Ein Spieler von Frankfurt Universe

In Frankfurt wollen im kommenden Jahr gleich zwei Teams hochklassigen Football anbieten – allerdings in unterschiedlichen Ligen. Auch für alle Fans der Universe wird es Veränderungen geben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Geht es um Football, dann war Frankfurt Universe jahrelang der Platzhirsch in Hessens Großstadtmetropole. Doch das wird sich 2021 ändern. Nach einer Abspaltung soll es ein weiteres Team geben, das noch auf der Suche nach einem neuen Namen ist und dann in der neugegründeten European League of Football (ELF) antreten will – und damit auch in Konkurrenz zur Universe stehen wird.

Was denkt Frankfurt Universe über das neue ELF-Team?

Nach dem Abschied von Geschäftsführer Alexander Korosek, der sich nun um die Geschicke des neuen ELF-Clubs kümmert, war man beim Stammverein AFC Universe Frankfurt durchaus erst einmal geschockt. Die Nachricht vom neuen Konkurrenten rief ein geteiltes Echo hervor, wie der Vorsitzende Alexander Landsiedel im Gespräch mit dem hr-sport erklärt.

"Bei uns gibt es drei Gruppen. Die erste Gruppe sieht das relativ kritisch. Die zweite findet die Entwicklung spannend und ist für mehr Professionalisierung des Football-Sports in Frankfurt. Und die dritte Gruppe reagiert abwartend, schließlich dauert es ja noch ein bisschen, bis die neue Saison losgehen soll", sagt Landsiedel.

Welche Pläne verfolgt die Universe jetzt?

Das Ziel ist klar: Frankfurt Universe möchte wie in den vergangenen Jahren auch in der German Football League (GFL) antreten. Das ist hierzulande die höchste Spielklasse, die der American Football Verband Deutschland (AFVD) ausrichtet. Die Bewerbung dafür, also die Lizenzunterlagen, hat die Universe fristgerecht bis zum 15. November eingereicht.

Die Deadline war von Mitte Oktober um einen Monat nach hinten verschoben worden. In den Unterlagen der Hessen seien "ganz klar noch Lücken gewesen", wie Landsiedel sagt. "In der Corona-Lage fehlt uns eine Menge Geld. Die Zuschauerthematik ist ungewiss." Im Verein laufen deshalb auch Beratungen, wie die Heimspiel-Events "ein, zwei Nummern kleiner" ausfallen könnten.

Die Entscheidungen trifft am Ende die Betriebs-GmbH – auch im sportlichen Bereich. Weil Korosek den bisherigen Cheftrainer Thomas Kösling zum neuen ELF-Team mitnimmt, muss sich der nun alleinige Universe-Geschäftsführer Daniel Zeidler in erster Linie um einen neuen Coach bemühen. Der wird dann das Team zusammenstellen.

Wo sollen die Heimspiele beider Teams stattfinden?

Die Tendenz: Sowohl die Universe als auch das ELF-Team wollen in Frankfurt im Stadion am Bornheimer Hang spielen. Nachdem Frankfurt Galaxy in den 1990er- und 2000er-Jahren durchschnittlich mehr als 30.000 Fans im Waldstadion begrüßte, hat sich die 12.500 Zuschauer fassende Arena an der Autobahn 661 als neue Heimat des Frankfurter Football-Sports etabliert. Allerdings: Dass die Universe ausweicht und sich eine neue Heimspielstätte sucht, ist nicht ausgeschlossen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt Universe meldet sich für Football-Saison 2020 ab

Wide Receiver Anthony Mahoungou von Frankfurt Universe schaut ins Leere
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Was bedeutet das alles für die Fans?

Genau das ist die Gretchenfrage. Es ist völlig offen, wie das neue ELF-Team angenommen wird, ob sich Football-Fans künftig für beide Clubs interessieren und – sollte die Pandemie es in naher Zukunft überhaupt zulassen – sie sich Dauerkarten für die Heimspiele beider Mannschaften kaufen würden.

Universe-Vereinsboss Landsiedel sieht der neuen Konkurrenz-Situation aber ohnehin gelassen entgegen. "Der Wettbewerb um Spieler, Ressourcen und Sponsoren ist immer schon da", sagt er mit Verweis auf die hohe Dichte an Spitzenmannschaften: In Bad Homburg, Darmstadt und Wiesbaden sowie mit den Frankfurt Pirates tummeln sich nämlich auch in der GFL2 weitere Clubs aus der Region.

Wenn beim ELF-Team alles so klappe, "wie es propagiert wird, ist das sicherlich eine starke Konkurrenz", so Landsiedel. Aber: "Wir bieten das etablierte und über Jahre entwickelte Produkt an. Das andere Produkt ist das neue. Und wenn etwas Neues dazukommt, muss es erst einmal beweisen, dass es funktioniert."

Und was passiert sonst in der GFL?

Insgesamt 14 GFL-Teams haben ihre Lizenzunterlagen fristgerecht eingereicht. Die Hildesheim Invaders (Nord-Staffel) sowie die Ingolstadt Dukes (Süd-Staffel) allerdings haben ihren Rückzug aus dem Oberhaus angekündigt. Hildesheim will künftig in der GFL2, Ingolstadt sogar in der Regionalliga antreten.

In beiden Staffeln ist nun jeweils ein Platz frei. Ob sie auch frei bleiben oder es eventuell ein Nachrückerverfahren geben wird, ist noch offen. Um in der Planung der neuen Runde Corona-Unwägbarkeiten besser auffangen zu können, wird die Saison 2021 erst im Juni starten.