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Das deutsche Biathlon-Team ist ab Mittwoch bei der WM in Pokljuka am Start. Wie groß die Chancen auf Medaillen sind, was in diesem Jahr besonders herausfordernd ist und warum Corona nicht nur für die Fans ein Problem ist, erklärt Ex-Biathletin Nadine Horchler.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Horchler: "Vielleicht fällt es nicht so leicht abzusagen"

Nadine Horchler
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"So eine WM, hat ihre eigenen Gesetze", sagt eine, die es wissen muss, im Gespräch mit dem hr-sport: Nadine Horchler, Ex-Biathletin. "Wenn man eine Medaille holen soll, dann klappt es auch und dann weiß man im Nachhinein oft gar nicht, wie und warum es ausgerechnet an dem Tag geklappt hat, mit den 20 Treffern." Die Nordhessin hofft, dass ihre ehemaligen Teamkolleginnen genau so einen Tag erwischen, wenn sie ab Mittwoch bei der WM im slowenischen Pokljuka an den Start gehen.

Und das, obwohl bei dieser WM vieles ganz anders sein wird als in den vergangenen Jahren. Der Grund ist wie so oft aktuell: das Coronavirus. Die im deutschen Team so beliebten Spieleabende fallen aus, beim Mittagessen gelten Abstandsregeln, die Hygieneregeln sind streng. Die Vorfreude im deutschen Team ist trotzdem groß. "Man freut sich schon, wenn es endlich losgeht", sagt etwa Denise Herrmann.

Keine Fans, viele Regeln

Denn lange war nicht klar, ob und wie die Titelkämpfe ablaufen. "Die meisten sind einfach froh, dass die WM stattfinden kann. Die Ungewissheit schwingt im Moment ja auch immer mit", weiß Horchler. "Dass da jetzt Ruhe reingekommen ist und auch die Vorbereitung reibungslos lief, das ist das Wichtigste." Eigentlich hatte die russische Stadt Tjumen den Zuschlag für die Austragung erhalten, aber wegen der Enthüllungen im McLaren-Report entzog der Weltverband IBU Russland die WM.

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Die Biathlon-WM

Von 10. bis 21. Februar fallen insgesamt zwölf Entscheidungen bei der Biathlon-WM. Für den Deutschen Skiverband gehen je fünf Frauen und Männer an den Start. Verfolgen Sie die Rennen live bei sportschau.de und in der ARD.

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Jetzt also Pokljuka - Titelkämpfe im Hochrisikogebiet. Alle im Team werden regelmäßig getestet, Fans an der Strecke sind, wie bereits den gesamten Winter, nicht erlaubt. Dass das ein Nachteil ist, glaubt Ex-Biathletin Horchler nicht. "Die Sportler können das gut ausblenden", so die Nordhessin, und schließlich seien alle inzwischen daran gewöhnt. Viele, die bei der WM dabei sind, waren auch bei Olympia in Pyeongchang, auch da waren schon nicht viele Fans." Anders als im vergangenen Jahr bei der WM in Antholz.

Mentale Entlastung fehlt

Damals waren auch gemeinsame Teambuilding-Maßnahmen noch möglich, jetzt geht es nach einem anstrengenden Wettkampftag allein ins Hotelzimmer. Und das könnte zum Problem werden. "Das ist schwierig, denn was fehlt ist, dass man mal abschalten kann. Gerade das macht das Teambuilding aus - da geht es ja darum, dass man sich mal auf einer anderen Ebene begegnet", so Horchler. "Nicht als Sportlerinnen, sondern als Freundinnen, die etwas zusammen unternehmen. Und das fällt komplett weg."

Und das ist nicht die einzige Herausforderung - die mentale Entlastung, das Abschalten, wie Horchler es nennt, ist beim Biathlon von zentraler Bedeutung. "Sie können nicht raus, oder noch einmal kurz vor der WM für ein Wochenende nach Hause zur Familie fahren - mit der Bubble fällt das alles weg. Das ist für den Kopf nicht einfach", so die 34-Jährige. Und genau der braucht Erholungsphasen, damit die Konzentration in den Rennen funktioniert. "Die Anspannung vor dem Schießen beginnt schon lange, bevor man am Schießstand steht. Genau dafür ist es wichtig, mental abzuschalten."

Medaillenhoffnung? "Die Jungs sind gut dabei"

Dass das deutsche Team dennoch gute Chancen auf die Medaillenränge hat, davon ist Horchler überzeugt. "Die Jungs sind ja gut dabei." Auch wenn es mit der starken Konkurrenz aus Norwegen und Frankreich alles andere als einfach würde, dürfen sich Benedikt Doll und Erik Lesser an einem guten Tag sicher etwas ausrechnen. Und auch Arnd Peiffer feierte beim Massenstart in Hochfilzen schon einen Saisonsieg.

Und ihre einstigen Teamkolleginnen? "Franzi Preuß hatte gute Ergebnisse", so Horchler. Und sie hatte zuletzt als einzige deutsche Biathletin eine unglaubliche Kostanz. Die fehlte etwa Denise Herrmann. Horchler aber ist überzeugt: "Wenn sie nur ein, zwei Treffer mehr hat, dann sieht das Bild noch einmal ganz anders aus." Denn auch die Laufstärke ist bei Herrmann zurück. "Ich hoffe, dass es besser läuft, als alle glauben." Schließlich hat so eine WM ja ihre ganz eigenen Gesetze.