Tischtennis

Nie mehr zweite Liga? Der TTC OE Bad Homburg hat sich sportlich für den Aufstieg in die Tischtennis-Bundesliga qualifiziert, steht nun aber vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen – Corona-Krise inklusive.

Videobeitrag

Video

zum Video Der TTC Ober-Erlenbach will in die Bundesliga

TTC Erlenbach
Ende des Videobeitrags

Am Ende erfüllte sich der lang gehegte Traum vom sportlichen Aufstieg in die Tischtennis-Bundesliga (TTBL) dann doch etwas plötzlich. Weil der Deutsche Tischtennis-Bund vergangene Woche die Corona-Notbremse gezogen hat und den Spielbetrieb auch in der zweiten Liga für beendet erklärte, steht der TTC OE Bad Homburg seit rund einer Woche als Aufsteiger in Deutschlands höchste Spielklasse fest. Vier Spieltage vor dem eigentlichen Ende der Runde war und ist dem Tabellenführer aus dem Stadtteil Ober-Erlenbach der Zweitliga-Titel nicht mehr zu nehmen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sven Rehde: "Defizit von 80 bis 90.000"

Tischtennisplatte mit zwei Schlägern
Ende des Audiobeitrags

TTC-Sportchef Sven Rehde lobt im hr3-Gespräch die Entscheidung des Verbandes zwar als "richtig" – ihn und seinen Verein stellt das plötzliche Aufstiegsrecht aber vor enorme Herausforderungen. Vor allem wirtschaftlich. Die Bad Homburger müssen dem Wirtschaftsprüfer der TTBL bis spätestens Ende April einen Etat von rund 200.000 Euro nachweisen, um den Aufstieg auch rechtlich perfekt zu machen. Die Frist, die entsprechenden Unterlagen einzureichen, hat die Ligaleitung für alle Clubs um einen Monat nach hinten verschoben.

Etat steht erst zu 60 Prozent

Ein Crowdfunding, das der TTC bereits Ende Februar parallel zur Lizenzbewerbung startete, soll neben Sponsorengeldern weitere Mittel einbringen. "Das Aber ist immer die finanzielle Seite im Sport", sagt Rehde. "Und die wird durch Corona gerade auch nicht leichter." Ober-Erlenbach bekommt das Budget nach aktuellem Stand zu 60 Prozent gestemmt, zu den von der Liga geforderten 200.000 Euro fehlen noch 80.000.

"Wir haben Sponsoren, die uns über Jahre hin die Treue halten und jetzt auch eine höhere Summe zahlen", erzählt der Sportliche Leiter. Das Crowdfunding, bei dem Beträge zwischen 50 und 1.500 Euro gespendet werden können und das im Höchstfall mit VIP-Karten für die kommende Saison honoriert wird, hat bislang 20 Prozent der angepeilten Summe eingespielt. Immerhin: Mit Rares Sipos, Nils Hohmeier, Lev Katsman und Neuzugang Maxim Grebnev stehen bereits vier Spieler für den möglichen Bundesliga-Kader fest, mit einem fünften werden derzeit Verhandlungen geführt.

Wohin geht die Reise des TTC OE Bad Homburg?

Auf der deutschen Tischtennis-Landkarte haben sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Krise bereits bemerkbar gemacht. Mit dem TTC Ruhrstadt Herne musste sich kürzlich ein früherer Bundesligist aus der dritten Liga zurückziehen, in der Frauen-Bundesliga hat es mit dem TuS Bad Driburg sogar einen Top-Club erwischt – nach mehr als 20 Jahren Ligazugehörigkeit. Am Donnerstag gab nun selbst Bundesliga-Top-Club Borussia Düsseldorf an, durch die Coronakrise bedroht zu sein.

Der TTC OE Bad Homburg hofft derweil, den Aufstieg ins Oberhaus finanziell stemmen zu können. Zu gut, zu überraschend lief die vergangene Zweitliga-Saison. "Wir hatten Platz zwei bis vier als Saisonziel ausgegeben", sagt der Sportliche Leiter Sven Rehde. "Bei der jungen Mannschaft, die wir haben, war nicht vorhersehbar, wo die Reise hingeht." Jetzt soll genau diese Reise in die erste Liga aber nicht am Geld scheitern.