Timo Boll

Die deutschen Tischtennis-Asse haben bei der Einzel-WM in Houston in mehreren Wettbewerben gute Chancen. Der unverwüstliche Europameister Timo Boll dürfte jedoch wieder einmal als "China-Schreck" gefordert sein.

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Audioseite Gute Aussichten vor der Tischtennis-WM

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Timo Boll und Co. wollen sich bei der Tischtennis-WM in Houston den "amerikanischen Traum" erfüllen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten winkt den Assen des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) in den fünf Wettbewerben auch ohne den verletzten Olympia-Dritten Dimitrij Ovtcharov ein Nachkriegsrekord von mindestens zwei Medaillen. "Wir haben einige Eisen im Feuer", erklärte DTTB-Sportdirektor Richard Prause zu den Zielen.

Größtes Trumpf-Ass der deutschen Texas-Expedition ist auch mit noch mit 40 Jahren einmal mehr Europameister Boll aus Erbach. Offen kokettierte der Weltranglistenelfte vor dem Abflug an den Sitz des US-Raumfahrtzentrums mit dem Griff nach den Sternen: "Ich habe zuletzt nicht so schlecht gespielt und gut trainiert. Mein Körper funktioniert momentan gut, und wenn es so bleibt, traue ich mir etwas zu."

Nowitzki will kommen

Seine zweite WM-Einzelmedaille zehn Jahre nach Bronze in Rotterdam, durch die Boll erst als zweiter Deutscher nach Eberhard Schöler (1965-1969) mehr als einen WM-Podestplatz im Einzel erobern würde, ist ab Dienstag allerdings nicht die einzige Chance des Düsseldorfers. Denn auch sein Doppel mit Europe-Top-16-Sieger Patrick Franziska aus Bensheim gilt als medaillenreif. 

Vor der erhofften Medaillen- und Wiedersehensfeier mit seinem im vergleichsweise nahen Dallas lebenden Freund und Basketball-Idol Dirk Nowitzki ("Er hat gesagt, dass er kommen möchte") bescherte die Glücksfee Boll für das Einzel ein vergiftetes Los.

Franziska und Solja mit Hoffnungen

Zwar bleibt dem Linkshänder einerseits in einem möglichen Viertelfinale ein fast schon traditioneller Showdown mit einem Top-Chinesen erspart, doch könnte der deutsche Rekordmeister andererseits trotzdem schon vorher wieder einmal als "China-Schreck" gefordert sein. Nach einem Erstrunden-Freilos trifft Boll in seinem Auftaktmatch am Mittwoch voraussichtlich auf den 103 Positionen tiefer geführten Zhou Qihao aus dem unerschöpflichen Talentereservoir im Reich der Mitte. Danach jedoch würde sogar bis zum Finale kein weiterer Chinese mehr auf den früheren Weltranglistenersten warten.

Wie für Boll könnten auch für Franziska zwei Wege aufs Podium führen. Im Einzel trotz seines Status als Top-20-Spieler und der Abwesenheit von chinesischen Topstars wie Olympiasieger Ma Long oder des mehrfachen WM-Champions Xu Xin eher Außenseiter, kann sich der Rechtshänder außer im Doppel auch im Mixed mit Europameisterin Petrissa Solja vom TSV Langstadt (Babenhausen) Hoffnungen auf eine Wiederholung der gemeinsamen Bronzemedaille von 2019 in Budapest machen. 

"Wir sind die zweitbeste Nation der Welt"

Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf hält in der Gesamtschau mit den Ambitionen des DTTB-Trosses nicht hinterm Berg. "Wir sind", demonstriert der Doppel-Weltmeister von 1989 Selbstbewusstsein, "die zweitbeste Nation der Welt hinter China. Wir müssen uns hohe Ziele setzen und wollen den maximalen Erfolg."