Sebastian Vettel

Der Formel-1-Rekordkalender wird um weitere Events reicher: Die Motorsport-Königsklasse trägt im Saisonverlauf drei Sprintrennen aus. Bei Sebastian Vettel muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verstappen siegt in Imola - Vettel scheidet aus

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Sebastian Vettel ist schon mal kein Freund der gerade beschlossenen "Revolution" in der Formel 1. "Sprintrennen machen aus meiner Sicht keinen Sinn", urteilte der viermalige Weltmeister und begründete: "Wieso sollte man ein Vor-Finale zum eigentlichen Grand Prix einführen? Was soll das bringen?"

Diese Frage kann der Heppenheimer nun seinem Teamchef Otmar Szafnauer stellen. Dieser nämlich stimmte wie jeder andere Stakeholder der Motorsport-Königsklasse am Montag für die Einführung von drei Sprintrennen als Qualifying-Upgrade noch in der laufenden Saison.

Spektakel statt Tradition

In Zeiten schwindenden Zuschauerinteresses will die Formel 1 Aufmerksamkeit erzeugen durch Action und Unvorhersehbarkeit. Dafür wird bewusst mit Traditionen gebrochen. Das Trainingsformat mit zwei Sessions a 90 Minuten etwa wurde bereits mit Saisonbeginn auf zweimal 60 Minuten verkürzt. Weniger Zeit zur Fahrzeugabstimmung soll vor allem die Top-Teams unter Druck setzen, zudem verdichtet sich das Geschehen auf der Strecke.

Die Sprintrennen gehen einen großen Schritt weiter, sie sind eine "Revolution", wertete die Marca, für die Sun ist das neue Format ein "radikaler Einschnitt". Formel-1-Boss Stefano Domenicali freut sich auf einen "dreitägigen Kampf, den die Fahrer sicherlich genießen werden".

Sprint entscheidet über Start

Der Plan sieht so aus: Bei zwei Europa-Rennen und einem Event in Übersee - voraussichtlich Silverstone (17./18. Juli), Monza (11./12. September) und Interlagos (6./7. November) -  wird das bewährte Qualifying auf Freitagnachmittag vorgezogen. Dieses entscheidet über die Startreihenfolge für das Sprintrennen am Samstag über gut 100 km, dessen Ausgang wiederum maßgeblich ist für die Startaufstellung des eigentlichen Rennens am Sonntag über mehr als 300 km. Aufgewertet werden die Sprintrennen durch WM-Punkte für die ersten drei Fahrer im Ziel (3-2-1).

Im Idealfall führt dieses Format zu mehr Action auf der Strecke schon vor dem eigentlichen Grand Prix. Andererseits stehen in einem "normalen" Qualifying die Top-Autos meist weit vorne, sie könnten den Sprint von der Spitze kontrollieren. Dies könnte zu Prozessionen führen, bei denen niemand mit Blick auf den eigentlichen Grand Prix am Sonntag allzu viel riskiert - immerhin gibt es da 25 Punkte für den Sieg.

Kritik und Kommerz

Dass die Entscheidung für die Sprintrennen dennoch einstimmig getroffen wurde, hat mit dem Alternativvorschlag von Formel-1-Management und FIA zu tun. Die Regelmacher wollten die Sprintrennen nämlich am liebsten im Reverse-Grid-Format durchführen. Der WM-Spitzenreiter würde also von ganz hinten starten, der Letzte der Fahrerwertung von der Pole Position. Ein solches Format habe "keinen Platz in einem Sport, der auf dem Kräftemessen und dem Wettkampf im eigentlichen Sinne basiert", kritisierte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Auch das nun beschlossene Format ist dem dominierenden Team der vergangenen sieben Jahre keinesfalls recht - zumal es ja mittlerweile einen Budgetdeckel von 145 Millionen Dollar gibt, der bereits 23 Hauptrennen abdecken muss. Die Formel 1 ist allerdings seit jeher eine Rennserie der Kompromisse. Und manchmal ist dabei auch etwas Positives herausgekommen. Vielleicht lässt sich davon auch Sebastian Vettel überzeugen.