Sebastian Vettel feiert Hamilton

Sebastian Vettel spritze endlich mal wieder mit Champus herum. Weil Lewis Hamilton Weltmeister wurde. Aber auch, weil die Hoffnung für den Heppenheimer zurückkehrte.

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Die Siegerehrung nach dem Formel-1-Rennen in Istanbul
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Eigentlich hatte Sebastian Vettel ja gute Laune, hervorragende sogar. Aber diese Frage sorgte dann doch für eine Falte auf der Stirn des Ferrari-Piloten. Ob der dritte Platz in Istanbul zeige, dass Vettel noch immer ein Fahrer von großer Qualität sei, wollte jemand wissen.

Naja, sagte der Heppenheimer, "ein bisschen geschockt" sei er von dieser Herangehensweise: "Ferrari hatte ein schwieriges Jahr, und ich war sicher auch nicht immer in Bestform. Aber ich zweifle doch nicht daran, dass ich es noch kann im Auto." Mehr als ein Jahr hatte Vettel auf einen Podestplatz in der Formel 1 warten müssen, und eigentlich nahm ihn die Motorsportgemeinschaft am Sonntag mit großem Wohlwollen wieder auf in den Kreis der Erfolgreichen.

Aber der Deutsche hat eben auch ein Jahr hinter sich, das empfindlich macht. Der Ferrari SF1000 erlaubt zwar tatsächlich keine Großtaten, nur war Vettel in diesem Auto eben auch durchgehend deutlich schwächer als sein Teamkollege Charles Leclerc. Und er wurde von der Scuderia zu dessen Gunsten vor die Tür gesetzt.

Im "Seifen-Rennen" von Istanbul zu alter Stärke

Die Stimmen derer, die in Vettel nicht mehr den viermaligen Weltmeister von einst sehen, wurden daher in der Tat lauter. Dieser enorm herausfordernde Große Preis der Türkei war daher eine Chance, das Bild zurechtzurücken, und Vettel nutzte sie. "Es war ein langes Rennen, viel Arbeit, schwierige Bedingungen", fasste er zusammen, "und natürlich ist das schön nach dieser langen Durststrecke."

In einem Grand Prix, in dem professionelle Rennfahrer reihenweise aussahen wie Anfänger, in dem sich über die gesamte Dauer Autos von der seifigen Strecke drehten, blieb Vettel fehlerfrei und schnell. Und hätte von Startplatz elf ja sogar gewinnen können, wenn an der Spitze nicht ein nun siebenmaliger Weltmeister brilliert hätte: Lewis Hamilton fuhr gegen jede Erwartung mit einem alten Reifensatz durch und gewann.

Vettel will nochmal alles "rausquetschen"

So wurde es Rang drei für Vettel, haarscharf hinter Sergio Perez im Racing Point, aber auch dieses Ergebnis gab Schwung für die Abschiedstour im Ferrari. "Ich freue mich jetzt auf die letzten drei Rennen, ich will nochmal alles rausquetschen, für mich und für das Team", sagte Vettel.

Und dass er Hoffnung schöpfen darf für die kommenden Monate, das lag nicht allein an seiner eigenen Leistung. Denn sein künftiger Rennstall zeigte mal wieder, dass Potential in diesem Team steckt.Racing Point, im kommenden Jahr Aston Martin, holte am Samstag die Pole Position durch Lance Stroll, am Sonntag Rang zwei durch Perez.

Die Hoffnung auf ein gutes Auto

Das Auto, in weiten Teilen eine Kopie des Vorjahres-Mercedes, lag dabei auf der rutschigen Strecke besser als fast alle anderen, auch besser als der Mercedes. Der in diesem Jahr noch pinke Bolide ist ein Allrounder, und durch die Updates im Laufe der Saison hat er weniger mit dem Mercedes-Konzept zu tun, als noch zu Beginn.

Racing Point deutet damit an, dass auch für die neue Saison ein Leistungssprung erwartet werden darf. Den starken Mercedes-Motor wird das Auto weiterhin im Heck haben. Vielleicht muss Vettel also nicht erneut ein Jahr auf die nächsten Erfolge warten.