John Degenkolb nach seinem Sturz bei der ersten Etappe der Tour de France 2020.

John Degenkolb war gleich auf der ersten Etappe der Tour de France 2020 die tragische Figur. Der Radprofi aus Oberursel meldete sich am Morgen danach mit einer emotionalen Videobotschaft.

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zum Video Degenkolb: "Ich bin ziemlich kaputt"

John Degenkolb am Flughafen in Nizza
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Am letzten Ort der Cote d'Azur, an dem John Degenkolb am Sonntagmorgen sein wollte, rang der deutsche Radprofi mit leerem Blick um die richtigen Worten. "Ich bin echt ziemlich kaputt, sowohl im Kopf als auch natürlich körperlich", sagte Degenkolb mit leiser Stimme an einem Gate des Flughafens Nizza.

"Ich konnte es kaum aushalten"

Eigentlich hätte er sich zu diesem Zeitpunkt auf die zweite Etappe der 107. Tour de France vorbereiten wollen. Stattdessen trat Degenkolb völlig geknickt die unfreiwillige Heimreise an - der Tiefpunkt einer ohnehin schwierigen Saison. "Ich bin wirklich sehr enttäuscht, nach dem ersten Tag schon wieder nach Hause zu fliegen", sagte Degenkolb in der in den Sozialen Medien veröffentlichten Videobotschaft.

Auf den nach einem Regenguss teils spiegelglatten Straßen rund um Nizza war der 31-Jährige am Samstag 65 Kilometer vor dem Ziel zu Fall gekommen. Beide Knie schlug er sich beim heftigen Aufprall blutig auf. "Ich bin niemand, der über ein bisschen Schmerz jammert", sagte Degenkolb, "aber ich konnte es kaum aushalten."

Rechtes Knie stark geschwollen

Er tat es dennoch. Der Klassikerjäger quälte sich "irgendwie" ins Ziel, das er angesichts der gesundheitlichen Probleme allerdings knapp außerhalb des Zeitlimits erreichte. Die Jury kannte keine Gnade und strich den Degenkolb aus dem Rennen. "Das ist das Ende vom Lied", sagte Degenkolb.

Ans Weitermachen wäre aber ohnehin nicht zu denken gewesen. Vor allem sein rechtes Knie wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. "Es ist stark geschwollen", sagte Degenkolb, der von Flüssigkeit im Schleimbeutel berichtete. Immerhin von Brüchen blieb der Profi von Lotto-Soudal verschont - im Gegensatz zu seinem belgischen Teamkollegen Philippe Gilbert. Der Ex-Weltmeister trat mit einer Fraktur der Kniescheibe zur zweiten Etappe am Sonntag ebenfalls nicht mehr an. "Was für eine Enttäuschung für uns", sagte Gilbert.

Degenkolb will "bald wieder auf dem Rad sitzen"

Bei Degenkolb richtete sich der Blick schon wieder nach vorn. Es sei noch zu früh, eine konkrete Aussage über die Ausfallzeit zu treffen. "Aber es kommen noch einige Rennen in diesem Jahr. Ich werde mich so schnell es geht erholen und hoffentlich bald wieder auf dem Rad sitzen", sagte er.

Degenkolb war vor allem als Sprinthelfer für den Australier Caleb Ewan eingeplant. Für das belgische Team Lotto-Soudal ist in Frankreich noch Roger Kluge im Einsatz. Nach Degenkolbs Aus nahmen noch elf deutsche Fahrer die zweite Etappe in Angriff.