schon recht eintönig. "Sonst müsste ich hier jeden Tag Burger essen", sagt Hermann. Und das ist nicht unbedingt das, was einem Sportlerkörper auf Dauer guttut. Burger gehen auf die Hüften, und schwupps, schon wäre man bei dem einen großen Thema, das alle Skeletonis hier in Lake Placid beschäftigt: das Gewicht. Genauer gesagt: eine Regeländerung des Weltverbandes.

"Niemand weiß, wie sich das auswirkt"

Wenn sich Hermann und ihre Kolleginnen am Samstag das erste Mal in dieser neuen Weltcup-Saison kopfüber die Eisbahn hinunterstürzen, dürfen sie erstmals ihren Schlitten mit Gewichten so aufrüsten, dass Sportler und Sportgerät am Ende exakt 102 Kilo wiegen. Die Formel dahinter ist recht klar: mehr Gewicht, mehr Geschwindigkeit. Somit soll verhindert werden, dass schwerere Athleten einen Vorteil haben. Mehr Gerechtigkeit also.

Hermann, aufgewachsen im mittelhessischen Hirzenhain, findet die Änderung generell gut, aber es wird eine Fahrt ins Ungewisse. "Niemand weiß genau, wie sich das am Ende auswirkt", sagt sie. Die 27-Jährige zählt zwar eher zu den leichteren Athleten und kann diesen Nachteil nun ausgleichen. Sie zählt aber auch nicht zu den besten Starterinnen – und ein schwerer Schlitten macht den Anschub nicht wirklich leichter. Daran hat Hermann am Sommer auch intensiv gearbeitet, nochmal Muskelmasse draufgepackt. Das Gefühl in der Vorbereitung ist gut.

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Der Weltcup-Kalender im Bob und Skeleton

06.12. – Lake Placid, USA
13.12. – Lake Placid, USA
03.01. – Winterberg, Deutschland
10.01. – La Plagne, Frankreich
17.01. – Innsbruck, Österreich
24.01. – Königssee, Deutschland
31.01. – St. Moritz, Schweiz
14.02. – Sigulda, Lettland
17.02. – Altenberg (WM), Deutschland

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Eckig, tückisch, teuflisch

Auch deshalb formuliert sie ihre Ziele nur folgerichtig: Bei der Heim-WM in Altenberg im Februar will Hermann wieder Gold für Deutschland holen. Im vergangenen Jahr, nach einer durchwachsenen Weltcup-Saison, war ihr das auf der Bahn in Whistler, Kanada, zum zweiten Mal in ihrer Karriere gelungen. Der Titel soll nun verteidigt werden. "Das wäre eine schöne Sache. Ich will wieder voll angreifen." In Jacqueline Lölling kommt erneut eine ihrer größten Konkurrentinnen aus dem eigenen Lager, aber auch die Russinnen werden stark erwartet.

Für Hermann, die Weltmeisterin, hat daher der Saisonauftakt am Samstag in Lake Placid eine besondere Bedeutung. Es ist ein erster wichtiger Wegweiser auf einer Bahn, die es in sich hat. Eckig, tückisch und mit einer besonderen Geraden: dem Devil’s Highway. Wer da fehlerfrei rauskommen will, muss vorher seine Hausaufgaben gemacht haben. Vielleicht nicht ganz so schlecht, dass Tina Hermann in der Blockhütte im Nadelwald statt Burger doch lieber auf Süßkartoffel und Spinat gesetzt hat.

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Bob-Debüt für Kalicki

Kim Kalicki von Eintracht Wiesbaden wird in Lake Placid ihr Weltcup-Debüt im Zweierbob feiern. "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich kein bisschen aufgeregt bin", erzählt die 22-Jährige. Sie wird gemeinsam mit ihrer Anschieberin Vanessa Mark ins Rennen gehen, nach vielen Jahren bei den Junioren und Einsätzen im Europacup ist die Nominierung für die Welt-Elite nun der bisherige Höhepunkt in Kalickis Karriere. Bei den teaminternen Selektionen hatte Kalicki in Anna Köhler aus Reichelsheim eine weitere Hessin vorerst aus dem Weltcup-Team verdrängt. Köhler war damals allerdings auch leicht angeschlagen an den Start gegangen.

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