Tony Martin und sein Team Jumbo-Visma haben einen Traumstart in die Tour hinter sich. Der Eschborner führte seine Mannschaft im Zeitfahren zum Sieg - und ist auch aus anderen Gründen eine wichtige Säule.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tony Martin nach dem Sieg beim Mannschaftszeitfahren im Interview

Tony Martin (vorne) und das Jumbo-Visma-Team bei der Tour de France
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Mit Champagner stieß Tony Martin mit seinen Kollegen auf den perfekten Start bei der Tour de France an. Bestens gelaunt und total erleichtert ließen die Profis vom Team Jumbo-Visma ihr Traumwochenende von Brüssel noch einmal Revue passieren.

"Es ist unglaublich. Es ist toll, diesen Erfolg mit sieben Teamkameraden feiern zu dürfen", sagte der 34 Jahre alte Spezialist Martin, der den Außenseiter mit dem Mini-Budget von 14 Millionen Euro zum Sieg im Mannschaftszeitfahren über den großen Favoriten Ineos getrieben hatte. Er kündigte eine Feier in "intimer Atmosphäre" an - und dazu gab es schon am späten Sonntagabend allen Grund.

"Selbstläufer" schon am ersten Wochenende

Die erste Etappe hatte Martins Teamkollege Mike Teunissen für sich entschieden und sich so das Gelbe Trikot gesichert. Zusammen mit dem Sieg im Mannschaftszeitfahren am Sonntag ist das Soll an Siegen quasi schon am ersten Wochenende erfüllt.

"Wir haben seit dem Winter extrem hart gearbeitet. Wir sind extrem gestärkt durch die Resultate der Vormonate in die Tour gekommen. Wir waren gestärkt durch den Auftaktsieg, dann ist es irgendwo auch ein Selbstläufer", sagte Martin, nachdem er und seine Kollegen ihre Stärke mit 20 Sekunden Vorsprung demonstriert hatten.

"Wenn alles schiefläuft, haben wir immer noch Tony"

Jumbo-Visma hat zwar nur ein Drittel des Jahresetats von Rivale Ineos, doch die Niederländer arbeiten mit Herz und Hirn - und treiben ihre Mannschaft mit sinnvollen Verpflichtungen immer näher an die Spitze. Den viermaligen Zeitfahr-Weltmeister Martin von Katusha-Alpecin zu verpflichten, hat sich alleine für den großen Sieg unter dem Atomium bereits ausgezahlt. "Es ist toll, wenn so ein Plan dann aufgeht", sagte der Eschborner.

Doch der Deutsche gibt dem Team noch deutlich mehr, wie der Sportliche Leiter Grischa Niermann schilderte: "Tony ist mit seiner Präsenz da und bringt die Mannschaft voran. Wenn alles schiefläuft, haben wir immer noch Tony. Das sagt auch, was er für eine Rolle im Team spielt." 

Der Radsport-Routinier sieht das ähnlich. "Ich bin ein Mann für das Grobe. Ich versuche, die Säule der Mannschaft zu sein, natürlich auch im Teamzeitfahren. Es ist für mich total okay, ich kann mich 100 Prozent für das Team aufopfern", sagte Martin. In Fluchtgruppen wolle er bei dieser Tour nicht gehen, sondern sich ganz auf seine Dienste als Helfer konzentrieren.

Marcel Kittel als Verstärkung?

Jumbo-Visma wirkt zum Tour-Auftakt wie das Team, das Rückschläge am ehesten verkraften kann und schnell einen Plan B präsentiert. Als Top-Sprinter Groenewegen zum Auftakt stürzte, gewann sein Anfahrer Teunissen. Ohne den Giro-Dritten und Ex-Skispringer Primoz Roglic, der die Tour auslässt, muss es für die Gesamtwertung eben Kruijswijk richten. Und eine weitere Verstärkung ist schon in Aussicht: Marcel Kittel, der derzeit pausiert, soll ein Kandidat sein.

"Jedes Team braucht einen zweiten Sprinter. Vielleicht wird das Marcel Kittel, das müssen wir sehen", sagte Groenewegen, der für sich aber den Nummer-eins-Status klar beansprucht. Egal, ob Kittel kommt oder nicht - bei dieser Tour dürften sie auch ohne den 14-maligen Etappensieger weiter glänzen. Auch dank Tony Martin.