Sebastian Vettel

Eigentlich wäre Sebastian Vettel gerade in China – unmittelbar vor dem Start des vierten Saisonrennens. Doch in Zeiten von Corona ist auch für den hessischen Formel-1-Star alles anders.

Mit den Kindern toben, im eigenen Fitnessraum Gewichte stemmen oder den Garten pflegen – Langeweile kommt bei Sebastian Vettel in diesen unsicheren Tagen inmitten der Coronakrise gewiss nicht auf. "Es ist immer Programm. Lange im Bett liegen ist nicht drin", sagt der viermalige Formel-1-Champion mit einem Lächeln. Überhaupt habe er nun "viel Zeit mit der Familie, was sehr schön ist. Die Kinder halten mich auf Trab".

Und doch fehlt etwas. Die Sehnsucht nach Adrenalin, Racing und Motorsport kann selbst diese Familien-Idylle nicht stillen. "Die letzte Woche hat es angefangen zu kribbeln und zu jucken", gibt der Ferrari-Star aus Heppenheim offen zu. "Es fehlt das Fahren, das Gefühl, dass etwas passiert."

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Auch die Formel 1 steht wegen der Coronavirus-Pandemie weiter still. Sebastian Vettel und Ferrari wollen die Zwangspause nutzen, um sich weiter zu verbessern - und verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. Mehr dazu im Video bei sportschau.de.

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Normalerweise wäre Vettel gerade in China, am Sonntag würde dort der vierte Saisonlauf steigen. Doch was ist in diesen Tagen schon normal? Nachdem der Saisonauftakt in Australien im März kurz vor dem Wochenende doch noch ausfiel, häuften sich weitere Absagen und Verschiebungen. Mit dem anvisierten Saisonstart Ende Juni in Frankreich wird es wohl ebenfalls nichts, weil Staatspräsident Emmanuel Macron alle Großereignisse bis Mitte Juli verboten hat.

Nun strebt die Königsklasse des Motorsports offenbar einen Saisonstart in Österreich an. Das Rennen in Spielberg soll wie bisher geplant am 5. Juli über die Bühne gehen und könnte damit die Saison eröffnen – jedoch ohne Publikum. Anschließend könnten zwei weitere "Geisterrennen" in Silverstone stattfinden. Dieser vorläufige Plan sei den Teams von den Formel-1-Chefs in einer Onlinekonferenz vorgestellt worden.

Ungewissheit zerrt an Vettels Nerven

Belastbare Informationen gibt es aber noch nicht. Die Ungewissheit zerrt auch an Vettels Nerven. "Es ist schwierig, geduldig zu bleiben. Jeder will eine Antwort auf die Fragen: Wann geht es weiter? Wann ist alles wieder auf normal gesetzt?", sagt Vettel, aber: "Das sind Fragen, auf die es keine konkreten Antworten gibt."

Derzeit bleibe nur die Option, "geduldig zu sein und verantwortungsvoll zu leben". Außerdem sei diese "Null-Zeit eine riesige Möglichkeit und sehr besinnlich" – für die Menschen selbst und auch aus sportlicher Sicht für die Scuderia. "Wir können nicht aktiv entwickeln, weil die Fabrik geschlossen ist. Aber der Kopf steht nicht still, Gedanken sind erlaubt", sagt Vettel. Bis der Tag kommt, an dem man "hoffentlich die ganzen Geistesblitze in die Tat umsetzen" kann.

Vettel: "Es gibt Menschen, die um ihr Leben kämpfen"

Der 32-Jährige weiß, dass die getroffenen Vorsichtsmaßnahmen unerlässlich sind. Vor allem, weil sein Ferrari-Team mit Sitz in Maranello von der Krankheit besonders betroffen ist. Die Bilder in den Nachrichten seien "schrecklich und prägend", sagt Vettel, er werde sie ganz sicher nicht mehr vergessen.

Glücklicherweise habe es im direkten Umfeld des Teams "keinen Todesfall und keine allzu schlimmen Meldungen" gegeben. Aber Vettel betont: "Alle, die nicht betroffen sind, müssen sich vor Augen führen, dass es im Moment Menschen gibt, die um ihr Leben kämpfen." Und in diesen Zeiten muss sich alles dem Kampf gegen Corona unterordnen. Auch die Formel 1.