Sebastian Vettel fuhr in der Quali zum Rennen in Spielberg hinter der Spitze her.

Sebastian Vettel fährt im freien Training vor dem Großen Preis von Österreich der Konkurrenz hinterher. Auch die Frage nach seiner Zukunft wird dringlicher.

Sebastian Vettel musste sich nach dem enttäuschenden Auftakt in Spielberg aufrappeln - doch nun droht an gleicher Stelle der nächste Wirkungstreffer. "Wir hoffen, dass wir in die Top Ten kommen", beschrieb der Heppenheimer nach dem enttäuschenden Freitags-Training die neue Normalität bei Ferrari, "und dann schauen wir im Qualifying weiter."

Im lahmenden roten Auto war Vettel meilenweit hinterhergefahren, zwei Sekunden fehlten auf die Spitze. Diese hatte Red-Bull-Star Max Verstappen inne, der sich mit 43 Tausendstelsekunden vor Valtteri Bottas im Mercedes durchsetzte. Weltmeister Lewis Hamilton reihte sich auf Rang sechs ein.

"Das Auto hat sich besser angefühlt als letzte Woche"

Für den Samstag sind starker Regen und Sturm angesagt, sogar eine Absage des Qualifyings wirkte daher nicht völlig unrealistisch - sollte die Zeitenjagd auch nicht nachgeholt werden können, würde das Ergebnis des zweiten Freitags-Trainings die Startaufstellung ergeben.

Vettel lag indes so ungewöhnlich weit hinten, weil seine schnellste Runde wegen Überfahrens der Streckenbegrenzung gestrichen wurde - auch mit dieser Zeit wäre Vettel aber allenfalls im Mittelfeld gelandet, knapp hinter seinem Teamkollegen Charles Leclerc, Neunter wurde. "Das Auto hat sich aber besser angefühlt als letzte Woche", sagte Vettel, "der Tag war in Ordnung, die Zeiten darf man noch nicht so wichtig nehmen."

Für Ferrari droht aber das befürchtete Szenario wahr zu werden: Die Updates am Auto lösen die Probleme vom vergangenen Rennen nicht einmal ansatzweise, auch an diesem Wochenende scheint der SF1000 nicht konkurrenzfähig. Und das könnte für Vettel in diesem Schicksalsjahr, an dessen Ende er Ferrari verlassen muss, zum Dauerproblem werden. Findet die Scuderia keinen Dreh, dann wird der Deutsche sich nicht für einen neuen Arbeitgeber empfehlen können - wobei die Situation momentan ohnehin verfahren wirkt.

Definitives Nein von Red Bull

Erst am Donnerstag hatte Vettel deutlich gemacht, wie attraktiv eine Rückkehr zu Red Bull wäre. Doch sein Ex-Team zeigt ihm derzeit wiederholt die kalte Schulter. "Keinen Platz" im Team habe man momentan, sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei auto motor und sport, Teamchef Christian Horner wurde noch deutlicher. Auf die Frage nach Vettel gebe Red Bull "ein definitives Nein, fürchte ich", sagte der Engländer bei Sky Sports News: "Ich denke, Sebastian weiß das - nun, er weiß es."

Denn schon in den vergangenen Tagen hatte es wohl Gespräche zwischen Vettel und seinen alten Weggefährten zur Thematik gegeben, Vettel flirtet dennoch weiter. Eine Chance könnte sich wohl nur dann ergeben, wenn Albon dauerhaft unter den Erwartungen bliebe.

Kaum Alternativen für Vettel

Ansonsten bleiben kaum Alternativen für die Fortsetzung von Vettels Karriere. Racing Point, das im kommenden Jahr zum Aston-Martin-Team wird, ist schon jetzt auf einem beeindruckend hohen Level unterwegs und wäre ohne Zweifel attraktiv. Die Fahrer Sergio Perez und Lance Stroll, am Freitag Dritter und Vierter, sitzen aber recht fest im Sattel. Letzterer ist der Sohn des Milliardärs Lawrence Stroll, der sich bei Aston Martin eingekauft hat und an der Spitze des Rennstalls steht.

Für einen freien Sitz bei Mercedes müsste dort schon jemand abdanken - und Bottas wittert im stets aussichtslos wirkenden Kampf mit Hamilton gerade frische Morgenluft. Den Auftakt am vergangenen Sonntag hatte er bereits gewonnen, auch im Training am Freitag war er nun schneller. Mit zwei Siegen ist Bottas noch nie in eine Saison gestartet, und gerade im verkürzten Corona-Jahr wäre das durchaus wertvoll.