Alexander Korosek steht in der PSD Bank Arena

Geschäftsmann Alexander Korosek will die United Volleys Frankfurt auf Vordermann bringen. Das sportliche Fundament ist schon da, Baustellen sind das Marketing und die Jugendarbeit.

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Korosek: "Verein ist mir eine Herzensangelegenheit"

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Alexander Korosek hat den Namen Frankfurt Galaxy zurück in die Mainmetropole gebracht. Inzwischen hat sich der gebürtige Frankfurter beim Football-Club allerdings zurückgezogen und sich ein neues Projekt gesucht. Nun will er als Hauptgesellschafter die United Volleys auf die nächste Stufe heben. Wie er das schaffen möchte und welche Schwierigkeiten er sieht, erzählt er im Interview mit dem hr-sport.

hessenschau.de: Herr Korosek, Sie sind seit April Hauptgesellschafter bei den United Volleys Frankfurt. Aber auf der Website des Vereins muss man lange suchen, um auf Ihren Namen zu stoßen. Ist das gewollt?

Alexander Korosek: Nein, wir bauen nur gerade die Homepage um. Ab nächster Woche finden Sie einen komplett neuen Online-Auftritt von uns. Ich bezeichne die United Volleys immer als großes Haus, das alles beinhaltet. Aber es war komplett unaufgeräumt. Wir sind gerade dabei, alles aufzuräumen. Als ich dazugestoßen bin, haben wir gerade das Team zusammengestellt und hatten andere Prioritäten. Jetzt wollen wir alles auf neue Beine stellen.

hessenschau.de: Dazu passt, dass Sie einen Frankfurter Volleyball-Verein gründen wollen, der sich um die Jugendarbeit der Volleys kümmert. Angeblich soll das noch in diesem Jahr passieren…

Korosek: Wir können noch keinen Vollzug melden, aber das Projekt wird definitiv stattfinden. Der Verein ist mir eine Herzensangelegenheit. Wir haben jetzt schon angefangen, Schulprojekte ins Leben zu rufen, sind in Kontakt mit Schulen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, um bewusst den Jugendsport in Frankfurt zu fördern. Wir möchten Volleyball bekannter machen.

hessenschau.de: Ist das denn nötig?

Korosek: Wir hatten in den letzten sechs Jahren einen großen sportlichen Erfolg mit den Volleys. Aber Volleyball ist noch nicht richtig in Frankfurt angekommen. Das ist ein Problem, das ich ausgemacht habe. Wir versuchen, neue Wege zu gehen, um da anzuknüpfen und zu zeigen, dass wir Profisport in Frankfurt haben, der erfolgreich ist. Mit toller Stimmung. So wollen wir die Leute in die Halle bekommen.

hessenschau.de: Das scheint doch gerade eine schwierige Phase für so ein Projekt zu sein: mit der Corona-Pandemie, der Hospitalisierungsinzidenz, den "2G"- und "2G+"-Modellen für Zuschauer und den Breitensport… Erschwert das ihre Arbeit sehr?

Korosek: Es macht sie bestimmt nicht leichter. Wir müssen mit der Situation arbeiten, die wir vorfinden. Und die bedeutet, dass wir bei einer Hospitalisierungsinzidenz von fast fünf in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt stehen. Aber dieses Projekt soll nicht kurzfristig sein. Wir wollen das solide aufbauen, damit wir in der Zukunft von der Nachwuchsarbeit profitieren können und neue Talente hervorbringen.

hessenschau.de: Wo Sie gerade bei langfristigen Projekten sind: Ihr zweites großes Projekt ist der Umzug in eine neue Halle. Die United Volleys haben sich vertraglich an "The Dome" gebunden, der am Flughafen entstehen soll. Man hat aber lange nichts mehr von der Halle gehört. Wie läuft denn die Planung?

Korosek: Es wird in den nächsten Wochen zu diesem Thema seitens der Bewerber und der Stadt etwas kommuniziert werden. Es gibt aktive Gespräche und Prüfungen, die demnächst vertieft werden. Ich möchte da der Politik aber nicht vorgreifen, da ich sonst einen Arbeitsvorgang kommentieren würde, den ich nicht tagtäglich begleite. Aber es kann auf jeden Fall sein, dass da gerade etwas im Hintergrund passiert, dass da viele Menschen mit Hochdruck dran arbeiten. Damit dieses leidige Thema, und das sage ich als Bürger und auch als Fan von anderen Sportveranstaltungen, vom Tisch kommt.

hessenschau.de: Würden Sie sagen, die Fans der Volleys können sich auf ein Weihnachtsgeschenk freuen?

Korosek: Ein Geschenk wären wahrscheinlich konkrete Umsetzungspläne und harte Fakten. Ich würde mich wundern, wenn sowas passiert. Aber ich denke, dass vor Weihnachten nochmal ein öffentliches Statement rausgegeben wird, wie der aktuelle Stand ist.

hessenschau.de: Kommen wir zurück zum Volleyball. Als Sie bei den Volleys eingestiegen sind, waren viele Leute in der Szene überrascht, weil man sie eher mit American Football in Verbindung gebracht hat. Fanden Sie einfach das Projekt United Volleys spannend oder gibt es eine versteckte Volleyball-Vergangenheit, die niemand kennt?

