Vettel macht Hamilton nass - ein Bild mit Symbolcharakter auf dem Podium in Silverstone.

Sebastian Vettel ist für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff eine "Variante" - und wäre für das Team das perfekte Marketing-Instrument. Wagen die Silberpfeile das Experiment mit zwei Giganten?

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fans einig: Vettel-Weggang ein Verlust

Sebastian Vettel von Ferrari
Ende des Audiobeitrags

Der erfolgreichste deutsche Formel-1-Fahrer der vergangenen 15 Jahre im deutschen Weltmeisterauto? Der Faszination dieses Gedankenspiels kann sich natürlich auch Toto Wolff nicht entziehen. "Ein deutscher Fahrer in einem deutschen Fahrzeug ist eine gute Marketing-Story", sagte der Mercedes-Motorsportchef im ORF.

Unabhängig davon könne "kein gutes Team es einfach ignorieren, wenn ein viermaliger Weltmeister plötzlich auf dem Transfermarkt auftaucht", merkte der Österreicher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an. Bahnt sich da etwa ein "perfect match" an?

Vettel-Vertrag bei Ferrari läuft 2021 aus

Schließlich ist Mercedes nicht bloß ein gutes Team, es ist seit sechs Jahren das mit Abstand beste in der Formel 1. So wie Sebastian Vettel seit seinen Red-Bull-Weltmeisterjahren (2010 bis 2013) zu den Allerbesten seines Sports gehört. Und tatsächlich scheint für den Heppenheimer die "große Lösung" noch die wahrscheinlichste zu sein, will er nach Ablauf seines Ferrari-Vertrags auch 2021 weiter in der Motorsport-Königsklasse mitmischen.

Aber: Wie realistisch ist die Option Mercedes tatsächlich? "Beim Blick in die Zukunft sind wir natürlich zunächst einmal unseren derzeitigen Fahrern gegenüber zu Loyalität verpflichtet", erklärte Wolff, der ein Meister darin ist, öffentlich Türen nicht zu weit zu öffnen und selten komplett zuzuschlagen. "Für uns stellt sich auch die Frage, was wir mit George Russell machen. Das ist eine Option", fügte der 48-Jährige an, "und dann kommt auch eine Sebastian-Vettel-Variante dazu."

Mercedes-Duo Hamilton/Bottas harmoniert

Grund etwas zu verändern, hat Mercedes eigentlich nicht. Das derzeitige Fahrerduo Lewis Hamilton/Valtteri Bottas harmoniert seit drei Jahren exzellent. Zwar laufen die Verträge beider Piloten aus, doch um den sechsmaligen Weltmeister Hamilton herum ist das Team quasi aufgebaut worden. Der Brite bezeichnet den Rennstall als sein "Dream Team", zudem ist für ihn die einzig verlockende Alternative Ferrari durch die Verpflichtung von Carlos Sainz als Vettel-Nachfolger keine mehr.

Bliebe der Sitz von Bottas. Der 30-jährige Finne ist ein Muster an Konstanz, dazu ein Teamplayer erster Güte, der auch mit Hamilton harmoniert. Vettel mit seinen 53 Grand-Prix-Siegen ist ein anderes Kaliber, auch von seinem Temperament und den Ansprüchen her.

Riss zwischen Vettel und Ferrari

Hamilton und der Südhesse begegnen sich seit jeher mit großem Respekt, doch ein Rivale in der eigenen Garage ist eine ganz andere Qualität. Da muss man Hamilton nur auf Nico Rosberg und Vettel auf Charles Leclerc ansprechen.

Zudem hat Mercedes mit dem 22-jährigen Russell und auch dem an Renault abgetretenen Franzosen Esteban Ocon zwei Eigengewächse in der Hinterhand. Bis es zum offenkundigen Riss zwischen Vettel und Ferrari kam, erschien es als gesetzt, dass einer der beiden berufen wird, wenn Mercedes einen seiner Stammfahrer austauscht.

Vettel: Mercedes oder Ruhestand?

"Sebastian hat alle Fäden in der Hand", sagte Wolff nun mit Blick auf die Formel-1-Zukunft des Heppenheimers. Genau genommen stimmt das nicht: Mercedes allein entscheidet, ob man sich ein Gigantenduell mit zwei Alphatieren, dekoriert mit zehn WM-Titeln und 137 (!) Grand-Prix-Erfolgen gönnen will. Oder zumuten. Die Alternative für Vettel heißt angesichts der Marktlage wohl Ruhestand.