Stephan Leyhe

Die erste Vierschanzentournee nach seinem Kreuzbandriss war für Stephan Leyhe ein Wechselbad der Gefühle. Denn noch fehlt dem Willinger das richtige Feeling, bis zum Heimspiel in Willingen soll das aber zurück sein.

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Leyhe: "Ich bin ganz zufrieden"

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Stephan Leyhe ist kein Mann großer Emotionen. "Ich bin schon zufrieden", sagte der Willinger nach dem letzten Springen der 70. Vierschanzentournee am Donnerstag in Bischofshofen. "Schon zufrieden" ist er mit Rang elf in der Gesamtwertung der Tournee - mehr aber auch nicht. Zwar ist es Leyhes erste Saison nach dem Kreuzbandriss im Frühjahr 2020, die Ansprüche des 30-Jährigen an sich selbst aber sind hoch.

"In Deutschland war ich zwei Mal in den Top Ten, in Österreich dann irgendwo Mitte 20", bilanziert Leyhe. Die bayrischen Schanzen in Oberstdorf und Garmisch-Patenkirchen, für sie hat der Skispringer das, was die Sportler Feeling nennen. Anders ist das im österreichischen Bischofshofen, zumindest in diesem Jahr - schon nach dem ersten Sprung auf der Paul-Außerleitner-Schanze haderte Leyhe. "Ich bin froh, dass ich noch einen zweiten Sprung hatte", sagte er da.

Zurück in den Flow

Dass nach der wetterbedingten Absage des Springens in Innsbruck gleich zwei Wettkämpfe der Tournee in Bischofshofen stattfanden, machte es nicht besser. "Ich bin ein bisschen enttäuscht, weil ich die Schanze eigentlich mag, aber das Feeling nicht habe, um auf die 135 zu springen." Genau diese 135 Meter hätten zumindest beim abschließenden Springen für einen besseren als Platz 25 gereicht.

Ein Ziel aber hat Leyhe dann doch noch erreicht, bei der Vierschanzentournee. "Ich habe acht Sprünge in die Wertung gekriegt." Heißt: Leyhe hat bei allen Springen den zweiten Durchgang erreicht und die K.o.-Duelle stets für sich entschieden. Und das ist nicht nur mit Blick auf die Weltcup-Punkte wichtig. Nach der schweren Verletzung bekommt der Willinger mit jedem Sprung mehr Routine, findet zurück in den Flow, der im Skispringen fast genauso wichtig ist, wie das Feeling für die jeweilige Schanze.

Olympia als Ziel

Mit Feeling und Flow hat er dann auch Chancen, Teil des deutschen Teams für die Olympischen Winterspiele in Peking im Februar zu sein. "Ich will da schon mitfahren", betont Leyhe. "Es sind viele Anwärter da, auf die übrigen Plätze. Letztlich werden es die Trainer entscheiden." Und die dürften den Nordhessen neben den beiden Topspringern Karl Geiger und Markus Eisenbichler fest eingeplant haben.

Denn - der Konkurrenz um die verbliebenen Plätze im Team fehlte auch bei der Tournee die Konstanz. Zwar ließ Severin Freund bisweilen mit starken Sprüngen aufhorchen, verpasste andernorts dann aber die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Auch Pius Paschke, Constantin Schmid und Andreas Wellinger suchen weiter ihre Topform.

Willingen: Highlight zu Hause

Leyhe sucht indes das Feeling für Bischofshofen - schon an diesem Wochenende, denn dann wird dort wieder gesprungen. "Ich freue mich, nochmal die Chance zu bekommen, die Schanze zu knacken und einfach wieder Spaß am Skispringen in Bischofshofen zu haben." Zu Hause in Willingen muss er das Feeling nie suchen, und auch in Topform will Leyhe bis zum Heimweltcup Ende Januar wieder haben. "Das ist für mich ein Highlight." Und vielleicht ist der Nordhesse dann, wenn es zum Skispringen wieder in die alte Heimat geht, ein Mann der ganz großen Emotionen.