Korosek: Nein, es gibt keine versteckte Volleyball-Tätigkeit meinerseits. Ich bin als Frankfurter Bub der Stadt sehr verbunden. Ich habe immer gesagt, dass mir der Profisport in Frankfurt sehr am Herzen liegt, weil es das Aushängeschild der Stadt ist. Es ging über Universe zu Galaxy (zwei Frankfurter Football-Clubs, Anm. d. Red.) und ich habe sie auf einen guten Weg gebracht. Und dann kam ich wie die Jungfrau zum Kind zum Thema United Volleys. Für mich war es ein neues und interessantes Projekt, aber ich konnte erstmal nicht viel anfangen damit. Dann habe ich mir das Projekt genauer angesehen und für mich selbst schnell festgestellt: Das hat sehr viel Potenzial, man muss es nur abrufen und in einer anderen Vermarktungsstrategie dem Fan oder Bürger näherbringen. Ich will zeigen, dass wir europäisch spielen, amtierender Pokalsieger sind und es einige positive Dinge gibt, die man aber auch nach außen tragen muss.

hessenschau.de: Wie wollen Sie den Menschen das zeigen? Gibt es abgesehen von dem Engagement für die Jugend noch weitere Marketing-Strategien, die man einsetzen kann, um die United Volleys zu promoten?

Korosek: Wir haben komplett auf Social Media umgestellt. Mir ist gerade jetzt während Corona wichtig, dass die Leute über Social Media abgeholt werden. Wir haben eine Videofirma beauftragt, für uns professionelle Videos herzustellen und uns bei den Spielen zu begleiten. Das Ergebnis kann man in den sozialen Medien sehen. Wir sind etwa bei Tik Tok und Instagram unterwegs, um so die Zielgruppe der Zukunft, Jugendliche und Menschen bis Mitte 30, an das Thema Volleyball heranzuführen. Im Hintergrund werden zudem Gespräche mit Kooperationspartnern wie Tankstellen und Supermärkten geführt. Dort wollen wir kleine Merchandise-Stände aufbauen, um so das Logo der United Volleys sichtbar zu machen. Das war in meinen Augen das Problem der letzten Jahre. Wir wollen die Marke in das Rhein-Main-Gebiet tragen und zeigen: Uns gibt es auch, und das nicht erst seit gestern.

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Korosek: "Wir haben eine Profi-Familie"

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hessenschau.de: Kommen wir zur Entwicklung des Teams: Die Volleys sind ja bereits eine erfolgreiche Mannschaft. Aber wie viel fehlt noch bis zur Spitze, die Sie ja bestimmt anpeilen?

Korosek: Natürlich wollen wir uns mit den Besten messen. Man darf aber nie aus den Augen verlieren, dass es noch andere Teams in der Liga gibt, die auch sehr gute Arbeit leisten. Wir wollen natürlich die Top-Spitze von Deutschland werden, nur bis zu Berlin ist es nochmal ein riesengroßer Schritt. Die Kollegen dort machen einen Mega-Job, das ist absolut faszinierend. Die ganze Infrastruktur ist beeindruckend und die Max-Schmeling-Halle ist perfekt. Wenn ich solche Voraussetzungen hätte, könnte ich wahrscheinlich auch noch viele andere Sachen machen. Aber das bietet die Ballsporthalle eben nicht, auch wenn sie keine schlechte Halle ist.

hessenschau.de: Worauf haben Sie bei der Zusammenstellung des Teams besonders geachtet?

Korosek: Unser Team ist natürlich auf Leistung zusammengestellt. Aber es gab wesentlich mehr Faktoren im Hintergrund, auf die wir geachtet haben. Ich werde nicht alle kundtun, sonst kennt jeder das sportliche Geheimnis, was die letzten Jahre gut funktioniert hat. Aber so viel kann ich verraten: Wir haben keine Profi-Mannschaft hingestellt, sondern eine Profi-Familie. Das ist mir sehr wichtig: dass das Team zusammenhält und die Jungs sich gut verstehen. Es bringt mir nichts, wenn ich sechs Stars auf dem Feld stehen habe, aber keiner kann mit dem anderen. Das ist einer der Schlüsselfaktoren, der das Team im Moment so erfolgreich macht.

hessenschau.de: Reichen die familiären Faktoren, um Berlin schon in diesem Jahr ein Bein zu stellen?

Korosek: Definitiv! Davon bin ich sogar überzeugt. Auch andere Teams können an einem guten Tag Berlin schlagen, wenn sie selbst mal keinen guten Tag erwischen. Das ist menschlich und das sind Faktoren im Profisport, die man immer beachten muss. Wenn Berlin ohne Niederlage durchkommt, würde ich mich doch sehr täuschen, was den Sport angeht. Dann könnte man sagen, dass Geld Meisterschaften gewinnt. Aber das sehe ich nicht so.

Das Interview führte Gerald Schäfer.