Sarah Voss turnt im Ganzkörperanzug.

Langer Gymnastikanzug statt knapper Turndress: Die gebürtige Frankfurterin Sarah Voss hat damit bei der Turn-EM für Aufsehen gesorgt. Von ihren Kolleginnen gibt es viel Lob.

Mit einer ungewöhnlichen Bekleidung hat Kunstturnerin Sarah Voss bei der Kunstturn-Europameisterschaften in Basel ein Zeichen gegen Sexualisierung gesetzt. Und ist damit für viele in ihrer Zunft zum Vorbild geworden.

Die deutsche Mehrkampf-Meisterin trat am Mittwoch in der Qualifikation zu ihren Übungen am Schwebebalken und beim Sprung in einem glitzernden Ganzkörperanzug in Schwarz-Rot an. Üblich sind deutlich knappere Anzüge, die einem Badedress ähneln.

Kolleginnen turnen ebenfalls in langen Anzügen

"Als Teil der deutschen Nationalmannschaft sind wir für viele jüngere Sportlerinnen auch ein Vorbild und möchten ihnen eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie sich auch in einer anderen Bekleidungsform ästhetisch präsentieren können, ohne sich unwohl zu fühlen", sagte die gebürtige Frankfurterin, die im Turnzentrum DSHS Köln trainiert.

Mit ihrer Aktion wurde sie direkt zum Vorbild für ihre Kolleginnen. Elisabeth Seitz und Kim Bui starteten am Freitag in Basel ebenfalls in langen Gymnastikanzügen. "Das ist eine Sorge weniger, dass, wenn mal irgendwie was verrutscht, jeder mehr sehen kann als er sehen sollte", so Seitz. "Wir sind davon überzeugt und wollen als Team ein Zeichen setzen", erklärte die 32 Jahre alte Athletensprecherin Bui.

"Ich habe gleich gedacht: Wow!"

Die ehemalige Leistungsturnerin Naomi van Dijk aus Melsungen ist begeistert vom Ganzkörperanzug. "Ich habe gleich gedacht: Wow, von deutscher Seite aus ein Statement gesetzt, dass man auch eine andere Form von Turnanzügen tragen kann", sagte sie dem hr. "Ich fand es auch gut, dass Sarah das Zeichen gesetzt hat."

Van Dijk erinnert sich an unangenehme Situationen in ihrer Karriere. "Sobald es hieß: Wettkampf, hieß es gleich: Hose aus. Wenn man die Turnhose angelassen hat, gab es direkt Abzüge." Auch vor ungewollten Fotos solle der neue Dress Schutz bieten. "Wir werden beim Wettkampf unkontrolliert fotografiert und wissen nicht, was mit diesen Bildern passiert. Das gibt einem ein ungutes Gefühl. So kann man sich selbst davor schützen."