Jörg Krick, Geschäftsführer der United Volleys

Die Sondergenehmigung, trotz Corona wieder trainieren zu dürfen, sehen nicht alle Proficlubs in Hessen positiv. Im Interview warnt Jörg Krick, Geschäftsführer der United Volleys Frankfurt, mit deutlichen Worten vor einer Sonderrolle.

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Den Spielbetrieb früh abgebrochen, die wirtschaftlichen Folgen noch lange nicht absehbar: Die Coronavirus-Krise trifft Sportarten wie den Volleyball auf eine besondere Art und Weise. Um sich den Herausforderungen besser stellen zu können, hat sich Bundesligist United Volleys Frankfurt mit Profi-Clubs anderer Sportarten in der Interessengemeinschaft Teamsport Hessen zusammengetan. Wir haben mit Geschäftsführer Jörg Krick über die schwierige finanzielle Lage sowie gesellschaftliche Verantwortung gesprochen.

hessenschau.de: Herr Krick, Sie halten es als Mitglied der Interessengemeinschaft Teamsport Hessen aktuell für das falsche Signal, als Proficlub das Training wieder aufzunehmen. Warum?

Jörg Krick: Da muss man sicher die einzelnen Sportarten sehen, aber wir Volleyballer haben am 12. März die Saison abgebrochen, weil wir die dramatische Entwicklung in Italien gesehen haben und Fans und Spieler keiner Gefahr aussetzen wollten. Wir haben keine Chance gesehen, noch bis Sommer vor Zuschauern zu spielen und sind dann konsequent der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts und von Land und Bund gefolgt. In dieser Woche gab es am 6.4. das Schreiben von Jens-Uwe Münker (Abteilungsleiter im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport; d. Red), wo er beschreibt, dass Profisportler zur Berufsausführung wieder trainieren können. Dadurch sollten alle Sportarten gleichgestellt werden, was wir auch alle begrüßt haben. Für viele Vereine ergibt es aber keinen Sinn, jetzt mit dem Training zu beginnen, weil es immer noch die Abstandsregeln und das Kontaktverbot gibt, und wir uns auch als Vorbild in der Gesellschaft sehen.

hessenschau.de: Ist das auch ein Vorwurf in Richtung Profifußball, der das in Hessen anders handhabt?

Krick: Nein, jede Sportart muss das selbst entscheiden. Aber angesichts der aktuellen Vorgaben für die gesamte Gesellschaft würden wir im Volleyball, aber auch im Handball und Basketball, nicht wissen, wie wir trainieren könnten. Wir könnten das in unseren Hallen mit Blick auf die Hygieneregeln und Abstandsregeln auch infrastrukturell gar nicht. Und es ergibt angesichts unserer Vorbildfunktion auch keinen Sinn, denn jedes Kind wird fragen: Warum dürfen die spielen und wir nicht? Und deshalb ist das unsere Entscheidung, und wir sind da konsequent. Wenn es Lockerungen gibt ab dem 20. April, dann müssen wir sehen, wie wir die für uns nutzen können. Weil auch unsere Sportler zu Hause sitzen und heiß sind, wieder zu trainieren.

hessenschau.de: Wie gehen Sie mit der aktuell ungewissen Situation um?

Krick: Das ist nicht einfach. Vor allem, weil wir ein Kontaktsport sind und nicht wissen, wie das Ganze wieder anlaufen soll. Auch wenn man sich überlegt, was bei nur einem positiven Corona-Test im Team passiert - dann müsste eigentlich das ganze Team zwei Wochen aus dem sportlichen Betrieb genommen werden. Das ist die Regelung für die Gesellschaft und damit für uns. Ich glaube nicht, dass wir als Sportler eine Sonderrolle in Anspruch nehmen sollten. Auch die Idee, Spieler öfter zu testen, damit sie schneller wieder trainieren oder spielen können, ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das ist schon asozial. Die Testkapazitäten müssen für die Krankenhäuser, für Infizierte, für Alte und Kranke zur Verfügung gestellt werden.

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hessenschau.de: Was sind die großen Themen, die die Vereine in der Interessengemeinschaft Teamsport Hessen beschäftigen?

Krick: Das größte Thema neben der Wiederaufnahme des Sportbetriebs ist die Finanzierung und die Frage: Wie können wir das in die nächste Saison hinein stemmen. Wir alle gehen davon aus, dass - egal, wie hoch das Budget eines Vereins ist - es um mindestens 20 bis 30 Prozent nach unten geht. Wir wissen alle nicht, wann die Saison wieder losgeht. Das ist eine sehr dramatische Situation. Jeder Verband und jede Liga ist anders betroffen, deshalb ist es wichtig, dass wir uns austauschen. Aber jeder Verein trifft natürlich eigene Entscheidungen.

hessenschau.de: Sie hatten zuletzt davon gesprochen, dass die Situation für die United Volleys existenzbedrohend sein könnte. Wie ist der Stand?

Krick: Die Situation ist für jeden Verein existenzbedrohend. Das sind nicht wir allein. Wir müssen einen Verlust von 300.000 Euro für diese Saison hinnehmen und wir wissen nicht, wie die Sponsoren-Landschaft in der nächsten Saison aussieht und wann wir überhaupt in eine neue Spielzeit gehen. Für uns ist klar, dass wir nicht ohne Zuschauer spielen wollen. Das ergibt für uns keinen Sinn, weil ein Großteil der Einnahmen über die Zuschauer kommt und wir auch nur Sponsorengelder erhalten, wenn wir Zuschauer haben. Wir sind nicht in einer Luxus-Situation, wie die Fußball-Bundesliga, die sich vor allem über Fernsehgelder finanziert. Für uns geht es ausschließlich über die Zuschauer und Fans, und deshalb ist es für alle Vereine und Einzelsportler existenzbedrohend, die darauf angewiesen sind, dass Veranstaltungen stattfinden.

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hessenschau.de: Wie sieht denn ein mögliches Szenario für Sie aus, bis zu welchem Zeitpunkt könnten Sie das Aussetzen des Spielbetriebs noch stemmen?

Krick: Sobald wir wissen, wann es wieder losgeht, werden wir sechs Wochen zuvor wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen. Bis dahin fahren wir alle Kosten soweit es geht herunter. Wir versuchen, die Verträge mit den Spielern entsprechend zu gestalten. Es gibt Horrorszenarien, dass es erst Ende nächsten Jahres wieder losgeht. Wir hoffen, dass es spätestens Ende 2020 wieder losgeht. Mein Wunsch wäre, dass alle Sportarten wieder gleichzeitig hochfahren, damit der Abstand insbesondere zum Fußball sich nicht noch mehr vergrößert. Aber dieser Wunsch wird wohl nicht in Erfüllung gehen.

Das Interview führte Sonja Riegel (hr-sport).