Ein Monobob beim Start
Alleine anschieben, alleine steuern: Beim Monobob macht einer, besser gesagt eine, alles. Bild © picture-alliance/dpa

Anschieben und steuern – auf Top-Niveau ist Bobfahren Teamarbeit. Die geplante Einführung eines olympischen Mono-Wettbewerbes sehen Hessens Eiskanal-Profis Anna Köhler und Tina Hermann nicht nur deshalb kritisch.

Videobeitrag

Video

zum Video Köhler: "Monobob ist ein Rückschritt"

Ende des Videobeitrags

Sie waren gekommen, um sich feiern zu lassen – am Ende redeten sich aber beide den Frust von der Seele: Hessens erfolgreiches Eiskanal-Duo Tina Hermann und Anna Köhler hat sich im heimspiel! des hr-fernsehens gegen die geplante Einführung eines Monobob-Wettbewerbs gestellt. Sowohl die frischgebackene Skeleton-Weltmeisterin Hermann aus Hirzenhain als auch Bobfahrerin Köhler (Reichelsheim), die bei der WM im kanadischen Whistler vor wenigen Wochen im Team-Wettbewerb ebenfalls Gold holte, können der umstrittenen Disziplin nicht viel abgewinnen.

Zur Erklärung: Im Bobsport setzen sich Frauen schon seit langem für eine Gleichberechtigung ein, fordern Viererbob-Wettkämpfe – die bei den Männern bereits seit 1924 olympisch sind – als Königsdisziplin. Allerdings: Ohne Absprache mit den Athletinnen hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) stattdessen die Einführung des Monobobs beschlossen, bereits 2022 in Peking soll es erstmals soweit sein.

Kritik am Monobob

Beim Monobob sind Sportlerinnen beides gleichzeitig: Anschieberin und Pilotin. Kritiker bemängeln, dass es sich dabei um eine abgespeckte weil kostengünstigere Variante handelt, die zudem noch in den Kinderschuhen steckt. Es gibt weder einen Europa- noch einen Weltcup, getestet wurde die Variante bislang im Behindertensport und bei Olympischen Jugendspielen.

Fakten, die Köhler ein eindeutiges Fazit ziehen lassen. "Das ist ein Rückschritt für unsere Sportart. Wir sind ein Mannschaftssport", sagte sie. "Wenn dann plötzlich jemand alleine im Schlitten sitzt, ist das ganze Teamgefühl weg." Statt wie die Männer mit dem Viererbob eine weitere olympische Medaillenchance zu haben, bekommen die Frauen nun Wettbewerbe in "Anfängergeräten": "Es ist ein ganz anderes Fahrgefühl als bei einem Zweierbob."

Hermann und Köhler fragen: Wie soll das gehen?

Und Köhler legt nach: "Ich hätte mir lieber einen Team-Wettbewerb gewünscht. Bei der WM funktioniert das schon", erläuterte die 25-Jährige. "Der Mono-Wettbewerb bedeutet einen Mehraufwand. Den noch in den Zeitplan reinzuquetschen, das wird sehr eng." Eine Sorge, mit der Köhler bei Skeleton-Ass Hermann offene Türen einrennt.

"Wir wissen auch noch nicht so genau, wie sie das mit den Fernsehzeiten hinbekommen wollen. Wo wird das laufen? Werden wir auf donnerstags gesetzt, sodass wir die blöderen Fernsehzeiten bekommen?", stellt die Mittelhessin Fragen, über die sich die Verantwortlichen im Wintersport künftig Gedanken machen müssen. Geht es nach Hermann, berücksichtigen sie dabei auch die Wünsche aller Sekeletonis.

"Das ärgert uns schon sehr"

"Wer werden immer hinten dran gesetzt, und Bob wird immer vor gestellt", bemängelte sie, dass ihre Sportart in der öffentlichen Wahrnehmung mit den Bob-Königinnen und -Königen schwer zu kämpfen hat. "Das ärgert uns schon sehr, sehr arg." Wie gesagt: Statt sich feiern zu lassen, mussten sich Anna Köhler und Tina Hermann erst einmal den Frust von der Seele reden.

Videobeitrag

Video

zum Video WM-Whistler: Im Rausch der Gefühle

Ende des Videobeitrags